Full text : 2.1927 (0002)

Bes⸗ Hegmctenvgnd
Zeitschrift
des Beamtenbundes
des Saargebietes

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Nummer 22

2. Jahrgang Saarbrücken, den 28. Mai 1927
— — — — —6u
Inhalt: Zum Umrechnungsfaktor. — Ein Eingeständnis der Regierungskommission. — Wie steht es um die Reichsbesoldungsordnung?
 — Von der Bundesleitung. — Aus den Vesreinen. — Unser Recht. — Beamten-Rundschau.

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Noch ist die tiefe Erregung über den Gehaltsabbau am
l. Mai nicht aus der Beamtenschaft gewichen, und schon
vieder durchschwirren die wildesten und tollsten Gerüchte
das Saargebiet. Alle Fragen gruppieren sich um das eine
Wort: Gehaltsabbau! Die Bundesleitung wird mit
Anfragen bestürmt. Jeder weiß etwas Neues zu melden;
jeder möchte wissen, ob es wirklich wahr sei. Es wurde von
der Bundesleitung versucht, von maßgebender Stelle Aus—
zunft zu erhalten. „Bis jetzt ist die Frage eines Gehalts—
aAbbaues von der Regierungskommission noch nicht erörtert
worden!“ Das ist eine Antwort, die nicht sehr viel
zesagt. Sie ist auf jeden Fall ungeeignet, irgend—
velche Beruhigung in der Beamtenschaft herbeizuführen.
Wir haben es ja erlebt, wie solche Dinge ausgehen können.
Eines Tages wird man vor vollendete Tatsachen gestellt.
Gesteigert wird natürlich die Unruhe durch den fallenden
Imrechnungsfaktor, der jetzt 5,26 beträgt.
Wir haben in den letzten Wochen absichtlich nicht zu den
Besoldungsfragen Stellung genommen, weil es einen an—
ekelt, immer wieder dasselbe zu sagen zu einer Sache, von
der man ja doch weiß, daß sie sich nach längst vorherbestimm—
—DV000
es nicht in den Plan paßt; man erkennt unsere Gründe
nicht än, weil men dann zugeben müßte, daß sie berechtigt
sind. Man läßt uns reden und schreiben und geht mit
Stillschweigen darüber hinweg. Man kommt sich vor wie
ein Bettler, der von Tür zu Tür gehen mußk. und dessen
Worte nicht beachtet werden.
Und doch dürfen wir nicht weiter schweigen! Alle Dinge
gehen bis zu einer gewissen Grenze. Es ist vollständig
ausgeschlossen, daß ein neuer Gehaltsabbau von
der Beamtenschaft hingenommen werden kann.
Mag der Umrechnungsfaktor lauten, wie er will;
mag er zehn Punkte höher und tiefer liegen. Sind wir
denn tatsächlich zu Narren von Zahlen geworden? Zahlen
destimmen unsere Lebensgrundlage; Zahlen erhalten uns
in aufreibender Spannung. Zahlen werden zusammen⸗
gestellt nach irgend einer Methode, die jeder wissenschaft⸗

lichen Begründung entbehrt. Wenn im Reich das Leben
teurer wird, fällt unser Umrechnungsfaktor! Wenn irgend
welche Dinge, die wir zum Leben nicht gebrauchen, oder die
wir uns längst nicht mehr leisten können, billiger werden,
fällt unser Umrechnungsfaktor. Mit Zahlen kann man
alles beweisen, und wir haben schon lange die Ueber—⸗
zeugung, daß Indexzahlen und Umrechnungsfaktoren ihr
RNarrenspiel mit uns treiben. Die Teuerungszahlen fallen.
Jede Hausfrau fragt kopfschüttelnd: Wie ist das möglich?
Dabei erklärt der Handel der Regierung selbst, daß ein
Senken der Preise unmöglich sei. Das Brot wird teurer,
und das Schulgeld ist mächtig gestiegen; aber die Teue—
rungszahlen fallen. Wer sagt uns, daß zur Festsetzung der
Teuerungszahlen auch die Dinge herangezogen werden, die
zum Lebensunterhalt unbedingt notwendig sind? Werden
dabei auch die Lebensbedingungen der Beamtenschaft ge—
bührend berücksichtigt? Wenn Teuerungszahlen überhaupt
einen Sinn haben sollen, dann müssen die Grundlagen so
weit erfaßt werden, daß sie wirklich ein wahres Bild geben.
Die Beamtenschaft aber fragt immer wieder: Warum
das alles? Warum läßt man uns nicht zur Ruhe kommen?
Warum zermürbt man unsere Lebenskraft? Warum drückt
nan dauernd unsere Lebenshaltung? Warum gibt man
uns nicht das, was das arme Deutschland seinen Beamten
geben kann? Man könnte die Reihe beliebig fortsetzen.
Fragen und immer wieder Fragen. Und die Antwort?
Ja, es gibt nur eine darauf, die wir in einer neuen Frage
fassen möchten! Liegt in dem allem auch eine Methode?
hat das uns sinnlos Erscheinende doch einen Sinn?
Das ganze Wirtschaftsleben des Saargebietes scheint
ernsten Entscheidungen zuzutreiben. Nach allen bisherigen
Erfahrungen muß die Beamtenschaft damit rechnen, daß
ie auch in den Strudel des Wirtschaftskampfes gezogen
wird. Die Beamtenschaft muß auf alle Fälle gerüstet sein
und sich sammeln in dem ernsten Willen: Einer wei—
teren Herabdrückung unserer Lebensbe—
dingungen wird die Beamtenschaft mi
allen Mittelnentgegentreten. M.
            
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