Full text : 2.1927 (0002)

eine ruhige Betrachtung ohne weiteres, daß es voltomm«.
unangebracht und jeglicher Begründung bar ist, Gegner
schaft oder Besinnlichkeit beispielsweise in Zollfragen mo
Landwirtschaftsfeindlichkeit überhaupt gleichzusetzen. Bedarf
es erst noch der Erinnerung daran, daß auch von Berufs
wegen eng mit der Landwirkschaft verknüpfte Beurteiler die
schematische Wiederaufnahme der Schutzzollbestrebungen der
Vorkriegszeit ablehnen? Daß aus erklärten Zollfreunden
von ehedem heute ebenso erklärte Gegner der Hochschutzzölle
geworden sind? Genau wie ihnen aber sollte und darf man
auch der Beamtenschaft, soweit und sofern sie zollgegnerisch
eingestellt ist, unter keinen Umständen von vornherein den
guten Glauben absprechen, wenn man nicht den gefährlichen
Ehrgeiz besitzt, alle Brücken der Verständigung zwischen auf
einander angewiesenen Volksteilen abzubrechen. Denn aus
tiefster Ueberzeugung von den volkswirtschaftlichen Not—
wendgkeiten her vertritt auch das deutsche Beamtentum die
Forderung, unsere heimische Landwirtschaft so leistungsfähig
wie nur irgend möglich zu machen. Ob das Ideal, unsere
Volksernährung restlos auf die heimische Scholle abzustellen
je erreichbar ist oder nicht, bleibe dahingestellt; aber als
Zielforderung aufgestellt, hat niemand Veranlassung, sich
dem entgegenzustellen. Nur über den Weg zu diesem Zie
gehen die Meinungen auseinander. Die gegenwärtig un
leugbar schwierige Lage der deutschen Landwirtschaft ist
neben anderen Ursachen vornehmlich in Kriegs- und Infla—
tionsfolgen begründet, in Kapitalmangel und Kreditnot
sowie nicht zuletzt in der geschrumpften Kaufkraft des inne—
ren Marktes. Gerade die letzte Tatsache aber ist der Ansatz—
punkt, von dem aus der Beamte in seiner Eigenschaft als
Nurverbraucher mit verknapptem Realeinkommen auf seiten
der Gegner einer Immerhöher-Zollbelastung der landwirt—
schaftlichen Produkte steht; weil er die volkswirtschaftlich
ausreichend begründete These vertritt, daß künstliche Ein—
schränkungen der Kaufkraft des Binnenmarktes am ver
hängnisvollsten auch auf die Erzeugung selbst zurückwirken
Er i sich den Freunden der Landwirtschaft an, welche
für letztere eine Ausdehnung der verbilligten Kredithergabe
und eine weitgehende Erleichterung in der Abstoßung der
Verschuldung befürworten. Es wird sich z. B. im Novem
ber dieses Jahres zeigen, daß der Landwirtschaft die fällige
Rückzahlung der letzten Rate von Rentenbankwechseln nur
unter weitgehendem Entgegenkommen des Reiches möglich
sein wird, ebenso wie die Frage der Getreidelombardierung
nicht ohne ausreichende staatliche Hilfe zu lösen ist. Diese
Stellungnahme der Beamtenschaft der Landwirtschaft gegen⸗
über kann dann doch nur absolute Voreingenommenheit in
Landwirtschaftsfeindlichkeit ummünzen. Es qgibt keine

Aichtere Formel, als einen Gegensatz zwischen Landwiri—
chaft und Vethn konstruieren zu wollen; sie gehören,
gleich allen Volksständen zusammen und sind aufeinander
angewiesen, wie es schon das bekannte Gleichnis von den
Hliedern des Körpers demonstriert.

Vereinheitlichung im Beginn mit Fremdsprachen beim
Unterricht.
Der Preußische Städtetag hatte am 15. März 1927 in einer
kingabe an den preuß. Minister für Wissenschaft, Kunst und
Volksbildung auf die Schwierigkeiten hingewiesen, die sich bei
Imschulungen aus der zur Zeit bestehenden Verschiedenheit des
Beginns der neuen Fremdsprachen an den höheren Schulen er⸗
jeben haben, und eine gewisse Vereinheitlichung beantragt. Der
Anterrichtsminister hat darauf erwidert, daß von einer voll⸗
kommen einheitlichen Regelung des Fremdsprachenbeginns für
das ganze Staatsgebiet abgesehen werden müsse, daß er aber
dem Wunsche nach Vereinheitlichung in größeren zusammenge—
saßten Bezirken zustimmend gegenüberstehe und sich vorbehalte
zur gegebenen Zeit entsprechende Anordnungen zu treffen.

Die Einstufung der sondergeprüften Obersekretäre.
In der Frage der Besoldungsneuregelung haben die Arbeits.
zemeinschaft der Verbände und Gruppen Deutschex Sekretäre und
Dbersekretäre (Ass. a. O.), der Bund Deutscher Reichsgollbeamten
. V. Bund der oberen Justigbeamten und Anwärter, Reichsbund
Deutscher Reichsbahnbeamten des mittleren nichttechnischen Dien—
tes (KEV.) Verband der Sekretäre Assistenten, Betriebsassi—
stenten und Anwärter der Deutschen Reichsbahn e V. (VSA) und
»er Verband der Sekretäre der Reichsfinanzverwaltung eine Peti—
ion an die Reichsregierung, den Reichsrat, alle Reichsressorts,
die Deutsche Reichsbahngesellschaft die Reichspostverwaltung die
Reichsbank und alle Länderregiexungen gerichtet in der sie als
ꝛinmübige Auffassung feststellen, „daß die sondergeprüften Ober—
ekretäre und die ihnen gleich zu bewertenden Beamten in die
gleiche Stelle wie die fach, oder verwaltungsgepräftenBeamter
eingestuft werden müssen!“

Briefkasten
J. 3. 13. Ob, wann und in welcher Höhe Ihnen ein Baudar—
lehen aus dem Pensionsfonds gewährt werden kann vermögen
wir nicht zu beurteilen. Sie wenden sich zur Beantwortung dieser
Frage am besten direkt an die Annahmestelle für Baudarlehens—
anträge, Zimmer 2010 im Regierungasgebäude Saoarbrücken
Alleestraße.
Die Bauberatungsstelle wurde im März ds. Is. infolge einec
Aötzlich eingetretenen Sverre in der Annahme von Darlebens—
anträgen aufgehoben

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