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derungsausfall durch den englischen Bergarbeiterstreik hatte
eine Auftragshäufung für die französische Kohlenindustrie
zur Folge und gestattete ihr noch Preiserhöhungen vorzu—
nehmen, als der Franken sich schon sehr stark seinem jetzigen
Stande näherte. Das Wiedererscheinen der englischen Kohle
auf dem Weltmarkt wird aber ganz von selbst die Frage
regeln, nur nimmt dieser Klärungsprozeß noch einige Zeit
in Anspruch; immerhin sind ja für Frankreich schon ab
1. Februar Preissenkungen durchgeführt und werden auch
für das Saargebiet folgen müssen. Die Antwort aber auf
die Frage, warum die deutsche Wirtschaft der Saar Ueber—
weltmarktpreise bezahlen muß, entnehmen wir einem Artikel
im Handelsteil der „Saarbrücker Zeitung“ vom 1. 2. 1927:
„Während der Interpellationsdebatte in der frangösischen
Kammer verlangte ein Abgeordneter vom Ministerpräsi⸗
denten Poincare, daß die Saargruben ihre Preise herab—
setzten, um so einen Druck auf die gesamte französische
Kohlenindustrie auszuüben. Poincare antwortete aus—
weichend, man könne nicht ohne weiteres über den Kopf der
Privatindustrie hinaus vorgehen, außerdem verlangten die
Bedürfnisse des Schatzamtes eine Beibehaltung der augen—
blicklichen Preise, aber immerhin seien im Handelsmini—
sterium Verhandlungen über die Frage im Gange, ob eine
Preissenkung wirklich tragbar sei. Die Erklärung Poincares
bedeutet also eine verschleierte, aber doch nicht mißzuver—
stehende Absage, wenigstens für den Augenblick.
Der „Quotidien“ hat es nun unternommen, einen der
leitenden Beamten vom staatlichen Kohlenamt zu inter—
viewen. Dieser erklärte ihm wörtlich. „Das von Poincare
ongeführte Argument: Das Interesse des Schatzamtes“ ist
das einzige, das irgendeinen Wert hat. Es steht außer
allem Zweifel, daß die Saargruben ohne Unzuträglichkeiten
ihre Gewinnmarge herabsetzen könnten, ohne daß sie deshalb
Lohnherabsetzung vornehmen müßben. Die Rückwirkung
einer Vreissenkung für die Saarkohlen auf den französischen
Markt würde sich schnell genug fühlbar machen. Das Saar—
gebiet liefert im Monat 500 000 bis 550 000 Tonnen, haupt⸗
sächlich Industriekohlen. Die innerfranzösische Kohlenpro—
duktion beträgt nicht ganz 3 Millionen Tonnen. Eine Preis—
senkung für Saarkohlen müßte also auch eine Preissenkung
bei den französischen Gruben auslösen. Ich glaube übrigens
bestimmt, daß die Gruben in allernächster Zeit etwas tun
müssen zugunsten der Verbraucherschaft. Aber sie werden
natürlich die Stunde des Opfers, und wenn das Opfer noch
so leicht sein sollte, so weit wie möglich hinauszögern.“
Nicht wirtschaftliche Notwendigkeiten bilden also die Ur—
sache zum Festhalten an den hohen Kohlenpreisen, sondern
die Interessen des französischen Schatzamtes verlangen hohe
Gewinne und darum hohe Preise. Der Kohlenpreis ist aber
wesentlicher Bestimmungsfaktor für die ganze Lebenshaltung.
Der Reichtum unseres Landes muß daazu herhalten, die
französische Staatskasse zu füllen. Daß darüber die Bevölke—
rung notleidet, daß dadurch die Lebenshaltungskosten wider—
natürlich hochgehalten werden, kümmert nicht, ja man scheut
ich nicht, den unvermeidlichen Abbau der Preise auf Kosten
der deutschen Arbeiter vornehmen zu wollen, um ja den
Gewinnanteil nicht kürzen zu müssen. Kann, einem Volke
die widernatürliche Gestaltung seiner Wirtschaft noch klarer
»or Augen geführt werden? Ifst es nicht ewiges Naturgesetz,
daß der Ertrag des Bodens, den ein Volk bewohnt, zuerst
ihm Zzugute kommen, muß! Es ist unabweisbare Pflicht
der Regierungskommission, hier nach dem Rechten zu sehen.
Erst kommen die Interessen der Saar—
bevölkerung, dann die Gewinninteressen
anderer. Ist es angesichts solcher Verhältnisse nicht an
der Zeit, die schon immer in der Oeffentlichkeit britisierte
Steuerfrage der Grubenverwaltung aufzugreifen?
„Mögen die Konsuln dahin sehen, daß der Staat keinen
Schaden leide“, so lautete der Beschluß des römischen Senats,
zurch den die Konsuln in gefahrvollen Zeiten mit Vollmacht
rusgestattet wurden. Es steht außer jedem Zweifel, daß,
venn es nicht gelingt, einen Ausgleich der Spannungen im
Wirtschaflsleben herbeizuführen, auch das Saargebiet wieder
zefahrvollen Zeiten entgegengeht. MNögen die Kon—
fulnihres Amteswaltent Die oben gestellte Frage
deantwortet sich aber dahin: Die Saarindustrie fordert mit
Recht einen Abbau der Kohlenpreise. Da aber die Löhne
der Saarbergleute unter den deutschen Bergarbeiterlöhnen
iegen, muß ein Abhängigmachen der beiden Fragen vonein—
inder zurückgewiesen, werden.
Nun zu dem Schritt der Saarindustrie! Ich hatte schon
eingangs darauf hingewiesen, daß sich die Lage für die Saar—
virtschaft verschlechtert habe. Es bleibt mir die Frage: Ist
der Lohnabbau der einzig mögliche Weg? Es wird ja natür—
fich dem Außenstehenden nie möglich sein, die wirtschaftlichen
Lerhältnisse eines Großbetriebes einwandfrei zu beurteilen.
Wenn heute die Industrie klagt, dann sei demgegenüber die
Frage gestattet: Wann klagt die Industrie nicht?
Wann hat sie einmal gute Zeiten gehabt
und das auch zugegeben? Gegenüber der schweren
Begenwart muß die gute Vergangenheit als Ausgleich
dienen. Und genau so wenig, wie die Arbeitnehmerschaft
damals vollen Anteil nahm am Wohlergehen, darf sie nun
sofort der Leidtragende beim Rückgange sein. Der wirt—
schaftlich Starke hat die sittliche Pflicht,
den Ausgleich zu schaffen!
Zur Kennzeichnung der Stimmung, die die Kündigung der
Tarifverträge in Nrhoitorkroisen herpvoragerufen hat. umd um
e
bei Rheumatismus, Hexenschuß
Gliederschmerzen, Isschias Neuralgien
Folgeerscheinungen von Gicht u. Influenza.
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menten, die man einnimmt. weder Magen noch Darm. Man frage seinen Argt
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