weil es den Staat im modernen Sinne noch nicht gab. Erst
der Absolutismus schuf den Staat und konnte ihn nur
schaffen mit Hilfe einer seinem Wesen entsprechenden
Beamtenchaft. Wohl war auch diese Beamtenschaft vom
Fürsten abhängig, aber bei der Größe der Staaten lockerten
sich die persönlichen Bindungen. Der große Staat ver—
jangte für seine Verwaltung bestimmt geschulte Kräfte,
und so ergab sich ganz von selbst eine Auswahl nach streng
sachlichen Gesichtspunkten. Der Staat forderte von seinen
Beamten die und die Kenntnisse und wählte nach objektiver
Prüfung unter den Bewerbern aus. Und noch eine Aende—
rxung vollzog sich. Das gesamte Staatsgebiet wurde in der
Verwaltung zentral zusammengefaßt und die Beamten
könnten als „preußische“ oder „bayerische Beamten“ inner—
halb des ganzen Staatsgebietes verwendet werden. Diese
Tatsache in Verbindung mit der Auswahl nach sachlichen
Gesichtspunkten schuf das heutige Staatsbeamtentum, d. h.
das Beamtentum, das seine Aufgabe darin sieht, seine
ganze Kraft unparteiisch in den Dienst der Allgemeinheit
zu stellen.
An dieser Grundeinstellung der Beamtenschaft wurde auch
durch die Staatsumwälzung von 1918 nichts geändert. Ar—
tikel 1390 der Reichsverfassung sagt: „Die VBeamten sind
Diener der Gesamtheit, nicht einer Partei.“ Stegerwald
will nun in dem so gearteten Beamtenum eine Stacusgefahr
sehen; er schreibt: „Im demokratischen Stagat ist die Fort.
führung des früheren Beamtensystems sinnwidrig und
schließt in sich viele politische und Korruptionsgefahren. Bei
einem großen Beamtenheer besteht im demokratschen Staate
die stete Gefahr, daß es entweder in Abhängigkeit gerät zu
den Regierungsparteien oder ein Instrument der Oppo—
sttionsparteien wird oder gar aber, daß sich die Beamten
der Parteien oder Parlamentsführung bemächtigen und so
praktisch der „demokratischer Staat wieder von seinen eige—
nen Angestellen und Pensionären regiert wird. Keine dieser
drei Moͤglichkeiten und Gefahren ist vom Standpunkte der
Demokratie und der Staatsreinlichkeit aus gesehen. als
Dauerzustand tragöar.“
Eine solche Stellungnahme ist uns unverständlich. Wir
sind im Gegenteil der Meinung, daß gevade der demokra—
tische Staat das Berufsbeamtentum viel notwendiger
braucht, als der monarchiche Staat. Gerade in Deutsch—
land, wo die Parteiverhältnisse eine Regierungsbildung
auf längere Zeit unmöglich machen, ist die Beamtenschaft
der ruhende Pol im Wechsel der Regierungen. Wohin sollte
es führen, wenn der rasche Wechsel vollständig entgegen—
gesetzt eingestellter Regierungen nicht ausgeglichen wuͤrde
durch die gleichbleibende Beamtenchaft? Müßte nicht jede
Verwaltung unmöglich sein, wenn die neuen Minister, die
doch oft vor vollständig neue Aufgaben sich gestellt sehen,
sich nicht auf eine eingearbeitete, pflichttreue Beamtenschafi
stützen könnten. Und gerade die Gefahren, die Stegerwald
zu sehen glaubt, sind gebannt im Berufsbeamtentum. Die
Beamtenschaft, die in ihrer Stellung un—
abhängig ist von zufälligen Regierungs—
mehrheiten,deren Rechteverfassungs-und
gesetzmäßig festgelegt sind, wird in ihrer
Mehrheit nie in ein Abhängigkeitsver—
hzältnis zu irgend einer Partei geraten.
Das ist schon allein aus den Parfteispan—
dungen unmöglich, die innerhalb der Be⸗—
amtenschaft bestehen. Solange es in
Deutschland ein hochstehendes Berufsbe—
amtentum gibt, dem der Staat eine seiner
Stellung entsprechende Exristenzmöglich—
teit gibt, wirdes nie möglich sein, daß das
Beamtentum den Staat bedroht durch Ab⸗
Ȋngigkeit von einer Partei oder durch
Unterstützung der Opposition. Reine Seldster—
—
die Beamten schon unmöglich machen; denn mit dem Staat
pürde das Beamtentum seine Stellung untergraben. Er—
reulicherweise leben aber auch noch edlere Morive in der
eutschen Beamtenschaft. Ihr Vienst ist ihr nicht nur Brot—⸗
erwerb. Sie dient dem Staate mit der ganzen Hingedung,
die man einer hohen Ausgabe entgegenvringen kann. Der
Beamte sieht in seinem Dienst die Erfüllung einer Lebens⸗
rufgabe, mit der er auf Grund seiner Wahl schicksalsver⸗
punden ist, die zu ersüllen ihm sittliche Pflicht ist. In dieser
Linstellung liegen die hohen Werte des deutschen Berufsbe—
amrtentums, und aus deren Erkenntnis erwächst das schon
angeführte Urteil leitender Staatsmänner, daß die Erhal—⸗
ung des Berufsbeamtentums eine Staatsnotwendigkeit sei.
Nach Stegerwald gibt es in Deutschland zu viel Beamte
ind nach ihm könnten im Reich und Ländern 100 000 und
bei den Kommunen 200 000 Beamte eingespart werden.
Trotz dieser Vorschläge behauptet Herr Stegerwald, daß er
nicht für eine Beseitigung des Berufsbeamtentums ein⸗—
rete. Das mag, wörtlich genommen, richtig sein, aber in
Wirklichkeit läust sein Vorschlag auf einen radikalen Be⸗
imtenabbau hinaus, und damit hofft Herr Stegerwald, das
Zeamtentum in vernünftigen Schranken zu halten. Will
herr Stegerwald das Experiment von 1923 wiederholen?
Vamals wollte man auch sparen und glaubte die Frage rein
nechanisch lösen zu können, indem man die Beamtenschaft
ahlenmäßig um so und so viel verringerte. Kennt
derr Stegerwald nicht das jämmerliche finan—
zielle Ergebnis dieses Kunststückes. Weiß er nichts von
ꝛem großen Elend und der ungeheuren Verbitterung, die
»urch diese Maßnahme hervorgerufen wurden? Jetzt, da
nan mitten in der Verhandlung um die Besoldungsreform
teht, wird mit einemal der Ruf nach einer Verwaltungs⸗
eform laut. Es zeugt von einer „tiesgründigen“ Kenntnis
her tausendfachen Verflechtungen eines modernen Staates,
venn man glaubt, jetzt so nebenbei bei der Besoldungs⸗
eform könne man auch die Verwaltungsreform durch—
ühren. Menschen ins Elend bringen kann
nanaufdiese Weise! Eine wirkliche Verwaltungs—
reform muß ein weitausgreifender Akt sein, der eingehende
Porarbeiten voraussetzt und organisch durchgeführt sein
will. Aber Herrn Stegerwald wollen wir fragen, warum
er nicht schon lange seine ganze Energie aufgeboten hat,
uim eine Neugestaltung der Staatsverwaltung einzuleiten.
Die Beamtenschaft hätte er bei einer wirklichen Reform
icher auf seiner Seite gehabt. Warum scheiterte denn bis
eute jeder Versuch einer Umgestaltung? Weil es in jedem
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besitzt die eigenartige Wirkung, daß es nicht nur für
den Auenblick des Spülens, sondern für längere Zeit
die Entwicklung der Spaltpilze in bemerkenswertem Grade
hemmt, dabei weder die Zähne noch die Mundschleimhaut
angreift und angenehm schmeckt. Es ist daher als das
beste aller zur Zeit existierenden Mundwasser zu bezeichnen.