glaubte erzwingen zu können. In rauher Kriegszeit kann
man derartige Forderungen und Maßnahmen wohl eher
verstehen, heute sollte man glauben, daß die Vertreter
fremder Mächte von sich gus sowohl aus menschlichen wie
moralischen Erwägungen heraus auf solche Methoden ver—
zichten würden. Mag im besetzten Rheinland mit mili—
tärischen Gewaltmitteln ein derartiges Verlangen der
Siegermächte erzwungen werden, hier im militär- und be—
satzungsfreien Saargebiet ist für solche Spielereien kein
Räum mehr. Daher weg mit der Grußpflicht, hinein mit
ihr in die mittelalterliche Rumpelkammer, der sie ent—
nommen ist, sobald wie nur möglich.
Was haben übrigens die saarländischen Sicherheitsbeam—
ten mit den Vorgesetzten des obendrein nichtmilitärischen
Bahnschutzes zu kun, mögen dessen Vorgesetzte nun sich
Leutnant oder Kapitän, oder wie es ihnen sonst gefällt, be—
zeichnen lassen? Solange nicht auch eine Grußpflicht der
annschaften und Unteroffiziere des Bahnschutzdienstes
zegenüber den Offizieren des saarländischen Sicherheits—
dienstes geschaffen wird, wird die jetzige einseitig angeord—
iete Grußpflichtverordnung unhaltbar und undurchführbar
oleiben. Unser kulturell hochentwickeltes Saargebiet mit
einer freiheitliebenden Bevölkerung kbann nicht zugeben,
»aß seine Bürger, oder auch nur Teile derselben, von land—
remden Organen eines landfremden Bahnschutzdienstes als
Menschen geringerer Qualität behandelt werden. Auch der
Deutsche und erst recht der deutsche Beamte hat ein Ehr—
zefühl, ein Nationalgefühl und das Gefühl der Mannes—
würde und Selbstachtung im Leibe, genau so ausgeprägt
wie bei Ausländern.
Die Sicherheitsbeamtenschaft erwartet darum von der
Kegierungskommission, daß sie diese leidige Frage recht
zald in einer Form löst, aus der Achtung vor deutscher
Mannes- und Beamtenehre spricht.
ZCWEIERLEI MASS
Die Regierungskommission hat wieder einmal bewiesen,
daß ihr jedes Verständnis für die Lage und die Stimmung
in der Beamtenschaft abzugehen scheint. Sert März dieses
Jahres steht die Beamtenschaft des Saargebietes wieder im
Besoldungskampfe. Die Einleitung dazu bildete die An—
kündigung eines 8,7prozentigen Gehaltsabbaues. Alle
Gründe, die von der Beamtenschaft gegen die Maßnahme
ins Feld geführt wurden, blieben unbeachtet. Am 1. Mai
erhielten die Beamten ihr Gehalt um gekürzt. Wir
haben neulich schon einmal an dieser Stelle darauf hinge—
wiesen, daß inzwischen auch die damals für die Regierung
maßgebenden Gründe in Wegfall gekommen sind. Der
Preisabbau, der dem Gehaltsabbau folgen sollte, ist aus⸗
geblieben. Die Regierung hat aber bis heute die logischen
Folgerungen daraus für die Masse der Beamtenschaft nicht
gezogen. Wohl hat sie Wege gefunden, um einer kleinen
Gruppe Vorteile zuzuwenden. Vor einiger Zeit hat die
Regierungskommission es für notwendig gehalten, eine
Neuordnung der Einzelgehälter vorzunehmen, die den In⸗
habern dieser Aemter eine Erhöhung ihrer Bezüge brachte.
Wir mißgönnen niemand sein Einkommen, wollen auch
hier nicht untersuchen, welche Gründe zu dem Beschluß ge—
führt haben. Wir wollen nur die Auswirkungen solcher
einseitiger Regierungsmaßnahmen im jetzigen Zeitpunkte
im Auge behalten. Die Masse der Beamten, d. h. auch
diejenigen Gruppen, die kaum noch wissen, wie sie sich das
Notwendigste zum Leben beschaffen sollen, müssen sich eine
Kürzung ihres knappen Einkommens gefallen lassen. Den
höchstbesoldeten Beamten läßt man eine Erhöhung ihres
Einkommens zukommen, die bei dieser kleinen Gruppe die
vorher erfolgte Kürzung wieder ausgleicht. Man scheint
in den maßgebenden Kreisen des Saargebietes merk—
würdige Auffassungen über sozialen Ausgleich zu haben.
Der wirtschaftlich Stärkste wird unterstützt, den wirtschaft⸗
lich Schwächsten läßt man leer ausgehen. Wenn man es
verstünde, psychologische Momente auch nur irgendwie in
Rechnung zu stellen, könnte nie eine solche Anordnung ge—⸗
geben werden, die auf die notleidende Beamtenschaft direkt
herausfordernd wirken muß. Vor mir liegt eine Be—
soldungstabelle für die Einzelgehaltsempfänger. Rück—
wirkend ab 1. April werden ihnen die neuen Bezüge be—
zahlt, und die übrige Beamtenschaft darf zuschauen. Ja. in
Deiĩn Antlũtæ ist der Pflege wert,
Drum vwasch es nur mit Steolenpferd
Ftechennferd-Feifeæ
die beate Lilienmilch-Seife. — Ueberall zu haben.-ein
ängstlich gehütetes Geheimnis scheint absichtlich die
ganze Angelegenheit gehüllt worden zu sein. Angesichts
olcher Ungeheuerlichkeiten möchten sich einem bittere und
sarte Worte in die Feder drängen. Wir wollen mit un—
erem Schlußurteil zurückhalten, weil wir uns nicht den—⸗
en können, daß eine verantwortungsbewußte Regierung
o offensichtlich mit verschiedenen Maßstäben messen wird.
die Aktion der Regierungskommission für die Beamten der
Zentralverwaltung ist ja noch nicht abgeschlossen —
illerdings scheinen auch für diese weitere Regelung
janz eigenartige Grundsätze aufgestellt zu sein, die sich
durch mancherlei, nur nicht durch Klarheit auszeichnen.
Dder soll das so sein? Immerhin wird es eine dankbare
Aufgabe sein, einmal ab und zu einen Lichtstrahl in
ziese Dunkelkammer fallen zu lassen — so daß wir bestimmt
erwarten, daß die Notstandsmaßnahmen für die gesamte
Beamtenschaft durchgeführt wird. Wie in Notzeiten zu
handeln ist, mag aus dem Vorgehen im Reiche ersehen wer—⸗
den. Grundprinzip aller Unterstützungsaktionen ist: Dem
wirtschaftlich Schwächsten muß zuerst geholfen werden. Es
vpäre ganz undenkbar, daß im Reiche ein entsprechend ein⸗
seitiger Akt durchgeführt würde. Die Volksvertretung
vürde dazu nie ihre Zustimmung geben. Aber hier im
Saargebiet regiert der absolute Wille der Regierungs—
kommission!
Vor einigen Tagen wurde Beamten von einer einflußzeichen
Persönlichkeit der Regierung erklärt: Es geschieht
setzt nichts mehr bis zur Einführung der neuen Reichsbe⸗
oldung. Wir begrüßen grundsätzlich den Standpunkt, so⸗
veit er sich auf die Einführung der Neuordnung zum
. Oktober bezieht. Warum aber zweierlei Maß? Warum
zewährt man nach oben eine Unterstützung und lehnt sie
sach unten ab? Die Regierung hat selbst ihren Grund—⸗
atz durchbrochen und hat nun auch die Pflicht, der übrigen
Beamtenschaft durch die Durchführung der Reichsnotmaß⸗
tahme zu helfen. Wir tun auch heute nur, was unseres
Amtes ist, wenn wir die Regierung bitten, sich einmal ein
inverfälschtes Bild von der Stimmung in der Beamten⸗
chaft, besonders der der unteren Gruppen, zu verschaffen
Wir sind überzeugt, wenn dieser erste Schritt einmal ge—
tan würde, würde die Regierung die weiteren von sich
gats fun. M
4
⸗
Die Sehnsucht
aller geht dahin, dem Mitmenschen in Figur und Um—
gang angenehm zu sein. Ein bewährtes Mittel, dieses
Ziel zu erreichen, ist der Vasenol⸗Körper-Puder, der
nervenberuhigend wirkt, die Haut zart und geschmeidig
macht, üblen Geruch beseitigt. 591
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