lesungen vor 720 eingeschriebenen Hörern im Johannishof
fort. Er sprach vom Ärbeitsfeld der Rechtswissenschaft und
oom Begriff des Rechts, von den enenen und den Vor⸗
zängen des Rechts und von der Rechtsordnung, den Rechts—
vorschriften.
Mit diesen ersten Vorlesungen sind sicher alle Hörer sehr
zufrieden gewesen. Herr Professor Giese verstand es aus—
gezeichnet, das an sich trockene und schwierige Gebiet mit
Leben zu füllen. In klarer, scharfer Gliederung zog er Linie
an Linie. Gerade für diese anschauliche Klarheit und leichte
Faßlichkeit werden ihm alle Hörer dankbar sein. Dabei ver⸗
stand er es, mit feinem Humor die Lehrstunde zu würzen
und zu kürzen. Den weiteren Vorlesungen Gieses darf man
nit Spannung entgegensehen.
Die Verwaltungsakademie Saargebiet ist eröffnet. Ueber
Erwarten geeß ist die deg der eingeschriebenen Hörer ge⸗
vorden. Alle Berufe, alle Verwaltungen, ja auch alle Jahr—
zänge sind vertreten. Neben dem jungen Anwärter und
Zupernumerar sitzt der ergraute Beamte und Angestellte.
Kein Weg ist zu weit, keine Zeit zu zosehen man hat sich
eingereiht in die von gleichem Geiste beseelte Hörerschar.
Hewiß denken viele auch an persönliche Vorteile, die mit
dem Besuch der Akademie verbunden sein können, wer wollte
das auch verwehren?! Stärker aber als diese Motive sind
in dem Massenbesuch der saarländischen Akademie zum Aus—⸗
)ruck gekommen der Hunger der saarländischen Beamten—
chaft nach deutscher Wissenschaft, nach deutscher Kultur, und
der Wunsch, den Kollegen im Reich ebenbürtig gleichwertig
und gleichberechtigt zu sein. Möge es so bleiben bis zum
Tage unserer Heimkehr!
DIEERRECHNUNGSMEIHODE UAUND IHRE FEHMLERNR
Nachdem die Beamtenvertretung in Wahrung deutscher
Beamtenwürde der Regierungskommission gegenüber hat
erklären müssen, daß sie auf eine Aussprache über die Er—
rechnungsmethode keinen Wert mehr lege, müßten eigent—
lich die Akten „Errechnungsmethode“ geschlossen werden
Dem steht aber der Wunsch von Beamtenseite gegenüber.
zu der Sache möge noch einmal in unserer Zeitschrift in
gemeinverständlicher Form Stellung genommen werden
In drei aufeinanderfolgenden Aufsätzen mit den Ueber
schriften „Die Errechnungsmethode und ihre Fehler“
„Wie die Indexziffer der Stadt Saarbrücken festgestellt
wird“ und „Kritik an der Inderxziffer und an ihrer An
vendung“ soll dem Wunsch entsprochen werden.
Wir beginnen heute mit dem Aufsatz:
Die Errechnungsmethode und ihre Fehler.
Wie werden seit 1. Januar 1926 die Gehälter der Be⸗
imten des Saargebietes festgesetzt?
Die Reichsgehälter werden mit einem Faktor in
Franken umgerechnet, der nach folgender Formel ermit—
telt wird:
Durchschnittsssteuerungszahl des Saargebietes dividiert
durch Durchschnittsteuerungszahl des Reichs.
Z. B.: Die Durchschnittsteuerungszahl des Saargebie—
tes für Dezember 1925 betrug 792,97. Die Durchschnitts⸗
teuerungszahl des Reichs für diesen Monat lautete auf
183,51. Die Division 792,97: 183,51 ergibt 4,32. Demge—
mäß hatte die Regierungskommission den Umrechnungs—
faktor mit Wirkung ab J. Januar 1926 auf 44 festgesetzt.
Was ist in dieser Rechnung falsch?
Die Reichsteuerungszahl ift ein Mistel aus den Teue—
rungsverhältnissen von 72 Eildienstgemeinden. Die Teu—
erungsverhältnisse dieser Gemeinden weichen jedoch sehr
von einander ab. Es bestehen Unterschiede bis zu 25 Proz.,
bedingt durch die Kopfzahl der Bevölkerung (Großstädte —
Keleinstädte), die wirischaftliche Lage und die Art der Be—
schäftigung der Einwohner (Industriestädte — Städte in
dandwirtschaftsgebieten) und durch die geographische Lage
(Grenzstädte — Städte im Binnenland)y. Dagegen weisen
Dein Antlitæz ist der Pflege wert,
Drum wasch es nur mit Steclcenpfercd
Fteckenpferd-VFeife
Sie Bbeste LäLchSeife. — Useberall zu haben.
die Teuerungsverhältnisse der zum Vergleich hexrangezo—
zgenen Gemeinden des Saargebietes wegen der geringen
Ausdehnung des Gebietes und der durchweg einheitlichen
Beschäftigungsart der Bevölkerung keine wesentlichen Un—
lerschiede auf.
Die Teuerungszahl des Saargebietes kann demnach
ticht mit der Reichsdurchschnittszahl, sondern müßte mit
zer Teuerungszahl einer Stadt mit gleichen oder ähnlichen
Berhältnissen verglichen werden.
Dazu folgendes Beispiel:
Die Teuerungszahl von Berlin für Jannar 1926 lau—
ete auf 165,19. Bei dem Vergleich — mit der Teu⸗
erungszahl des Saargebietes für Januar 1926 von 820,86
hätte der Umrechnungsfaktor für Januar 1926 nicht 44
'ondern 496 betragen müssen (820,86: 165,19).
Es kann behauptet werden, daß ein Vergleich mit der
Teuerungszahl einer Stadt mit ähnlichen Verhältnissen
wie im Saargebiet ein noch günstigeres Ergebnis bringen
würde. Denn die Lebensverhältnisse in Berlin dürften
noch verhältnismäßig teuer sein, was schon aus der Tat—
sache geschlossen werden kann, daß den Beamten der Orts—
zuschlag der Sonderklasse und ein Sonderzuschlag auf alle
Bezüge von 5 Prozent gewährt wird.
Was fehlt in der Rechnung?
Die hohe Durchschnittsteuerungszahl des Reichs findet
hre Ursache in den noch höheren Teuerungszahlen ver—
chiedener Eildienstgemeinden. Es sind dies durchweg
Städte, in denen den Beamten zu den Gehaltsbezügen
Sonderzuschläge bis zu 15 Prozent gezahlt
werden. In richtiger Folgerung hieraus müßte die Re—
gierungskommission, weil sie der Errechnungsmethode die
Durchschnittsteuerungszahl des Reichs zu Grunde legt,
ruch ihren Beamten einen entsprechenden Sonderzuschlag
zewähren, wenigstens in der Höhe des auf einen Beam—
en im Reich durchschnittlich entfallenden Betrages
Die Regierungskommission hat seinerzeit die Ableh—
rung des Sonderzuschlags damit zu begründen versucht
daß sie angegeben hat, der Sonderzuschlag rühre aus der
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