Die Beamtenschaft stand vor der Wahl, sich ganz beiseite
schieben zu lassen, oder durch Zusammenschluß einen Wirt—
schaftsfaltor zu bilden und den Kampf mit den anderen
Wirtschaftsgruppen aufzunehmen. Von dem Augenblick an,
da die Beamten in der Erkenntnis ihrer wirtschaftlichen
Lage anfingen, ihre Verhältnisse durch Selbsthilfe (Eim—
kaufsgenossenschaften, Verkaufsabschlüss,e, Konsumver—
einigüngen, Beamtensparkassen, Krankenunterstützungs
kassen u. a.) zu bessern, wurde man auf sie ausmerksam und
rechnete mit ihnen. Hierzu kam noch, daß nach Gewährumg
der vollständigen staatsbürgerlichen Freiheit den Beamten
auch mehr Möglichkeit geboten war, durch politische Be—
tätigung Beamtenrechte zu betonen. Als nach der Inflation
das tolle Zahlenspiel aufhörte und auch die Wirtschaft wie—
der auf den Wirklichkeitsboden zurückkehren mußte, sich die
wirtschaftlichen Folgen des verlorenen Krieges im einer
starken Vesteuerung fühlbar machten, begann eine systema—
rische Hetze gegen das Beamtentum. Es war ein Spiel mit
Zahlen und Summen, das im Volke den Glauben erstehen
ließ, als verzehre das Beamtenheer den ganzen Ertrag der
Volksarbeit. Man scheute sich nicht, in solchen Tendenz⸗
meldungen den Beamten als träge, verantwortungslos,
verknöchert und weltfremd hinzustellen, und ihn zum Sün—
denbock für alles wirtschaftliche Elend zu stempeln.
Wenn auch im betzter Zeit eine sachlichere Beurteilumg zu
beobachten ist, so muß die Beamtenschaft doch aus der Ver—⸗
gangenheit lernen. Ich betonte eingangs schon, daß das
üußere Organisationswerk fast vollendet ist — auch bei uns
hier im Saargebiet durch „dae Arbeitsgemeinschaft der Be⸗
am ten verbände“ — und daß es nun gilt, gestützt auf diese
gewaltige Orgamisation, die Beamtenschaft in das öffent⸗
liche Waiͤrtschaftsleben als Glied einzufügen. Es darf nicht
so bleiben, daß man nur widerwillig von der Beamtenschaft
Notiz nimmt. Wenn man beachtet, welchen Einfluß heute
die Arbeiterorganisationen gewonnen haben, wie ganze
politische Parteien von ihnen maßgebend beeinflußt wer:
den, dann kann man erkennen, was planmäßige Arbeit
vermag. Wie man dagegen die Beamten wertet, zeigt
folgende Gegenüberstellung; In dem künftigen Reichswirt:
schaftsrat sind unter 123 Mitgliedern 41 Arbeiter- und An—
gestelltenvertreter, der Beamtenschaft gewährte man zuerst
keinen, dann 2 Sitze. Es genügt nicht, daß die Beamten-—
orgonisationen ihre inneren Fragen erledigen, ste müssen
an die Oeffentlichkeit treten, müssen alle auftauchenden
Fragen durch geeignete Kräfte von ihrem Stamdpunkt aus
behandeln und die Presse in ihrem Sinn arbeiben lassen.
Wenn wir auch die Schaffung einer Beamdenpartei aus
nationalen Gründen ablehnen, so müssen wir umsomehr
von allen Parteien verlamgen, daß sie unsere Rechte im
Rahmen des Volksganzen beachten und vertreten. Wenn
die Beamtenschaft in der Richtung nach einheitlichen
Grundsätzen arbeiten wollte, wäre viel zu erreichen, denn
fie stellt doch in allen Parteien einen hohen Prozentsatz der
führenden Kräfte.
Die Fragen lassen sich alle nicht von heute auf morgen
lösen, werden auch nur in langen Kämpfen zu erreichen
sein. Daß es aber möglich ist, zeigen uns andere. Durch
die Schaffung der Großorganisationen sind die Voraus—
setzungen gegeben, die Frage bleibt nur, ob die Veamten—
schaft bereit ist, die Mittel zum Kampfe zu schaffen und
die Wege zum Ziele zu suchen. — L —
Deimn Antlitæ ist der Pflege wert,
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Ftechenpferc-Veæeisæ
die beste Lilienmilch-Seife. — Ueberall zu haben.
Zur Lage der kommunalen Veamtenpensiobnüre
Den em. unmittelharen Staatsbeamten des Saarge—
ziels ist vor kurzem ein Reichsausgleich zu ihrer Franken—
zension bewissigt worden. Hierbei wurden auch die Lehrer
in den staatlichen höheren Lehranstalten und an den Volks—
chulen berücksichtigt, nicht aber die Pensionäre unter den
vemeindebeamten und den Lehrern an den kommunalen
»öheren Schulen, obwohl nach den deutschen Gesetzen und
»en Verordnungen der Regierungskommission die mittel—
jaren Staatsbeamten den unmittelbaren in Gehalt und
Kuhegehalt gleichgestellt werden sollen. Diese Zurück—
etzung hat unter den kommunalen Beamtenpensionären
zine große Enttäuschung hervorgerufen; denn sie waren doch
zuch in den Dienst der Regierungskommission beurlaubt,
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lend ihrer aktiven Berufstätigkeit ebenfalls das allgemeine
Staatswohl gefördert und sind in gleicher Weise durch die
sückständigkeit in der Besoldung geschädigt worden wie die
indern Beamten. Die Staatsbeamtenpensionäre haben in
Folge der ihnen gewährten Ruhestandszulage in der Zeit
»om 1. 4. 26 bis 1. 11. 26 dem Werte nach die deutsche Pen—
ion bezogen, die kommunalen Beamtenpensionäre haben
n dieser Zeit zum Teil nur 60 Prozent und noch weniger
»on dem Betrage des deutschen Ruhegehalts erhalten. Die
semeinden haben sich auch in diesem Falle ebenso wie bei
der Betreuungsaktion mit wenigen Ausnahmen ablehnend
»erhalten. So ist die s. Zt. von den deutschen Behörden
gegebene Zusage, daß den Beamten durch ihre Dienstleistung
m Saargebiet keinerlei Nachteile entstehen sollen, sowie auch
zie Zusage der Regierungskommission, daß sie zu keiner
Zeit geringere Bezüge als die entsprechenden deuischen Be—
imten erhalten sollen, auch den Gemeindebeamtenpensionären
segenüber noch nicht erfüllt. Wenn der von dem Herrn
Lräsidenten Stephens bei der Gewährung des Betreuungs—
»etrages an die unmittelbaren Staatsbeamten ausgespro—
hene Grundsatz, daß es keine zweierlei Beamte geben darf,
illgemeine Geltung haben soll, dann darf es auch keine
weierlei Beamtenpensionäre geben, nämlich solche, die
»inen Ruheaehaltsausgleich erhalten haben, und solche,
denen er vorenthalten wird. Ein jeder geordnete Staalts—
etrieb erfordert, daß Beamten mit gleichen oder doch gleich—
vertigen Pflichten auch gleiche Rechte zugestanden werden.
Hoffentlich werden die seitens der Arbeitsgemeinschaft der
Beamtenverbände kürzlich an die Regierungskommission
und die deutschen Behörden gerichteten Anträge nicht nur
ür die aktiven Gemeindebeamten bezüglich der Betreuungszulage,
sondern auch für die kommunalen Beamtenpen—
sionäre hinsichtlich des Ruhegehaltsausgleichs eine befrie
digende Lösung der diesbezüglichen Fragen auswirken.
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