Full text : 2.1927 (0002)

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Mittlerweile hat die Rheinische Wohnungsfürforge ihre
Zinssätze auf 454 Proz. ermäßiat, ohne freilich die Dar—
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Stadt Saarbrücken hat in der Finanzkommission ein Bau—
programm beschlossen. das dem der Regierung qualitativ
etwa aleichkommt. Auch hier gibts, wie wir hören, zu den
Darlehen der Rheinischen Wohnungsfürsorge bis zu 85
Proz. der Gesamtbaukosten Zusatzhypotheken und Zinszu—
schüsse. Neben der Regierungsmaßnahme ist die der Stadt
Saarbrücken durchaus zu empfehlen. In beiden Fällen wird
das Geld mit 4 Proz. verzinst. Daß aber auch jetzt nicht
jeder sofort bauen kann, ist klar. Wer das nötige Eigen—
kapital noch nicht hat, spare von jetzt ab schon soviel, wie er
nach dem Bau für Zins und Amortisation sparen muß;
pielleicht daß es dann nach einem oder zwei Jahren reicht.
Ein Wort noch zu der Deutschen Bau⸗- und Siedlungsge—
meinschaft Darmstadt, die am 9. Januar durch Herrn Archi—
tekten Heilmann in Saarbrücken ihr Programm bekannt
gab. Mir scheint auf Grund dessen, was ich an diesem
Sonntag mitnahm, die „Volksbewegung“ aus idealen
Motiven entstanden zu sein. Ein idealer Zug durch—
weht das Ganze;: ein auter, gesunder Kern steckt
drin. Und endlich auch den Fdealismus und die gu⸗
ten und ehrlichen Absichten des Führers in
Ehren! Aber die Angelegenheit hat auch eine Kehrseite,
and sich vor ihr die Augen verschließen zu wollen, wäre
Vogel Strauß Politik. Derartig ernste und nüch—
terne Dinge kann man ebensowenig durch
Stimmaufwand wie durch salbungsvolle
Verbrüderungsreden erledigen, sondern
einzig und allein durch klares, nüchternes
Ueberprüfen. Mein Urteil geht dahin, daß, wer an die
Spittze der Berechtigten zu stehen kommt, billig und ange⸗
nehm ein Haus gebaut erhält, daß der aber, der weit hin—
den eingereiht wird, unter Umständen sehr lange warten
nuß, bis er an die Reihe kommt. Wer warten kann, mag
zinsloses Geld geben und zinslos bauen. Wer das nicht
tann, und auch nicht will, soll — nach meiner Meinung —
vorsichtig sein, lieber sein Geld sparen mit Zin—
sen und bei geeigneter Zeit mit Zinsen bauen bei einer
Stelle, die ein sozigles Bauprogramm durchführt.
Wir hielten diese Zeilen für notwendig angesichts der vielen
Anfragen über die Darmstädter Bauweise, bemerken aber
ausdrücklich, daß es sich dabei nur um unsere persönliche
Auffassung handelt, die basiert auf dem Gehörten und Ge⸗
sehenen der Johannishof-Versammlung.
Schneider.

Und abermals in Erfüllung der Abrede von Baden-Baden
muß die Regierungskommission die von der Reicksregie—
rung kurz vor Weihnachten durchgeführte Notmaßnahme
auch bei uns zur Anwendung bringen. Die Abrede ist ver—
pflichtend und eindeutig klar.
Die Baugaktion hat einen gewissen Abschluß dadurch er—
reicht, daß das für das Etatsjahr 1926 zur Verfügung
stehende Geld aufgebracht ist. Anhundert Darlehen
wurden bewilligt, teils für Neubauten, teils für Aufstok—
kungen und Eypothekenablösungen. Die Arbeiten für die
Erstellung von etwa 70 Wohnungen in Staatsbauten
haben begonnen. Es waren viele Schwierigkeiten zu über—
winden, von der Verwaltung und von den Bauinteressenten
und ihrer Vertretung. Auch jetzt läuft noch nicht alles, wie
es soll, und manche Enttäuschung hats da und dort gegeben.
Ab April beginnt eine neue Bewilligungs- und Bauperiode.
Wir bleiben nach wie vor bemüht, Uebelstände abzustellen
und Verbesserungen herbeizuführen, soweit uns dies selber
möalich ist. Win warnen nochmals dringend
einen jeden, nicht eher mit dem Bau zübe—
ginnen, alsbis sein Antraggenehmigt und
sein Darlehenbewilligt isft

Versuch, das zu tun, mögen die nachfolgenden Darlegungen
betrachtet werden.
Es erscheint da zuerst notwendig, die Frage vorzulegen:
Was ist der Staat? So geläufig auch das Wort „Staat“
ist, und so oft uns auch der Staat in seiner vielseitigen
Auswirkung entgegentritt, so werden wir doch selten ver—
ucht haben, die oben gestellte Frage zu beantworten. Der
Staat ist die verwaltungsmäßige Zu—
sammenfassung der in einem genau um—
grenzten Gebiet lebenden Menschen. Das so—
ziale Streben, d. h. das Bedürfnis, sich zu Gemeinschaften
zusammenzuschließen, ist ein charatteristifches Kennaeichen

„Staat“ und „Beamtenschaft“ sind zwei Begriffe, die
etwas Alltägliches geworden sind, und die so oft in enger
Verbindung genannt werden, daß es auch demjenigen, der
nicht über die tieferen Zusammenhänge nachdenkt, klar ist,
daß es sich hier um zwei Dinge handelt, die zusammen ge—
hören, die sich wechselseitig beeinflussen und die von ein⸗
ander abhängig sind. Daß es sich dabei aber nicht nur um
ein äußerliches Zusammengehsren handelt, daß das Ab—
hängigsein nicht nur ein auf einer Rechtsgrundlage ba—
sierendes ist, erkennt nur der, der versucht, die Fragen tiefer
zu erfassen und in das eigenartige Verhälinis zwischen
Staat und Beamtenschaft tiefer einzudringen. Als einen

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Tweitniederlaszung: Dudweiler-Saat, Sudsts. 26, el s22drucker
            
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