Full text : 2.1927 (0002)

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Zeitschrift
des Beamtenbundes
des Saargebietes

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2. Jahrgang Saarbrücken, den 12. Februar 1927

Nummer 7

Gehalls⸗ Umb hnabharnn

Vor einiger Zeit wurde in dieser Zeitschrift darauf hin⸗
gewiesen, daß, wenn einmal ein Preisabbau nicht mehr zu
umgehen sei, die Parole wohl lauten würde: Erst Lohn—
dann Preisabban. Mir hatten diesen Gedanken nicht ohne
Absicht niedergeschrieben, denn schon seit einiger Zeit liegt
etwas in der Luift, steht azwischen den Zeilen geschrieben,
sucht die öffentliche Meinung au durchdringen. Lohnabbau
 heißtdieses Etwas. Noch wurde das Wort
—DD
immer wieder hetont, war das Vorpostengefecht; die Mit—
teilung, daß die Grubenverwaltung einer Kohlenpreis—
ermäßigung nur bei entsprechendem Lohnabbam zustimmen
werde, wies die Kampfrichtung, und nun endlich ist die
Situation khar. Die Arbeitgeberverbände haben die Lohnund
 Gehaltstarife zum 1. März gekündigt. Wir lesen
darüber in der „Kölnischen Zeitung“ Nr. 83 folgende Ver⸗
öffentlichung;

Tarifkündigungen im Saargebiet.

Saarbrücken, 1. Febr. (Telear.) Infolge der Verschlechte⸗
rung der wirtschaftlichen Lage der Saarwirtschaft, hervor⸗
gerufen insbesondere durch die Frankeninflation und die
übersteigerten Kohlenpreise der französischen Bergwerks—
direktion, haben sich die im Arbeitgeberverband der Saar—
industrie zusammengeschlossenen Arbeitgebergruppen veran
laßt gesehen, die aurzeit bestehenden Lohn- und Gehalts
baxife aunnn1. März zu kündigen. Wie es in den Kündi—
gungsschreiben heißi, wollen die Unternehmer, lediglich freie
Hand hoben über eine Neugestaltung der Tarife, über welche
Frage noch mit den Arbeilnehmerorganisationen verhandelt
werden soll. Immerhin wirft der Schritt der Arbeitgeber
ein Schlaalicht guf die Schwierigkeiten der wirtschaftlichen
Lage im Saargebiet. Abhängig ist diese in erster Linie von
der Kohlenpreislage. Tritt bis zum 1. März keine ausreichende
 Senkung der Kohlenpreise ein, dann wird die
Saarindustrie vor der Notwendiakeit stehen, anderweitige
Wege zur Senkung der Gestehungskosten zu suchen oder
umfassende Befriebseinschränkungen vorzunebmen. Durch die

Frage einer Lohnsenkung wird in den hiesigen Arbeiterreisen
 eine große Erregung hervorgerufen. Von seiten der
ranzosischen Berawerksdirekfion liegt bisher noch kein
Anzeichen vor, daß sie zu einer Preissenkung bereit ist.
dagegen lassen Nachrichten aus Paris erkennen, daß die
ranzösischen Industriellen eine Senkung der Sagarkohlen—
»reise wünschen, um einen Druck in derselben Richtung auf
die französische Kohlenindustrie auszuiiben. Nach dem
Quotidien hat ein leitender Beamter des französischen
dohlenamts erklärt, daß die Saargruben ihr Gewinnspanne
herabsetzen könnten, ohne eine Lohnherabsetzung vornehmen
zu müssen. Im Gegensatz hierzu steht die Auffassung der
hiesigen frangzösischen Bergwerksdirektion, die sich noch gegen
rine Herabsetzung ihrer Preise ohne aleichgeitige Senkung
der Löhne sperrt. Von einer Kündigung des Tarifs für
die Saarbergarbeiterlöhne seitens der Bergwerksdirektion
verlautet noch nichts. Die Bergarbeiterorganisationen haben
aber bereits den entschiedensten Widerspruch gegen jede
Lohnkürzung angekündigt. Allem Anschein nach steht die
Saarwirtschatf wieder unmittelbar vor ernsten Krisenzeiten.“
Es ist jedenfalls außer allem Zweifel, daß die Verhältnisse
ür die Sagrindustrie sich verschlechtert haben. Veranlassung
zaben die Kurssteigerung des Franken und die Hochhaltung
der Kohlenpreise. Die Industrie verlangt darum mit Recht
ꝛine Herabsetzung der Kohlenpreise. Darauf antwortete die
Bergwerksdirektion, daß eine Preisherabsetzung nur bei
gleichzeitigem Lohnabbau in Frage kame. Es ist demnach
zuerft die Frage zu prüfen: Ist die Forderung nach einer
dohlenpreissermäßigung berechtigt und ist sie nur in Ver⸗
hindung mit einem Lohnabbau durchführbar? Zur Beantvortung
 der ersten Frage ist zunöchst festazustellen, daß die
ranzösischen Kohlenpreise erheblich über den deutschen liegen.
Die Preise der französischen Industriekohlen bewegen sich
wischen 109 und 275 Fr. während die deutschen Preise
wischen 18,62 und 31,67 für die Tonne angegeben werden.
die in den angegebenen französischen Zahlen ausgedrückte
Breispolitik bedeutet eine rücksichtslose Ausnutzung der
Wrtichaftalage auf dem Koblenmarkt. Der gewaltige För⸗

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BaDuntscharis Consul
— die gedlegene Konsummarke 3αιιε)
3
            
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