Full text : 2.1927 (0002)

VON DER VFRWVWATVNGSAXKADEMIE: SAMARGEBIET

Im Herbst vorigen Jahres trat die Verwaltungsaka—
»entie Frankfurt erstmalig mit dem Beamtenbund des
Zaargebietes wegen Gründung einer Zweiganstalt in
Verbindung. Damals hielt die Bundesleitung die Zeit
noch nicht für gekommen, weil die Betreuungsaktion alle
Bemüter in Aufregung hielt, und weil die finanzielle
Lage der saarländischen Beamtenschaft zu wenig ermu—
tigend war. Die Angelegenheit wurde vertagt und sollte
Anfang dieses Jahres wieder aufgegriffen werden. Mitt—
lerweile hatten sich aber andere Kreise des Planes ange—
tommen; und unter der tatkräftigen Mithilfe des Beige—
»rdneten der Stadt Saarbrücken, Herrn Dr. Kuhring,
gewann das Vorhaben langsam feste Gestalt. Jetzt trat
nan erneut an die Beamtenschaft heran; und anm 17.
März ds. Is. erklärte sich die Arbeitsgemeinschaft der Be—
amtenverbände grundsätzlich bereit, die Verwaltungs—
rkademie Saargebiet zu übernehmen. In der Werbever—
sammlung am 21. März sprachen Exzellenz Dr. Drew s,
Berlin und Studienrat Liebmann-Frankfurt. Die
Arbeitsgemeinschaft der Beamtenverbände bekundete öf—
sentlich, daß sie gewillt sei, sich hinter die geplante Aka—
demie zu stellen und sie mit allen Mitteln zu unterstützen.
da war die junge Beamtenkbvchschule gesichert.
Am 30. April fand die feierliche Eröffnung und
zugleich erste Vorlesung statt. Die Aula des Reformreal—
zymnasiums erwies sich als viel zu klein, um die aus
aAllen Teilen des Saargebietes herbeiströmenden Hörer zu
fassen. Die Turnhalle Malstatt konnte in letzter Minute
noch entsprechend hergerichte werden, und im großen
Turhallensaale vollzog sich dann im Beisein von gela—
denen Ehrengästen und vor rund 700 Hörer der feier—
liche Akt der Eröffung der Verwaltungsakademie Saar—
gebiet. Herr Professor Dr. Griese-Frankfurt hielt
die Festrede und schloß daran seine erste Vorlesung an:
„Einführung in die Rechtswissenschaft.“
In den ersten Junitagen wurde die Verwaltung der
Akademie neu organisiert. Am 15. Juni wurde das Se—
kretariat der Geschäöftsstelle des Beamtenbundes ange—
gliedert. Die Oberstudienleitung liegt in den Händen
von Herr Professor Dr. Giesse-Frankfurt. Die örtliche
Studienleitung versieht Herr Studienrat Liebmann—
Frankfurt. Die üörtliche Geschäftsleitung wurde dem Un—
erzeichneten übertragen. Außer diesen vier Herren
gehören zum Verwaltungsrat der Akademie noch
die Herren Studiendirektor Seyfried, als Ver—
treter der höheren Beamten, Stadtamtmann Schrei-—
ber, als Vertreter der christlich organisierten Be—
amtenschaft und Ingenieur Hoffmeister als Ver—
treter der freien Beamtengewerkschaften. Die höchste
Enlischeidungsstelle der Akademie ist der Beirat, dem
8 Beamtenvertreter angekören. Im Laufe des Seme—
sters wurde auch ein Hörerausschuß, bestehend aus
3 Vertreter der Hörerschaft, gebildet. Er hat bei Auf—
tellung des Studienplanes für das Wintersemester ent—
cheidend mitgewirkt.
Die Zahl der eingeschriebenen ordentlichen Hörer
»etrug für das erste Semester 786. Sie wäre noch größer

seworden, wenn die Listen nicht geschlossen worden
vären. Beamte und Augestellte aller Verwaltungen und
sruch der freien Berufe aus allen Teilen des Saargebietes,
a selbst aus Birkenfeld, waren vertreten. Neben dem
echzehnjährigen Jüngsten saß, von gleichem Eifer be—
kelt, der ergraute Vierundsechzigjährige. Die große
zörergemeinde war eine lebendige Arbeitsge-—
nreinscheaft, wie sie gleich begeisterungsvoll selten an—
utreffen ist. Ihr Arbeitseifer, ihre gespannte Aufmerlk—
imkeit und Mitarbeit wirkten zurück auf die Dozenten,
ie ihr Bestes gaben an Wissen und Können, und denen
ie Saarbrücker Vorlesungen viel Frende bereitet haben.
zo stellten sich alle Beteiligten gern und freudig in den
dienst der Beamtenfortbildung. Kein Opfer
bar zu groß, kein Geld, keine Zeit, keine Mühe wurden
escheut. Fürwahr, dieses erste Semester Verwaltungs—
kademie Saargebiet bedeutet ein Ruhmesblatt der saar—
indischen Beamtenschaft und aller Beteiligten.
Als Dozenten waren für das Sommersemester gewon—
tien die Herren Professoren Dr. Giese, Dr. Bur—
hard, Dr. Gerloff und Dr.Kalhveram aus Frank—
urt, ferner Herr Beigeordneter Dr. Kuhring und Herr
randgerichtsrat Dr. Barth aus Saarbrücken.
Herr Professor Dr. Giese gab in fesselnder Weise
ine groß angelegte, übersichtliche „Einführung in die
Rechtswissenschaft,, Herr Geheimrat Professor Dr.
zurchardt las über BGB und verstand es aus—
ezeichnet, das für viele „trockene“ Gebiet in anschaulicher
dlarheit den Hörern nahezubringen. Praktische Uebungen
ierzu gab Herr Dr. Kuhring. Her Professor Dr.
zerloff las ausgewählte Abschnitte aus der theore—
schen Nationalökonomie und brachte hochinteressante
ängsschnitte, beginnend mit der Urzeit, endend im mo—
zernsten Weltbetrieb, aus Arbeit, Handwerk, Industrie
te. Praktische Uebungen hierzu las wiederum Herr Dr.
duhring. Er führte ein in die Volkswirtschaftspoli—
ik, insbesondere in die Agrarpolitik. Herr Professor Dr.
dalveram las über Finanzierungswesen der privaten
ind öffentlichen Unternehmungen, erläuterte u. a. die
donzerne, Trusts, Fusionen und gab in seiner letzten
Stunde einen sehr interessanten, aktuellen Ueberblick über
zie augenblickliche Finanzlage Deutschlands und Euro—
as. Herr Dr. Barth endlich las „Beamtenrecht“ und
rörterte dabei die wichtigsten beamtenrechtlichen Fragen,
zobei er auch auf unsere Nechtsgrundlagen: Beamten—
atut, Kabinettsbeschlüsse, Abrede von Baden-Baden zu
prechen kam.
Alles in allem. Es wurde mit vielem aufgewartet,
eder kam auf seine Kosten. Auch an dieser Stelle noch
inmal herzhichen Dank allen Herren Dozenten, den
nuswärtigen, wie den einheimischen.
Am 24. Juli wurde das ersie Semester unserer Ver⸗
valtungsakademie geschlossen. Die augenblickliche Ur—
aubs- und Ferienzeit wird vielen eine willkommene
Pause sein, damit mit neuer Kraft wieder die neue Win—
erarbeit aufgenommen werden kann!

AF

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eine Tasse Fleischbrühe als Frühstücksgetränk.
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3 142
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