Den vielfach an uns ergangenen Wünschen und An—
regungen auf Vereinbarung fester Behandlungssätze
konnte dabei nicht Rechnung getragen werden, da die
Aerzteschaft jede Bindung nach dieser Richtung hin strikte
ablehnt. Im übrigen glauben wir aber auch, daß die
große Mehrheit unserer Mitglieder von einer solchen ver—
iraglichen Vereinbarung, die doch schließlich den Beamten
zum ausgesprochenen Kassenpatienten macht, nichts wissen
will. Wir hegen die Hoffnung, daß das zwischen den
privaten Krankenversicherungen und der Aerzteschaft an—
gebahnte gute Einvernehmen unsern Mitgliedern und der
Kasse zum Vorteil gereichen möge.
Auch die bestehenden Beamten krankenkassen, deren
es nicht weniger als 30 gibt, fanden sich am 19. Sept. 1926
zusammen, um über gemeinsame Interessen zu beraten.
Inzwischen ist auch am 20. März 1927 die Bildung eines
Verbandes Deutscher Beamtenkrankenkassen erfolgt. Als
ausgesprochene Beamtenkrankenkasse begrüßen wir diese
Verbandsbildung um so mehr, als sich der Verband die
Vereinheitlichung der Beamtenkrankenfürsorge zum Ziel
gesetzt hat und damit auch der erste Schritt zu einer
gemeinsamen Front der Beamtenschaft auf diesem Gebiet
getan ist. Anerkennenswerterweise hat dieser Verband
den 1. Vorsitz und die Geschäftsführung uns als der
größten deutschen Beamtenkrankenkasse übertragen. Im
Interesse der Beamtenschaft möchten wir auch an dieser
Stelle dem Wunsche Ausdruck geben, daß das Ziel des
Verbandes alsbald erreicht werde.
Zeigt sich so unter den bereits älteren privaten Krankendersicherungen
das Bestreben nach engerem Zusammen—
schluß, so haben doch auch die letzten Jahre immer wieder
Zersplitterungsbestrebungen mit Neugründungen von
Krankenversicherungen gezeitigt. Das trifft auch vor
allem für die Beamten krankenfürsorge zu. Immer
wieder tauchen hier oder da Versuche von einzelnen
Beamten auf, die begonnene einheitliche Entwicklung zu
stören, ohne daß man sich der Schwierigkeiten bewußt ist,
welche gerade die Krankenversicherung als das zurzeit am
schwersten zu beherrschende Versicherungsgebiet zu über—
winden hat. Mit Beiträgen und Leistungen, die nach
allen Erfahrungen der Fachwelt nicht zum Vorteil der
Mitglieder in Einklang gebracht werden können, ver⸗
suchen diese Neugründungen, ob bewußt oder unbewußt,
den bestehenden und bewährten Einrichtungen die Mit—
glieder zu entziehen.
Auch unsere Kasse hat im Jahre 1926 ziemlich start
unter diesen Erscheinungen zu leiden gehabt. Zwar hat
unser Mitaliederbestand dem Wettbetrieb der privaien
Kinrichtungen gegenüber gut standgehalten und damit
diesen gegenüber ihre Vorzugsstellung für die
Beamten in jeder Weise behauptet. Alls schädlich haben
ich aber die ins Leben getretenen behördlichen Kranken—
assen gezeigt, die, wenn auch nicht unmittelbar so doch
nittelbar ihre Mitgl'ederwerbung dadurch sehr stark för—
derten, daß die fraglichen Behörden nur den Beamten,
velche sich bei den behördlichen Einrichtungen versicherten,
Beitragszuschüsse zahlen und jenen Beamten, welche den
behördlichen Einrichtungen nicht beitreten, die Notstands—
veihilfen entziehen oder Beitragszuschüsse verweigern.
Die Verluste, vorzugsweise an behördliche Kassen, be—
rrugen 37 733 Versicherte. Trotz dieser erheblichen Ver—
uste an Mitgliedern und Versicherten hat doch auch im
bergangenen Jahre das Suchen nach einer ausreichenden
Krankenfürsorge nicht nachgelassen und sich in unserer
tasse durch einen erheblichen Penzugang an Versicherten
gezeigt. So wurden neu aufgenommen 24657 Versicherte.
Auch im neuen Jahre sind bereits erhebliche Neuzugänge
zu vermerken. Durch Tod schieden aus 1074 Versicherte
und durch Ausschluß 720 Verficherte.
Der Bestand an Versicherten betrug am Schlusse der
Geschäftsjahre
1925 19026
in Klasse 11 — 2563 2700
in Klasse IV .27619 222612
Besamtzahl der Versicherten überhaupt 240 182 225 312
Somit beträgt der Gesamtverlust an Versicherten gegen—
über 1925 trotz der Neuzugänge immerhin noch 6,1 Proz.
Wenn auch der Verlust vorzugsweise auf die Gründung
behördlicher Krankenkafsen (Berliner Magistrat, Baye—
tischer Staat und Reichseisenbahn) zurückzuüführen ist, so
zeigt sich doch andererseits, daß auch im Jahre 1926 das
Lertrauen der Behörden in unsere Kasse gewachsen ist.
Die Zahl der Städte, Gemeinden und kommunalen Kör—
perschaften, welche Beitragszuschüsse zu unserer Kasse
leisteten, betrug Ende 1925 320 und stieg Ende 1926 auf
368. Diese Zahl verteilt sich wie folgt:
327 Städte und Gemeinden,
33 Kreisverwaltungen, I
6 Provinzialverwaltungen (Rheinland, West—
falen. Hessen-⸗NRassau, Niederschlesien. Grenz
mark, Westpreußen),
2 sonstige kommunale Verbände.
Summa 368.
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