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Der Beamtenbund
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2. Jahrgang Saarbrücken, den 25. Juni 1927
Inhalt: Realfriedensgehalt. — Das Beamtenheimstätten gesetz. — Von der Bundesleitung. — Aus den Verbänden. —
Beamten-Rundschau.
REALFRIEDENSGEHALIT
Wenn der Reichstag in diesen Tagen zu seiner Sommer⸗
tagung zusammentritt, wird er nicht umhin können, sich
mit der Frage der Besoldungsneuordnung zu befassen. Die
Beamtenschaft ist jedenfalls nicht gewillt, die Angelegen⸗
heit von Monat zu Monat verschleppen zu lassen und sich
mit nichtssagenden Erklärungen zufrieden zu geben. Es
bedeutete schon eine sehr starke Enttäuschung, daß der
Reichstag vor Pfingsten auseinanderging, ohne wenigstens
einen bindenden Beschluß über den Zeitpunkt der Inkraft⸗
setzung der Besoldungsneuordnung gefaßt zu haben. Den
Partelen scheint allerdings die Stimmung innerhalb der
Beamtenschaft nicht unbekannt zu sein, und es liegen ver⸗
schiedene Anträge vor, die eine baldige Verabschiedung des
Besoldungsgesetzes fordern. Man kann darum damit
rechnen, daß während der Sommertagung der Gesetzent⸗
wurf der Regierung dem Varlament zugeht und verab⸗
schiedet wird.
Die Beamtenschaft interessiert darum die Frage: Was
wird das neue Gesetz bringen? Wird es die berechtigten
Wünsche erfüllen, oder wird es sich wieder mit einer un⸗
zulänglichen Teilaktion begnügen? Die Beamtenschaft
fordert das Realfriedensgehalt. Was versteht
man unter dem Realfriedensgehalt? Die letzte Besol—
dungserhöhung im Reiche brachte die Gehälter zahlen—
mäßig etwa auf die Friedenshöhe. Die Beamten bezogen
aber damit keineswegs ihr Friedensgehalt. Denn der
Wert eines Einkommens wird bestimmt durch die ihm
mnewohnende Kaufkraft. Nun ist es eine bekannte Tat⸗
jache, daß gegenüber der Vorkriegszeit eine Teuerung von
etwa 40 Prozent besteht; die Mark hat demnach 40 Proz.
hrer Kaufkraft verloren, und ein zahlenmäßiges Frie⸗
denseinkommen hat tatsächlich 40 Prozent weniger Kauf⸗
kraft als das gleiche Einkommen vor dem Kriege. Nach
der Besoldungserhöhung von 1924 scheute man sich von
seiten der Regierung, diese Tatsache offen eingugestehen,
weil man wußte, daß man dann auch die Verpflichtung
ot hätte, die sich ergebenden Folgerungen zu ziehen.
an vertröstete die Beamten auf allgemeinen Preisab⸗
bau. Das Ergebnis der ganzen Aktion war mehr als
kläglich. Die Wirtschaft paßte sich den tatsächlichen Ver⸗
hältnissen an. Die Preise vieler Gegenstände liegen heute
soch bis 100 Prozent über dem Friedenssatz, zahlenmäßige
Friedenspreise sind kaum anzutreffen. Es ist interessant
und für die Beamtenschaft wertvoll, daß der Reichspost⸗
minister neulich gerade diese Geldentwertung heranzog,
um die Berechtigung zur Erhöhung der Posttarife zu be—
weisen. Selbstre srãnrin kann die Reichspost nicht be—
tehen, wenn sie 10 Reichspfennige 10 Friedenspfennigen
zleichsetzt und in ihren Ausgaben überall 15 Ropfg. ein—
etzen muß:* Das gieiche Mißverhältnis besteht aber bis—
zjer auch für die Beamten. Die Gesamtbeamtenschaft
nußte wirtschaftlich herabsinken und verschulden, weil es
ben unmöglich ist, mit 60 Prozent Einkommen 100 Pro—
ent Ausgaben zu decken, zumal die Friedensgehälter doch
gzerade ausreichend bemessen waren. Wir wollen darum
soffen, daß die Reichsregierung und der Reichstag bei der
beratung der neuen Gesetze dieselbe wirtschaftliche Er—
enntnis walten lassen, die der Reichspostminister zur Be—
zründung seiner Forderungen verriet. Die Post gibt mit
hren Tariferhöhungen ja auch den natürlichen und not—⸗
vendigen Maßstab für eine Angleichung an die Friedens⸗
ätze an. Der 15-Pfg.-Tarif bedeutet eine Erhöhung um
50 Prozent. Wenn man auch annimmt, daß eine 50pro⸗
entige Erhöhung aus technischen Gründen gewählt wor⸗
»en ist, so muß die Beamtenschaft doch, wenn ihrée Forde⸗
ung nach dem Realfriedensgehalt erfüllt werden soll, eine
ßehaltserhöhung um etwa 40 Prozent verlangen. Er—⸗
söhungen von 12 oder 15 Prozent, Zahlen die schon ge⸗
Ið wurden, sind als vollständig unzureichend zu be—
eichnen.
Auch die Beamtenschaft weiß, daß die Durchführung
einer solchen Aktion erhebliche Mittel beanspruchen wer—
den. Wir wissen auch, daß man die Riesenzahlen wieder
hie und da in die Oeffentlichkeit werfen wird, um die Un⸗
zrsättlichkeit der Beamten zu beweisen. Solchen Methoden
zegenüber müssen wir ruhig und sachlich bleiben und uns
elbst die Frage beantworten: Kann die Beamtenschaft der
Lolksgemeinschaft gegenüber ihre Forderung auf Real—
riedenseinkommen verantworten? Darauf kann es nur
ꝛin vollüberzeugtes „Ja“ geben. Schon vorher war darauf
ingewiesen worden, daß die Wirtschaft längst der Welt—
euerung Rechnung getragen hat; wir erfahren es ja
elbst täglich an den Preisen. Der Staat stellt seine
Tarife um, das —— zeigt eine erfreuliche
Aufwärtsbewegung. Seibstverständlich wird man wieder
ilte Klageregister ziehen, wenn die Beamtenschaft auch
inmal ihr Recht fordert. Man sollte sich dann nicht von
illgemeinen Redensarten beirren lassen, sondern Zahlen
eden lassen. Man sehe sich einmal die Gewinnsätze der
nternehmungen an, man beachte den Kursstand der
Iktien. Es ließen sich da noch so mancherlei Anzeichen an⸗
ihren, die zeigen, daß die Stände, die im Frieden dem