bedingte eigene Interessenvertretung vorläufig hindernd im
Wege stehen, so soll die ideelle Verbindung in Zuͤkunft besser
ausgebaut werden. Er erteilt dann dem Kollegen Wieg das
Wort. In klaren, verständlichen Ausführungen entwickelt“ Koll
Wieg die Vorgänge in der Bewegung der Reichsbahnbeamten
bis zur Bekanntgabe des Besoldungsentwurfes des Reichs—
finanzministers Dr. Köhler in Magdeburg, um dann den zur
Zeit beim Reichstag vorliegenden Entwurf eines Besoldungs—
gesetzes bis in seine kleinsten Details zu beleuchten. Schonungs
los stellt er die vielen Mängel der neuen Besoldungsordnunmg
heraus und gibt die Verbesserungsvorschläge, welche der Deutsche
Beamtenbund dem Reichstag zugehen ließ, bekannt. Für die
Reichs bahn beamten heißt es abwarten, bis die Besoldungs—
vorlage vom Reichstag verabschiedet ist, da erst dann die Reichs—
bahngesellschaft unter Anlehn ung an die Reichs—
besoldung eine Besoldungsordnung aufstellen wird. Damit
ist gesagt, daß die Eisenbahnbeamtenschaft ihre Hände nicht in
den Schoß legen kann, weil jede durch intensive Gewerkschaftsarbeit
der Beamtenorganisationen erzielte Verbesserung sich auf
die in Aussicht genommene Reichsbahnbesoldung dauswirkt.
Kollege Wieg streift dann die Einstellung des übrigen Teils
der Bevölkerung zur Beamtenbesoldung. Das unberechtigte An—
ziehen der Preise seit Bekanntwerden der vorzunehmenden Ge—
haltserhöhung verurteilt er aufs schärfste. Ganz besonders
wendet er sich gegen die Ausführungen des Reichstagsabgeord—
neten Stegerwald, Führer der christlichen Arbeitergewerkschaften
im Reich, die derselbe in Paderborn zu der Beamtenbesol—
dung gemacht hat. Die Ausführungen Stegerwalds sind die
schärfste Kampfansage gegen das Berufsbeamtentum. Die sonst
nur in gewissen Kreisen der großen Industrie üblichen Schlag—
wörter von „unproduktiven Beamten“, „übergroße Pensions—
lasten“ u. a. m. werden jetzt auch von dem christlichen Arbeiter—
führer gebraucht, natürlich genau wie bei Erzeugern dieser
Ausdrücke zum ureigensten Vorteil. Stegerwald geht in rnn
Ausführungen sogar soweit, daß er beispielsweise bei der Eisen—
bahn die Tätigkeit gewisser Beamtengruppen in Zukunft nur
mehr von Arbeitern verrichtet haben will. Koll. Wies betont
daher, daß mit der Besoldungsaktion die ganze Kraft
der Beamtengewerkschaften auf den Erhalt und den Ausbau
des Beamtenrechts verwandt werden müsse.
Die Versammlung ist den 1stündigen klaren und einwand—
freien Ausführungen des Kollegen Wieg mit großer Aufmerk—
amkeit gefolgt. Reicher Beifall dankt ihm am Schluß dafür
Alsdann erteilt der Vorsitzende, Koll. Palm, dem 1. Veren
den des Beamtenbundes, Herrn Rektor Schneider, das Wort
Herr Schneider knüpft an die Ausführungen des Kollegen Wieg
an und schildert die letzten Vorgänge auf dem Gebiete der Be—
Diutaeern und des Erholungsurlaubs und die in der
Frage der Besoldungsneuregelung im Saargebiet unternomme—
nen Schritte der Bundesleitung sowie der Arbeitsgemeinschaft
der Beamtenverbände Die Beamtenschaft des Sargebietes muß
ebenfalls abwarten, bis das Besoldungsgesetz vom Reichstaa
*
erabschiedet is Er verbreitet sich näher über die von der
Kegierunas-Kommission angewendete, von der Beamtenschaft
aber nie anerkannte Umrechnungsmethode, und streift dann
toch die Auslassungen über die Beamtenbesoldung in der
Deffentlichkeit, Landesrat und Presse.
Zum Schlusse bittet er, auch in künftigen schweren Tagen auf
die Führung zu vertrauen.
Auch diesem Referenten wird reicher Beifall für seine kurzen
iber klaren Ausführungen gespendet.
Koll. Palm dankt im Namen der Vereinigung den beiden
RKednern für die vorzüglichen Ausführungen und stellt beide
Referate zur Aussprache Es melden sich 2 Redner zur Diskussion.
Nachfolgende, vom Vorstand eingebrachte Entschließung, wird
dom 3. Vorsitzenden Koll. Becker verlesen:
Entschließung:
„Die Mitgliederversammlung der Vereinigung der Eisen—
bahnbeamten und Anwärter im Saargebiet e. V. im katho—
lischen Vereinshaus zu Malstait, nahm am 22. Oktober 1927
mit Bedauern davon Kenntnis, daß die Regierungs-Kom—
mission des Saargebietes bis heute ihren nach dem Baden—
Badener Abkommen eingegangenen Verpflichtungen inbezug
auf die Gewährung der im Dezember vr. Jahres im Reich
gezahlten Notbeihilfe (Weihnachtsbeihilfe) sowie der Ein—
führung der im Reich, sowie in verschiedenen Ländern
jewährten Notunterstützung bis heute noch nicht nachge—
ommen ist.
Wir erwarten von dem Beamtenbunde des Saargebietes,
»aß er mit allen Mitteln auf die Durchführung dieser he—
rechtigten Forderungen hinarbeitet
Die Versammlung stellt sich in der Frage der Besoldungs⸗
neuregelung geschlossen auf den Boden der Forderungen
hrer Spitzenorganisation — des Beamtenbundes des Saar⸗
zebietes — welche als grundsätzliche Regeluns die materielle
w ideelle Gleichstellung mit den Kollegen im Reich ver—
angt.
Insbesondere verlangen wir unbedingtes Einsetzen für
die Gewährung fortlaufender Vorschußzahlungen auf die zu
erwartende Besoldungsneuregelung an alle Beamten, An—
wärter, Lohnangestellte und Beamte im Vorbereitungs—
dienst, wie bei den Reichsbeamten.“
In der vorgenommenen Abstimmung sind sämtliche Anwesende
ür Annahme der Entschließung:
Alsdann erteilt der 1. Vorsitzende dem Kollegen Wieg das
Schlußwort. In diesem streift Kollege Wieg noch kurz die
Rechtsverhältnisse der Saareisenbahnbeamten, um dann den
zeiden Diskussionsrednern Antwort auf gestellte Fragen zu
zeben bezw. Berichtigungen zu deren Ausführungen vorzu—
tehmen. Er betont nochmals den großen Wert, den die engere
Zusammenarbeit der Vereinigung mit dem Z.G.D.R. hat und
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