Full text : 2.1927 (0002)

Der Beamtenbund erscheint
wöchentlich einmal, und zwar Samstags.
 Redakkionsschluß, auch
für Anzeigen, Dienstag mittag.

Zeitschrift ——
zyre — 7
des Beamtenbundes Ze ege
des Saargebietes gespaltene Millimeterzeile 030 Frs.
Verantworllich: Für den redaktionellen Teil i. B. Karl Blinn, Saarbrücken 2, Breitestraße 77, Fernsprecher 3055; für der
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Druck und Verlag: Saarbrücker Druckerei und Verlag A. G. Saarbrücken 3, Fernsprecher 83130 bis 3134 und 460 bis 42.
2. Jahrgang Nummer 29
vSn ha T u der Umersiupungsmobnahne des Reice — Ne Jder Saeuenverr,επν ur Geschicte de J
dernen Beamtenbewegung. — Amtshandlung. — Zu Sindenburgs 80. Geburtstag. — Von der Bundesleitung.
— Aus den Verhänden. — Beamten-Rundschau. — Bücher.

Z?UDER UINTERSTITCICVNOSMASSNAHBME DES REICBRES

Die endgültige Entscheidung des Reichstags in der Be—
soldungsfrage ist so gefallen, wie wir sie in der letzten
Ausgabe unserer Zeitschrift vorausgesagt haben:
Besoldungsueureglung mit Wirkung ab 1. Okltober 1927
und Abschlagszahlungen von diesem Zeitpunkt, wenn die
Regierungsvorlage nicht rechtzeitig vom Reichstag verab⸗
schiedet werden kann.
Aber etwas ist noch dazugekommen:
Der Reichsfinanzminister hat erklärt, er habe die Wei—
uung gegeben, daß der Betrag der Unterstützungsmittel
für Reichsbeamte um drei Millionen erhöht wird, und
dabei den Wunsch ausgesprochen, die Mittel möchten in
großzügiger und entgegenkommender Weise verwendet
werden, unter besonderer Berücksichtigung der Beamten in
den unteren Besoldungsgruppen. In den nächsten Mona—
ten sollen noch weitere Mittel zur Verfügung gestellt wer—
den.
Also auf dem Unterstützungswege soll die dringendste
Not der Reichsbeamten gelindert werden. Dabei wird es
aller Voraussicht nach nicht bleiben. Denn inzwischen ist
der sächsische Landtag schon weitergegangen. Im Plenum
des sächsischen Landtages ist nämlich am 5. Juli 1927 die
Vereinbarung mit der sächsischen Regierung als Beschluß
angenommen worden, wonach den Beamten und Angestell⸗
ten eine einmalige Unterstützung nach folgenden Grund—
sätzen gewährt werden soll:
Auf das für den Monat Juli zahlbare Grundgehalt zu—
züglich des Frauenzuschlags und der Kinderbeihilfen wird
ein Zuschlag gewährt
für die Gruppen 1 bis 4 von 40 Prozent
für die Gruppen 5 bis 6 von 30 Prozent
iür die Gruppen 7 bis 9 von 25 Prozent und
iür die Gruppen 10 u. dar. von 20 Prozent
Die einmalige Unterstützung darf jedoch höchstens 200
RM. betragen unter Abzug von 25 RM. für ledige Be—
amte. Sie beträgt aber mindestens 25 RM. für jeden Be—
amten. Entsprechende Unterstützungen sind auch den Warte—
und Ruhestandsbeamten und Beamtenhinterbliebenen zu
zahlen.
Wie ist es nun, wenn auch die übrigen Länder der
Unterstützungsmaßnahme eine festumrissene Form geben?

sann dann die Reichsregierung zurückftehen? Wir glau—
ben nicht! Die nächsten Tage werden iedenfalls schon die
Entscheidung bringen.
Für die Regierungskommission des Saargebietes dürfte
die Sachlage heute schon so geklärt sein, daß sie handeln
lann. Der Beamtenbund hat deshalb in einer Eingabe ge—
zeten, sofort mit den Vorarbeiten für die Durchführung
der Besoldungsneureglung im Saargebiet zu beginnen.
Bleichzeitig ist eine sofortige Unterstützungsmaßznahme für
die Saarbeamten, und zwar in der Form, wie sie soeben
in Sachsen zum Beschluß geworden ist. beantraat worden
Hierzu folgendes:
Bei den Beratungen über die Besoldungsfrage im
Reichstag haben die Volksvertreter einmütig anerkannt,
daß die Not der Beamten äußerst ernst geworden ist. Man
zat weiter zugeben müssen, daß es vielen Beamten nicht
'inmal möglich sein kann, mit den jetzigen Bezügen die
iackten Lebenshaltungskosten zu bestreiten. Bilder bitter⸗
ter Not sind entrollt worden: Fälle, wo Beamte aus Not
ich an den ihnen anvertrauten Geldern vergriffen haben,
indere sogar Selbstmord verübt haben. Und vieles mehr.
Muß aber die Notlage der Saarbeamten nicht noch ern⸗
ter geworden sein! Schon seit Jahren werden sie gegen—
über den Reichsbeamten minderbezahlt. An Weihnachten
hat man im Reich der Not der Beamten durch eine be—
sondere Zuwendung gesteuert, den Saarbeamten ist sie
berweigert worden, trotzdem sie als Besoldungsbestandteil
eine berechtigte Forderung darstellt. Und ferner: Wieviel
Beamte sind durch Krankheiten und andere außergewöhn—
iche Notfälle in schwerste Bedrängnis geraten, weil sie
ticht genügend durch Wohlfahrtseinrichtungen geschützt
vorden sind!
Es ist allerhöchste Zeit, daß den Saarbeamten durchgrei⸗
jend geholfen wird. Mit der beantragten Unterstützungs⸗
naßnahme allein ist ihnen nicht gedient. Wenn die Be—
imten endlich einmal aus der ganz unerträglich gewor—
denen Verschuldung herauskommen sollen, muß jetzt auch
die an Weihnachten im Reich gewährte Notzuwendung
rusgezahlt werden.
Den neuen Präsidenten der Regierungskommission er⸗
— dankbare Aufgaben. Wir verlangen nur Veregus⸗
eit!

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