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Saarbrücken, den 18. Juni 1927 Nummer 25
2. Jahrgang —
Inhalt: Kritik an der Inderziffer und an ihrer Anwendung. — Zur Abrede von Baden-Baden. — Von der Bundesleitung.
— Unser Recht. — Beamten-Rundschau—.
RKRITIXC ANDERER INDEXZEIFFER UND ANIHBRER
ANWVENDUNG
(Schluß.)
Wir wiederholen:
Der Lebenshaltungsinder soll nur einen Bewegungsindex
darstellen, d. h. also, er kann für Reallohnberech⸗
aungen nur einen Thermometer, nicht etwa eine absolut
richtige Meßziffer abgeben.
Auf diese Bemerkung des Präsidenten des Statistischen
Reichsamts wollen wir unsere weitere Kritik aufbauen.
Nehmen wir zunächst die Festsetzung der Preise für die
Inderberechnung unter die Lupe.
Wir schrieben bereits früher, daß die Ermittlung der
Preise und der Teuerungszahlen in Saarbrücken durch
eine besondere Dienststelle der Stadtverwaltung unter
Kontrolle und Mitwirkung von 4 Vertretern der Arbeit—
zeber und 4 Vertretern der Arbeitnehmer erfolgt. Der Be—
amtenbund war bislang nicht vertreten. Inzwischen ist
aber unserem Wunsche, der Inderxfestsetzung beiwohnen zu
dürfen, entsprochen worden. Die Preisfestsetzung für die
1. Hälfte des Monats Juni hat sich in Gegenwart des
Anterzeichneten abgewickelt.
Wie ging diese Preisfestsetzung vor sich?
Im Rathaus am 9. Juni.
Anwesend: 1 Beamter der Stadtverwaltung, je 1 Ver—
—
vereins für Handel und Gewerbe, des Afabundes, der
Freien Gewerkschaften und des Beamtenbundes. Bestim—
mungsgemäß waren die für die Inderberechnung in Be—
tracht kommenden Preise sowohl von einem Beamten der
Stadtverwaltung als auch von den Vertretern der Ar—
beitgeber und Arbeitnehmer bereits am Vortage in meh—
reren Geschäften des freien Handels ermittelt worden.
Der Beamte der Stadtverwaltung schlägt für die Ein—
setzung in die Indexberechnung, wie die Beftimmung es
verlangt, die von ihm am häufigsten beobachteten Preise
vor: Graupen 1 Kilo 3,20 Fr. Weizengrieß 4,50 Fr.,
Haferflocken (lose, offen) 3,70 Fr., Nudeln linländifche
Wasserware) 6,00 Fr. Reis (Vollreis, mittl. Sorte) 450
Fr. Linsen 5.00 Fr. usw. Meistens kann den Vorschlägen
von Seiten der Vertreter der Arbeitnehmer zugeftimmt
werden. Die Preise decken sich mit den eigenen Beobach—
tungen. Hier und da wird ein Einwurf von den Ver—
tretern der Arbeitgeber laut. Sie wollen niedrigere Preise
estgestellt haben! Der Unterzeichnete muß bemerken, daß
ür die Indexberechnung nicht die niedrigften, sondern die
säufigsten Preise in Betracht kommen. Man gibt sich zu—
rieden. Es geht weiter. Welche Gemüse sollen in die
Inderxberechnung eingesetzt werben? Nach den Bestim—
nungen kommen dafür die 3 gangbarsten Sorten keine
euere Früh-, Suppen- und Kompottgemüse, aber auch kein
Zalat oder Rhabarber in Betracht. Der Unterzeichnete
chlägt u. a. die Einsetzung von Spargel vor. Spargel ist
ach unserer Ansicht heute kein Luxusgemüse mehr. Der
Lorschlag findet wenig Verständnis, auch nicht auf Seiten
er Vertreter der Arbeitnehmer. Es wird vorgebracht,
Zpargel sei kein Arbeitergemüse. Von Spargel könne man
iicht satt werden! Eine eigentümliche Einstellung; Wir
inigen uns schließlich auf Spitzkohl, Spinat und Mohr—
üben. Es geht weiter. Butter (inl. mittl. Sorte): a) Mol⸗
ereibutter 23 Fr, b) Landbutter 21 Fr. Margarine
nittl. Sorte) 12,60 Fr. Schweineschmalz, a) ausländi—
ches 10.50 Fr., b) inländisches 15,00 Fr. und so fort.
Wir werden gelegentlich sfämtliche Preise einer Erhebung
oeröffentlichen. Heute müssen wir uns auf die auszugsweise
Wiedergabe beschränken.
Zusammenfassend darf behauptet werden, die Ange—
egenheit liegt bei der Stadt Saarbrücken in gewissenhaf—
en Händen. Die schon so oft ausgesprochene Vermutung,
der Indexbewegung seien die Askopreise zu Grunde
gelegt, trifft nicht zu.
Wir werden künftig den Inderberechnungen regelmäßig
beiwohnen und dabei die Interessen der Beamtenschaft
zu wahren wissen.
Was ist an der Preiserhebung auszusetzen?
Zunächst: Es wird kaum moͤglich sein die hänfigsten
Preise ganz einwandfrei zu ermitteln. Es sei denn unter
iolgendem großen Arbeitsaufwand: Die Preisermittlung
nüßte sich auf eine große Zahl von Geschäften, auch auf
leinere und auf solche in abgelegenen Straßen erstrecken.
Fine Hausfrau mit mehreren Kindern, die ihren ganzen
'aushalt selbst versehen muß, ist oft gezwungen, in klei—
eren Geschäften nahe ihrer Wohnung einzukaufen. Sie
jsat keine Zeit, in größeren Geschäften längere Zeit anzu—
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