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2. Jahrgang Saarbrücken, den 23. Juli 1927 Nummer 80
Inhalt: Die Lebensgestaltung der berufstätigen Frau. — Von der Bundesleitung. — Aus den —S — Beamten⸗
Rundschau.
DIE LEBENSOESTALTUNG ODER BERUFSTATIGENFRAU
Harmonie und Lebensglück der berufstätigen Frau sind
abhängig von der geistigen Einstellung ihrer Zeit und der
danach geprägten Sitte. Weil die gegenwärtigen Lebens—
bedingungen den Lebensnotwendigkeiten der berufstätigen
Frau in keiner Weise entsprechen, ist ihre harmonische Da—
seinsgestaltung unmöglich. In der allgemeinen Gedanken—
und Vorstellungswelt herrscht noch immer das Ideal der
zarten, dem wirtschaftlichen Daseinskampf völlig entrückten
häuslichen Frau, die in der Sorge für Familienangehörige
und Hauswesen Genüge findet. Dieser Frauentyp ist auch
heute noch bestimmend für den Lebenszüschnitt.
Die gänzlich veränderten Zeitverhältnisse stellen jedoch
einen großen Teil der Frauen unerbittlich mitten hinein
in den Kampf ums Dasein, zwingen sie zu einem außer⸗
häuslichen Beruf. Anschauungen, Sitten und Gewohnheiten
sind wandelbar. Geistige a Loslösung von dem
Ideal der kampfentrückten Frau, Bejahung der Frauen⸗
berufsarbeit, Glaube an die sieghafte Macht wahren
Frauentums, an die Unzerstörbarkeit seiner inneren Werte
im Wandel äußerer Lebensformen sind unerläßliche Vor—
aussetzungen für das Lebensglück der berufstätigen Iu
Selbst durch eine solche geistige Einstellung der Allge—
neinheit wäre es jedoch allein noch nicht gewährleistet. Es
hängt vielmehr im weiteren entscheidend ab von der inne—
ren Haltung, mit der jede einzelne Frau persönlich an ihren
Beruf herantritt. Wer ihn nur als notwendiges Uebel,
als lästigen Zwang empfindet, wer nicht das harte „Ich
muß!“ zum stolzen „Ich will!“ zu wandeln vermag, dem ist
nicht zu helfen, ihm werden Harmonie und Lebensglück für
immer versagt bleiben. Freudige rückhaltlose —— der
Berufsarbeit, die eine unendliche Bereicherung und Er—
weiterung weiblichen Fühlens und Denkens mit sich bringt,
ist die geistige Grundlage, auf der allein Entfaltung schöp—
cet Kraͤfte wie harmonische Lebensgestaltung moglich
ind.
Unter Voraussetzung dieser inneren Einstellung zum Be⸗
rufe sind zwei weitere Faktoren für das Lebensglück der
berufstätigen Frau von entscheidender Bedeutung, und
zwar zunächst die Möglichkeit zur Prägung des erwählten
berufes gemäß weiblicher Eigenart. Fäst alle Berufe
ragen zurzeit noch den Stempel männlichen Wesens. Für
die Geltendmachung weiblichen Einflusses auf ihre Gestal—
ung ist der Aufstieg von Frauen in leitende Stellen, ihr
Zugang zu höheren kaufmännischen und technischen Berufen
ine unbedingte Notwendigkeit. Die Lage der weiblichen
Büroangestellten z. B. kann niemals gebessert werden,
venn nicht Frauen mitbestimmend an leitender Stelle
tehen, die sowohl die Erfordernisse des Berufs wie die
Figenart und die Lebensnotwendigkeiten der ihn Aus—
ibenden kennen und in Einklang zu bringen suchen. Immer
vieder wird den Frauen die Eignung für derartige Posten,
vor allem auf technischem Gebiet, abgesprochen. Man hat
zergessen, daß sie früher aus der Beherrschung der Arbeit
zeraus wichtige Erfindungen gemacht haben, daß im
Mittelalter manche Berufszweige, z. B. die ärztliche Kunst
die Krankenpflege, fast ausschließlich in i h rer Hand
agen.
Für die seelische Befriedigung der Frau im Berufe ist
son höchster Wichtigkeit die Verbindung von Mensch und
Werk, wo es sich um rein mechanische Arbeit handelt, deren
hythmische Gestaltung in jedem Falle die Möglichkeit zur
Heseelung der Arbeit aus einer bestimmten Einstellung
jeraus, aus einem Sinn für die Totalität des Lebens.
Außer dem Berufe fordert jedoch auch das persönliche
deben seine Rechte, es drängt nach einer dem Berufe ent—
prechenden Gestaltung, der aber zurzeit noch unendliche
zchwierigkeiten entgegenstehen. Wie eingangs geschildert
vurde, find die e Sitten und Lebensgewohnheiten
uuf die dem wirtschaftlichen Daseinskampf entrückte häus—
iche Frau zugeschnitten. Die berufstätige Frau hat es bis
etzt noch nicht vermocht, ihren eigenen Lebensstil zu prägen.
Drei Punkte sind hier vor allem von Bedeutung: Heim,
Zaushaltsführung, Geselligkeit.
Weit mehr als der Mann ist die berufstätige Frau auf
eine gemütliche Wohnung angewiesen. Sofern sie nicht im
Elternhaus lebt. wohnt sie zumeist in Heimen oder möb—
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