gekommen war. Herr Delluving gab zunächst in einleitenden
Worten eine kurze Uebersicht über die Tätigkeit und die
Entwicklung der Kasse. Vor dem Kriege hatte die Kafsse hier
nur wenige Mitglieder. Die Inanspruchnahme der Selbst—-hzilfekassen
war vor dem Kriege im allgemeinen schwach;
denn die wirtschaftlichen Verhältnisse der Beamten und des
Mittelstandes überhaupt waren vor dem Kriege bekanntlich
hesser wie heute. Nach dem Krieg, besonders aber nach der
Inflationszeit, als die Verarmung der Beamtenschaft und
des Mittelstandes immer mehr um sich griff und infoigedessen
Krankheit, Not und Elend in die Familie zogen, wurde das
Verlangen nach einer Krankenversicherung immer größer.
Die schlechten Besoldungsverhältnisse nötigten nicht nur die
unteren Beamten, sondern auch die mittleren und die oberen
Beamten in immer größerem Umfange, sich und die Fami—
lie gegen Krankheit zu versichern. Der Aufschwung der Kasse
hier im Saargebiet war dementsprechend groß, so daß seit
wei Jahren die Zahl der Versicherten auf rund 3200 ge—
tiegen ist. Der Vorsitzende konnte mit Befriedigung auf die
Entwicklung der Bezirksverwaltung Saarbrücken hinweisen,
die nicht als abgeschlossen zu betrachten ist und daß in ab⸗
ehbarer Zeit mit einem weiteren starken Zugang, auch aus
den Kreisen der Staatsbeomten, die schon jetzt in erheblicher
Anzahl der Kasse angehören, zu rechnen ist.
Die Leistungen der Kasse waren in der letzten Zeit groß.
Der Vorsitzende erläutert an Hand von Aufstellungen die
Leistungen im einzelnen (Krankenhilfe, Kurzuschüsse Kran—
kenhaus- und Seilstättenbehandlung, Zahnbehandlung.
Wochenhilfe und Bestattungskostenzuschuß). Insgesamt be⸗
laufen sich die Leistungen quf rund 650 000 Fres. für 6252
Krankheitsfälle. Die hier vorhandenen Geldreserven bilden
ein gesundes Fundament für die Kasse. Zusammenfassend
konnte festgestellt werden, daß die Arbeit der Kasse für die
Beamtenschaft segensreich war.
Herr Direktor Will, Koblenz, dankt für die Einladung
und Begrüßung, verband gleichzeitig damit die Versicherung.
daß er persönlich gerne nach Saarbrücken gekommen sei, und
daß die Direktion in Koblenz für die Kollegen des Saar⸗
gebietes ein gana besonderes Interesse habe. Kennt sie doch
die Notlage der Beamtenschaft des Saargebietes, sie weiß.
wie schlecht die Besoldung im Saargebiet ist und hat des
halb bei Festsetzung der Beitragshöhe und der Leistungen
das größtmöglichste Entgegenkommen bis dahin gezeiat und
vird vs auch in Zukunft zeigen.
VNon den weiteren Punkten der Tagesordnung ist er⸗
wvähnenswert:
l. Vertretung der Behörden und Beamtenorganisationen
in dem Kassenvorstand.
Unsere Kasse hat den Grundsatz der Selbstbwerwaltung.
lus diesem Grundsatz heraus wurde beschlossen, den Gesamt.
vorstand au erweitern und Vertreler der Gemeinden, der
dreise, soweit sie Zuschüsse zu den Beiträgen der bei ihnen
‚eschäftigten Mitglieder leisten, sowie Vertreter der Beam—
en· Staats· und Gemeindebeanten) Orgamsationen, in
den Vorstand hinein zu wählen. Die diesbezl Verhand—
ungen mit dem Bürgermeisterderband. dem Beamtenbund
uind Gemeindebeamtenbund sind im Gange.
2. Tarifisierung der Leistungen und Behandlung
der Erstattungsanträge.
Bei Behandlung dieser Frage wurde von verschiedenen
Zeiten darüber geklagt, daß eingelne Aerzte ihre Forde.
ungen außerordentlich hoch setzen. Die Aerzie berechnen zum
deil noch heute die Sätze wie in der Zeit des schlechten
rrankenstandes. Inzwischen ist der Franken von 12 quf 6
e Mark zurückgegangen; aber eine Verminderung in den
rorderungen einiger Aerzte sei bedauerlicherweise noch nicht
estzustellen. Herr Direktor Will geht näher auf diesen Punkt
in und erklärt, daß das außerordentliche starke Anziehen
ʒer äratlichen Kosten und die weiterhin sich steigende In—
mspruchnahme der Kasse durch die Versicherten im ver—
jangenen Jahre eine neue tarifliche Regelung der Leistungen
otwendig gemacht hat. Dieser neue Tarif hemmte das un—
jeheure Anwachsen der Leistungen. Weiterhin wurde durch
in mit dem Verband der Aerzte Deutschlands (Hartmanns.
»und) getroffenes Abkommen versucht, die Aerzie auf eine
»en Interessen der Kasse mehr dienenden Einstellung zurück—
uführen. Ein gewisser Erfolg dieses Abkommens, dem sich
rach und nach die größten Mittelstandskassen anschlossen, ist
ticht abanleuanen. Aber die Anforderungen an die Kasse
ewegen sich trotzdem nach in steigender Linie, eine Be—
bacht ung, die man ja auch in gleicher Weise bei der Not—
tandsbeihibfe mocht. Die hierfür sowohl im Reich wie auch
in Preußzen ständig wachsenden Forderungen hoben gewiß
die aleichen Ursachen, nämlich vor allem die unzureichende
Besoldung der Beamtenschaft und zeigen mit gebieterischer
stotwendigkeit, wie dringlich nach einer anderen Lösung der
drankenversicherungsfrage der Beamtenschaft gesucht werden
nuß. In gewissem Sinne wegweisend dürfte hier die in
Sachsen und Bayern im vergangenen Jaohre getroffene Ein—
ührung von Zuschüssen zur freiwilligen Krankenversicherung
der Beamten sein.
Um diese Entwicklung zu fördern und ihr infolge der
Dringlichkeit zur schnellen Durchführung zu verhelfen, haben
ich die größeren bezirklichen Beamtenkrankenfürsorgeeinrichtungen
des Reiches mit den Beqomtenspitzenorganisationen
zegen Ende des Vorjahres unter Führung unserer Kasse in
ver Ahsicht zusammen dgetan. dem Reiche den Stgaten und
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