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3. Jahrgang
Inbhalt: Zur Lage. — Beamten. Verbände und Besoldungsreform. — Von der Bundesleituna. — Aus den Verbänden.

Saarbrücken, den 7. April 1928

———

ZURLAGE

In der letzten Märzwoche hat Herr Minister Lambert
das Saargebiet verlassen. Acht Jahre lang hat er der Ab—
teilung „Heffentliche Arbeiten“ als Minister vorgestanden.
Unsere Kollegen von der Eisenbahn und Post hatten häufig
Veranlassung, ihn wegen unerfüllter Wünsche aufzusuchen
Auch wir vom Beamtenbund sind verschiedentlich bei ihm
gewesen in Besoldungs- und allgemeinen Beamtenfragen
Der Verkehr mit ihm ging stets über den Dolmetscher. Da
seine Abteilung die meisten Beamten, vor allem aber das
Heer der unteren Beamten umfaßt, war sein Einfluß in
der Regierungskommission bei Entscheidungen über Beam—
tenbelange sehr groß.
An seine Stelle ist mit dem 1. April als neues Mitglied
der Regierungskommission Herr Minister Dr. von Ehrn⸗
rooth getreten. Herr von Ehrnrooth kommt aus einem
neutralen Lande zu uns. Die bisher bekannt gewordenen
Berichte über seine frühere Tätigkett lassen uns Beamte
hoffen, daß er das Berussbeamtentum in seiner Bedeutung
tichtig einzuschätzen in der Lage ist. Als oberster Beamter
der finnischen Hauptstadt kennt er Beamtendienst und Be—
amtenarbeit. Mit der gesamten Eisenbahn- und Post⸗
beamtenschaft bringt der ganze Beamtenbund des Saar—⸗
gebietes Herrn Minister v. Ehrnrooth volles Vertrauen
entgegen und zugleich den ehrlichen Willen, ihn zu
unterstützen bei seinet Arbeit zum Wohle der Saar—
bevölkerüng. Herr v. Ehrnrooth kommt in einem für die
Beamtenschaft sehr bedeutungsvollen Augenblicke. Die Be
soldungsreform steht unmittelbar vor ihrer Verabschiedung
Die Beamtenschaft des Saargebietes knüpft an dieses Er—
eignis die größlen Erwartungen und Hoffnungen Herr von
Ehrnrooth wird sich gleich in den ersten Tagen seiner Regie⸗
rungstätigkeit mit unseren Beamtenfragen beschäftigen
müssen. Die Arbeitsgemeinschaft der Beamtenverbände hat
nicht versäumt, den Herrn Minister bereits schriftlich über
ansere Wünsche aufzuklären und hält sich bereit, ihm in der
ebenfalls nachgesuchten Audienz all unsere Wünsche auch
noch einmal mündlich vorzutragen. Wir geben uns der
Hoffnung hin, daß Herr Minister v. Ehrnrooth unsere
Wuͤnsche als berechtigt anerkennen und sich für sie einsetzen
wird. Was wir wollen, ist nichts weiter als deutsches Be—
amtenrecht. Als deutsche Beamte fordern wir seit ach
Jahren ideelle und materielle Gleichstellung mit unseren
Kollegen im Reich, wie man sie uns im Jahre 1920 in
unserem Beamtenstatut und in Kabinettsbeschlüssen ver⸗
sprochen hat. Troß der Abrede von Baden-Baden ist diese

Gleichstellung bis heute noch nicht durchgeführt. Nun bietet
die kommende Besoldungsneuregelung eine weitere Gelegen—
heit, das Versprechen von 1920 endlich einzulösen. Hier ent—
scheidend mitzuwirken, wird eine der ersten Amtshandlun—
gen des neuen Ministers sein

In der letzten Nummer unseres Blattes konnten wir mit—
eilen, daß die Besoldungsvorlage der Regierungs—
ommission fertiggestellt sei. Leider hat die Regierungs⸗
ommission vor Ostern nicht mehr dazu Stellung genommen.
Sie hat vielmehr beschlossen, die Ankunft des neuen Mit—
zliedes der Regierungskommission abzuwarten und nach
Ostern der Angelegenheit näherzutreten. Von der Arbeits—
zemeinschaft der Beamtenverbände ist auch in diesem Zeit—
punkte nichts versäumt worden. Eine Abordnung von ihr
hatte Besprechungen mit den Herren Ministern Koß—
mann, Dr. Ves zenski und Morize. Eine Aussprache
mit Herrn Minister v. Ehrnrooth ist — wie schon be—
merkt — nachgesucht. Auch Herr Präsident Wilton wurde
ordnungsgemäß gebeten, die Vertretung der Beamtenschaft
zu empfangen, damit sie ihm in letzter Stunde noch einmal
die Wünsche der Beamtenschaft vortragen könne. Leider hat
Herr Präsident Wilton diesem Wunsche der Beamtenschaft
nicht entsprochen.

Die Wünsche der Beamtenschaft sind der Regierungskom—
nission nunmehr hinreichend bekanntgegeben worden. So—
weit wir die Dinge bis zur Stunde übersehen können, scheint
diesmal die Regierungskommission ernstlich gewillt zu sein,
die deutschen Besoldungsverhaltnisse auch bei uns zur An—
wendung zu bringen. Einzelheiten des Besoldungsgesetzes,
wie der Besoldungstabelle sind uns noch nicht bekannt. Wir
rechnen bestimmt damit, daß uns die Vorlage rechtzeitig zu⸗
gestellt wird, damit wir sie überprüfen können. Wie wir
hören, soll das Besoldungsgesetz diesmal dem neuen Landes—
rat zur Begutachtung vorgelegt werden, ehe es von der
Regierungskommission endgültig verabschiedet wird. Unsere
deser mögen sich nun selbst ausrechnen, bis zu welchem Zeit—
»unkt dies wird geschehen können. Optimisten tippen auf
Mai; was aber Pessimisten prophezeien, sei lieber ver—
chwiegen. Die Zukunft wird lehren, wer recht behält. Wir
rber wollen tun, was unseres Amtes ist, mit bestem Wissen
            
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