Die Beamtenbanken wollen sein und sind den Beamten
Helfer in der Not. Sie wollen ihnen aber noch mehr sein
Deutschland hat ungefähr anderthalb Millionen Beamte
Tavon sind allein im Deutschen Beamtenbund über eine
Million organisiert. Der Geschäftsanteil der Beamtenban—
ken beträgt durchschnittlich 60 RM. Anderthalb Millionen
Beamte, Mitglieder der Beamtenbanken, könnten den Be—
amten banken ein Betriebskapital von 90 Millionen RM.
zur Verfügung stellen. Anderthalb Millionen Beamte über—
weisen ihre Gehaltsbezüge den Beamtenbanken mit durch⸗
chnittlich rund 200 RM. monatlich, macht 300 Millionen
RM. Mit einem Viertel dieses Betrages können die Ban—
ken halbmonatlich arbeiten. Kann sich jemand ausdenken
was damit geleistet werden kann. Ich habe schon öfters in
Artikeln und Vorträgen auseinandergesetzt, welche Macht
hierin steckt und wie sie ausgewertet werden könnte. Geld
regiert die Welt. Das Bankhaus Rothschild hat die frühe—
ren Fürstenhäuser, die früheren Kriege finanziert: Heute
tut es das amerikanische Bankhaus Morgan. Von den deut—⸗
schen Großbanken haben die Commerz- und Privatbank ein
Kapital von 42 Millionen RM. die Darmstädter und Na—
tionalbank von 60 Millionen RM., die Dresdener Banl
von 100 Millionen, die Disconto-Gesellschaft von 135 Mil—
lionen und die Deutsche Bank von 150 Millionen RM.
Welche Macht ist in diesen Großbanken verkörpert. Sie sind
beteiligt an Versicherungsgesellschaften, an Handelsunter⸗
nehmungen, an Bergwerken, an Hüttenwerken; kurz: über—
all. Wir müssen ebenfalls eine Kapitalsmacht werden. Das
ist möglich. Wir haben Anfänge davon in dem Lande der
unbegrenzten Möglichkeiten, in den Vereinigten Staaten
von Nordamerika. Dort befinden sich schon kapitalkräftige
Arbeitnehmerbanken. Die Lokomotivführergewerkschaft be—⸗
fitzt allein 9 Banken. Eine dieser Banken verfügte bereits
drei Jahre nach der Gründung über Einlagen von 100 Mil—
lionen Reichsmark. Sie betreibt ein umfangreiches Lebens
versicherungsgeschäft, sie kontrolliert über 560 vhH von Unter
nehmungen im Werte von 600 Millionen RM. In New—
York hat eine andere Gewerkschaft die Bundesbank gegrün—
det. Zwei Jahre nach ihrer Gründung hatte sie bereits ein
Kapital von 45 Millionen RM. Präsident Coolidge be—
glückwünschte die Bank zu ihren, Erfolgen, und er wies hier—
bei auf den Nutzen der Bank für die Allgemeinheit hin.
Der amerikanische Präsident beglückwünscht eine Arbeiter⸗
bank zu ihren Erfolgen! Sollte es nicht dahin kommen, daß
auch einmal ein deutscher Reichspräsident die deutschen Be⸗
amtenbanken zu ihren Erfolgen beglückwünscht!
Wir brauchen aber gar nicht nach Nordamerika zu gehen.
Wir hahen Anfänge dieser Entwicklung auch bei uns. Die
Badische Beamtenbank bei F knapp sechsjährigem Be—⸗
tehen eine Mitgliederzahl von 8 000, d. i. fast die gesamte
Bbeamtenschaft Badens. Die Summe der GSeschäftsanteile
»eträgt über eine Million RM., der Gesamtumsatz 1926
21 Milliarden RM. Monatlich gehen 14 Millionen RM.
in Gehaltsüberweisungen ein, Spareinlagen 6 Millionen;
3Millionen RM. verbleiben von den laufenden Konten.
924 betrug der Gewinn 36 000 RM., 1925: 96 000 RM.
926: 114 000 RM. 19 Gebäude, darunter ein großes Ge—
chäftshaus, besitzt die Bank. Von den 14 Millionen RM.
ner monatlichen Gehaltsüberweisungen wird die Hälfte
orübergehend und im Austausch an andere Banken aus
geliefert.
All dies bringt die Badische Beamtenbank bei 55 000
MNitgliedern fertig. Was könnten die deutschen Beamten—
hanken leisten, wenn sämtliche anderthalb Millionen Be—
imten Mitglied wären? Dreißigmal soviel. Die Entwick—⸗
ungsmöglichkeiten der Beamtenbanken find unbegrenzt.
Zegreift das endlich die Beamtenschaft? Es ist die höchste
zeit, daß sie sich auf ihre Macht besinnt. Es könnte sonst zu
pät sein. Der wirtschaftliche Niedergang der Beamtenschaft
jeht unaufhaltsam weiter. Seit 30 bis 40 Jahren! Wäh—⸗
end andere Bevpölkerungskreise ihre wirschaftliche Lage
jerbessern, geht es mit den Beamten, an der Teuerung ge—
nessen, unaufhaltsam abseits, wie wiederholt mit amt⸗
ichem Material nachgewiesen worden ist. Auch die jetzige
krhöhung der Gehälter bringt die Beamten nicht vor—
wärts, sondern, am Realeinkommen gemessen, ist auch jetzt
toch das Gehalt der Beamten geringen als vor dem Kriege.
Der wirtschaftliche Riedergang setzt sich fort.
Wie kommt das? Wer Ohren hat zu hören, der höre, und
wer Augen hat, zu sehen, der sehe. Die Besoldungskämpfe
in den letzten Jahren! Sie haben uns sehend und hörend
zemacht. Welche Kämpfe hat es gekostet, bis die Besol⸗
dungsneuregelung Gesetz wurde. 1923 wurden 25 vñ der
Beamten abgebaut. Seit 1923 reformiert man. Man refor⸗
niert solange, bis wir kein Berufsbeamtentum mehr haben
Dagegen gilt es sich zu wehren. Jetzt heißt es: Nicht
unterkriegen lassen, nicht sterben, sondern leben wollen!
Unserem organisatorischen Zusammenschluß muß der geld⸗
lich⸗wirtschaftliche Zusammenschluß folgen. Keine Zeit ist
zu verlieren, wenn die Beamtenschaft nicht elend unter⸗
gehen will, wenn sie nicht haben will, daß man über sie
hinwegschreitet.
Hugo Anschütz.
J
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Rheumatlsmus
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Man darf wohl 8 das hei dem hochentvickelten Stande der
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Leiden ꝛur Asagoee stehen, insbesondere gege Rheumatismus.
Aber men wird bei gennuer Prüfung fsinden, datß auch in dieser
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gninet it Recht Pingt desnalb des bublium nur solchen tletmitisin
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