Interessierten müßzten es begrüßen, daß die, die es auf Grund
hrer Rechtslage können, die Beamten, einmal die Niederhaltungsfront
nach oben durchbrechen würden. Daß damit
die ganze Frage der Erhöhung der Lebenshaltung im Saar—
gebiet aufgerollt würde. war uns klar und war uns selbst—
derständlich.
Wirwaren also,umesnocheinmalzusam—
menfassend zu sagen, der Meinung, daß es
auf Grundder RechtsverhältnissederSaar—
beamtenschaft und wegender sich darauser—
gebenden Folgen richtig sei, unsere Ver—
handlungen mit der Regierungskommis—
fion vorläufig ohne Jnanspruchnahme der
Parteien und derübrigen Presse zu führen.
Wie haben sich nun die Dinge tatsächlich entwickelt? Den
Anlaß zur Erörterung der Beamtenbesoldungsfrage in der
Oeffentlichkeit gab jene von uns schon besprochene Meldung
der „Landeszeitung“ aus Genf. Anschließend daran wurde die
Sache von der „Volksstimme“ aufgegriffen, und sie hat sich
seitdem wiederholt mit der Frage der Beamtenbesoldung
beschäftigt. Wir erkennen gerne an, daß die Volksstimme die
Berechtigung der Beamtenforderungen anerkennt und er—
klärt, die Sozialdemokratische Partei würde sich für die Ein—
führung der Reichsbesoldung einsetzen. Nur auf eins müssen
wir noch hinweisen. Die Volksstimme vom 10. Oktober d. J
will eine Zwiespältigkeit bei uns feststellen, weil wir mit dem
—O——
frieden sind und trotzdem seine unveränderte Einführung
verlangen. Anschließend schreibt die Volksstimme: „Die
verbrieften Rechte der Beamtenschaft müssen ihr erhalten
bleiben. Aber das hindert nicht einen Augenblick, die sozialere
Ausgestaltung der Besoldungsordnung und die Besserstellung
der unteren und mittleren Beamten zu fordern. Es gibt
bei den Unterbeamten Fälle, die geradezu unerträglich für
die Leute liegen und denen unbedingt abgeholfen werden
muß. Es ist nicht einzusehen, warum das Unrecht der Reichs⸗
besoldungsordnung im Saargebiet nachgeahmt werden muß.
Und die Sozialdemokratische Partei des Saargebietes kann
nicht davon Abstand nehmen, eine sozialere Beamtenbesol⸗
dungsregelung für das Saargebiet — auch im Gegensatz zu
8 jetzigen neuen Reichsbesoldungsordnung — zu ver⸗
angem.“
Zu diesen Forderungen der „Volksstimme“ müssen wir aus
beamtenorganisatorischen Gründen Stellung nehmen. Auch
die „Volksstimme“ wird uns zugeben, daß es wohl in erster
Linie Sache der Beamten ist, ihre Wünsche zu formulieren.
Warum wir die unveränderte Einführung der Reichsbesol⸗
dung wünschen, haben wir wiederholt klargelegt, daß es sich
erübrigt, noch einmmal auf die Frage einzugehen. Die Ar—
beitsgemeinschaft der Beamtenverbände ist nach reiflicher
Ueberlegung und nach Abwägung aller zu beachtenden Mo—
monte zu dem Ergebnis gekommen, daß es für die Saar—⸗
beamtenschaft nur einen Weg gibt, und der heißt: Un ver⸗
änderte Einführung der Reichsbesoldung.
Die „Volksstimme“ hätte ein Recht zur Vertretung anderer
Wünsche, wenn sie sich dabei auf Beamtengruppen berufen
könnte. Das ist aber nicht der Fall. Die freigewerkschaftlich
organisierten Beamten sind in der Arbeitsgemeinschaft der
ßeamtenverbände vertreten und haben der Forderung nach
inveränderter Einführung der Reichssbesoldungsordnung zu⸗
zestimmt. Diese Klarstellung ist notwendig, damit nicht
der Eindruck entsteht, als sei die Beamten—
schaft inihren Forderungengespalten. Aber
noch auf etwas müssen wir himwveisen. Wir können natürlich
aicht jeden Beamten über jeden Schritt aufklären, und wenn
vir es täten, gäbe es doch viele, die es gar nicht beachten würden.
Auf uneingeweihte Beamten muß aber eine solche Stellung—
rahme der Volksstimme verwirrend wirken. Die Betonung
der unteren und mittleren Beamten und das Ingegensatztellen
zu unseren Forderungen könnte den Eindruck hervor—
rufen, als wahre die Volksstimme oder die Sozialdemokra—
ische Partei im Gegensatz zum Beamtenbund die Rechte der
interen Beamten. Wir weisen darum ausdrücklich darauf
jin, daß die Arbeitsgemeinschaft, einschließlich der freigewerkchaftlichen
Vertreter, einmütig die Forderung nach unver⸗
inderter Einführung der Reichsbesoldungsordnung gutge—
zeißem hat. Damit erledigen sich auch die Ausführungen
er „Volksstimme“ vom 19. d. M. Es ist natürlich für den
Anverantwortlichen leicht, irgendwelche Forderungen zu
tellen, die dem einen oder anderen passen. Die Arbeits—
zemeinschaft als die verantwortliche Vertretung der Ge—
'am t beamtenschaft muß das Interesse der Gesamtheit
m Auge behalten und sich nur von streng sachlichen Gesichtspunkten
leiten lassen.
Die Saarbrücker Landes-Zeitung hat nach ihrer schon er⸗
vähnten Veröffentlichung aus Genf wiederholt betont, daß
sie die Forderungen der Beamtenschaft als berechtigt an—
erkenne. Wenn aber nun das Zentrum in der Landesrats—
itzung am 11. Oktober, die in der letzten Nummer dieser
Zeitschrift mitgeteilten Anfragen an die Regierungskommis—
ion stellte, durch die die Partei der Beamtenschaft wahrlich
inen schlechten Dienst erwiesen hat, dann kann man sich des
Findrucks nicht erwehren, daß im Zentrum verschiedene
dräfte am Werk sind, die der Beamtenschaft nicht freundlich
zesinnt sind. Man kann es gewiß nicht als beamtenfreund—
ichen Akt ansprechen, wenn eine Partei anfragt, wie die
Regierung die Mittel für die Besoldungsneuregelung auf—
hringen wolle, es aber vermeidet, selbst die Ein—
zährung der Neuordnung zu fordern. Es
zibt natürlich kein besseres Mittel, gegen eine Besoldungs—
»rhöhung Stimmung zu machen, als wenn man die Geld—
frage anschneidet. Steuern bezahlt ja bekanntlich niemand
gern. Der Sprecher des Zentrums war das Landesratsmit—
zlied Kiefer. Die Dinge, die sich hinter den Kulissen ab—
pielen, werden etwas ans Licht gezogen, wenn man einen
Artikel heachtet, den „Der Saarbergknappe“ vom 15. Oktober
Hier ist Rhodus, hier springe“ bringt. Da der Artikel nicht
gezeichnet ist, müssen wir uns an den verantwortlichen
Schriftleiter des Blattes, Herrn Kiefer, halten. Liebens—
würdigerweise beschäftigt sich das Blatt mit uns und schreibt
u. a.: „Mit einer Patzigkeit, die geradezu lächerlich wirkt,
ällt dieses Organ über jeden her . ..“ „Als ob die Beamten
»ie Welt allein darstellten und alle übrigen Bevöllerungs—
chichten nur „Trabanten“ um die „Sonne“ Beamtenschaft
vären.“ „Es ist geradezu empörend, wenn das Organ des
Beamtenbundes über den Gewerkverein herfällt .. .“ „Uebri—
Das Beste zur Zahnpflege.
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