sicheren Finanzpolitik die dringend erforderliche Angleichung des
Lebensniveaus weiter Schichten des deutschen Volkes an den heu⸗
tigen Preisstand durchführen zu können. Er geht ruhig und ent⸗
schlossen seinen Weg, unbeirrt um Agitationspolitik und Demon-LUM
II.
Am 11. August 1919 verabschiedete die Nationalversamm—
lung in Weimar die neue deutsche Reichsverfassung, und
dem Gedenken an dieses Ereignis gilt die Feier dieses
Tages. Leider ist es nach echt deutscher Art nicht möglich
gewesen, den Tag zu einem Nationalfeiertag im tiessten
Sinne des Wortes werden zu lassen, d. h. zu einem Tag.
der alle Glieder des Volkes vereinigt in dem gewaltigen
Bekenntnis zur Volksgemeinschaft und zum Staat. Die
Feier des 114. August wurde zu einer Kampffrage, und die
Geister schieden sich in Anhänger und Gegner der neuen
Staatsform, die am 11. August ihren Geburtstag feiert
Wie es immer im Kampfe ist, geht man auch hier weit
über das Ziel hinaus und vergißt auf der einen Seite, was
groß und gut an dem Vergangenen war, und auf der ande—
ren Seite will man nicht zugeben, daß neue Zeiten neue
Formen brauchen, und daß auch das Neue Wegweiser und
Führer in eine lebensbejahende Zukunft sein kann.
Die Beamtenschaft hat sich in ihrer Mehrheit glücklicher—
weise diesen Kämpfen ferngehalten und auf den Boden der
realen Tatsachen gestellt. Sie ließ sich in ihrem Handeln
leiten von dem Gedanken, daß sie als Diener der Volks—
gemeinschaft dem großen Ziele der Erhaltung von woltk
und Staat in erster Linie verpflichtet sei, und daß die
Staatsform in Zeiten, in denen es um Sein und Richt—
sein geht, von nebensächlicher Bedeutung ist. Wenn man
von dem Gedanken des Schicksalskampfes des deutschen
Volkes in den Jahren 1918 -1924 ausgehend den 11. August
würdigt, dann wird man, losgelöst von der oben gekenn—
zeichneten Streitfrage, Gedanken finden, die wert sind, im
Bewußtsein des Volkes festgehalten und der Zukunft über—
liefert zu werden.
Glücklicherweise vergessen wir Menschen leicht und schnell
In der Hast des Alltags versinkt das Schwere der Ver—⸗
gangenheit in das Meer des Vergessens, und wenige Jahre
später wissen wir kaum noch, wie es einmal wirklich war
Trifft das nicht auch auf die Zeit nach 1918 zu? Wissen
wir noch, wie es damals in Deutschland aussah? Eben
war das gewaltige Weltringen beendet. Deutschland war,
wirtschaftlich völlig erschöpft, zusammengebrochen. Dem
mit dem nackten Hungertode ringenden Volke hatten die
Sieger unerfüllbar scheinende Opfer aufgezwungen. Wirt—
schaftskampf und Blockade gingen weiter. Millionen waren
mit den Heeren in die Heimat zurückgekehrt und verlangten
gebieterisch Aufnahme in den Wirtschaftskörper. Das
Volk, blind geworden in der Not der Zeit, sah nicht, was
not tat, und in seinen tiefsten Tiefen aufgewühlt, zer—
fleischte es sich in inneren Kämpfen. An den Grenzen des
Reiches aber pochten allenthalben die Feinde. Am Rhein
standen die Feindarmeen marschbereit und warteten nur
auf den Augenblick, der den Vorwand zum Einmarsch
bringen werde. Im Osten versuchte slawischer Machthunger
und Größenwahn zu verneinen, was jahrhundertalte
deutsche Kulturarbeit aufgebaut hatte. Denken wir doch
daran. daß damals die feindliche Diplomatie glaubte, das
verhaßte Reich in seine „natürlichen“ Vestandteile zer⸗
legen zu können. In Paris tauchte der Plan auf, den
Frieden nicht mit dem Reiche sondern den ein⸗snon Staa—
trationen. Das hat er in den vergangenen Wochen der Reichskags
erhandlungen bewiesen. Sein gegebenes Wort wird er hallen,
afür bürgt seine ganze Vergängenheit und seine sozlale Ge.
innung.“
ten abruichtichen. Wer sich all diese Momente vor Augen
halt und dabei bedenkt, daß es trotz dieser Verhältnisse
möglich war, X Jahre nach der Revolution dem Volie
eine neue Verfassung zu geben, der wird das Große der
Leistung erfassen und wird mit einem dankbaren Gefühl
am 11. August an Weimar zurückdenken. Er wird aber auch
mit diesem Gedenken an das Neugeschaffene die Ehrfurcht
por dem Vergangenen verbinden. Was war es denn, was
ans diese Schicksalstage als Volk überstehen ließ“,Die
Fessel des Zwanges und der Knechtschafti“, unter der unser
VKolk nach der maßgebenden Weltmeinung „so lange ge⸗
töhnt hatte“, war doch gefallen. Wenn das Reich damaͤls
gicht in seine Teile zerfiel, die dann sicher eine Beute seiner
Feinde geworden wären, dann war es das nationale Ge—
neinschaftsgefühl, das in den 50 Jahren des neuen Reiches
entstanden und vertieft worden war. Es war das Gefühl,
deutsch zu sein, trotz aller Gegensätze von Süd und Nord
und Ost und West doch so stark geworden, daß man sich
'nstinktir an das Reich klammerte, unbewußt vielleicht
ühlend, daß nur das einige Reich aus diesen üefsten Not—
eiten führen könne. Die Rachwirkungen des Vergangenen
onnten aber nur eine begrenzte Zeit wirksam bleiben.
Sollte das Unglück nicht doch hereinbrechen, dann mußte
das aus der tiefsten Volkskraft sich Bildende in Regel und
Form gebracht werden; dem Reiche mußte eine Verfassung
zgegeben werden. Es wird einmal Aufgabe der Geschichte
ein, der Nachwelt aufzuzeigen, welches vaterländische Werk
die Männer in Weimar vollbrachten, als sie trotz revolutio—
närer Kämpfe im Lande, trotz drohender Vertragsbestim—
nungen, trotz Todfeindschaft von rechts und links unbeirrt
ihr Werk schufen und alles einsetzten, um in kürzester Frist
dem neuen Reich eine neue Verfassung zu geben.
Nicht weniger aber als diese äußeren Verhältnisse ver—
angen die in der neuen Reichsversassung festgelegten Ge—
danken Achtung und Beachtung. „Das deutsche Volk, einig
in seinen Stämmen und von dem Willen beseelt, sein Reich
nn Freiheit und Gerechtigkeit zu erneuern und zu festigen,
dem inneren und dem äußeren Frieden zu dienen und den
zesellschaftlichen Fortschritt zu fördern, hat sich diese Ver—
tassung gegeben.“ Das sind die stolzen, von tiefem demokra—
ischem Geiste durchdrungenen Einleitungsworte, die ein
nündig gewordenes Volk seiner Verfassung voranstellt. Und
mm Geiste dieser Einleitung ist die ganze Verfassung aufge—
»aut. Alle Gewalt geht vom Volke aus, und alle letzten
Entscheidungen liegen beim Volke. Das Volk regiert sich
elbst, hat damit aber nicht nur Rechte, sondern ist auch in
einen Einzelgliedern verantwortlicher Träger der Reichs
valt. Dieser vollständige demokratische Aufbau der Reichs—
nerfassung ist das Neue, ist die letzte Mündigkeitserklärung
des deutschen Volkes. Das anzuerkennen, hindert nicht, auch
einzusehen, daß wir von dem Idealziel weit entfernt sind,
es vielleicht nie erreichen werden. Große Gedanken sind in
hrem Werte aber nie abhängig von dem Zerrbild, das die
Wirklichkeit vielleicht aus ihnen macht. Der demokratische Ge⸗
zanke der Reichsverfassung läßt allen Raum, im Dienst am
Volke zu wetteifern und bietet so die Möglichkeit, daß die
gemeinsame Arbeit alle Volksglieder zur Einheit zusam—
nonführt.
⸗— —5489 ...
Pfeiffer Pillep“
26 X kKaffee-Zusatz.
Ep vepbessert nicht nur bas Kaffee⸗Getränk - er verbilligt es auch.