WVI2 KOMMEFEN NICHT ZEUVUR RUHEI
(Ein Rückblick auf die Jahre 1919 bis 1927.)
Am 10. Januar 1920 vollzog sich die schicksalsschwere
Entscheidung. Das Saargebiet wurde vom Reiche getrennt
und der Verwaltung des Völkerbundes unterstellt. Am
26. Februar 1920 trat die Regierungskommission ihr Amt
an, und in ihrer Antrittserklärung steht der Satz: „Sie
vird niemals eine Ausbeutung der Bewohner des Saar—⸗
zebietes dulden oder es zulassen, daß sie bezüglich der Ent⸗
dohnung ihrer Arbeit irgendwie benachteiligt werden.“
Die Regierungskommissison hätte uns
den Frieden bringen können, aber schon die
ersten Verhandlungen zeigten, daß wir weit davon
entfernt waren. Es begann die große Auseinander—
etzung um die grundsaͤtzlichen Rechte der Beamten—
chaft. Die Regierungskommission lehnte jede vertrag—
iche Bindung gegenuͤber der Reichsregierung ab und
iahm für sich das Recht in Anspruch, die Beamtenfragen
durch eine besondere Verordnung zu regeln. Immerhin
Jab auch damals die Regierungskommission durch eine
VLerordnung vom 28. April 1920 die Erklärung ab, daß
ede Besserstellung der Beamten in Deutschland bis zur
Veröffentlichung des neuen Statuts auch im Saargebiet
'ofort auf die Beamten, Angestellten uswv Anwendung fin⸗
»en sollten. Die Verhandlungen zogen sich Monate hin,
»is Ende Juni der Entwurf des Beamtenstatuts eyschien.
Wegen der darin enthaltenen Bestimmungen, die eine Ein—
chraͤnkung der persönlichen und politischen Rechte der Be—
mtenschaft bedeuteten, kam es im August 1920 zum Be—
imtenstreik. Das Beamtenstatut blieb in Kraft; die Re—
zierungskommission gab aber unter der Einwirkung des
Beneralstreikes Erklärungen ab, die von der Beamtenschaft
ils ausreichend angesehen wurden. Wenn wir heute rück—⸗
chauend die damaligen Vorgänge beurteilen, so war das
Verlangen, die Beamtenfragen vertraglich zu ldösen, der
einzig richtige Weg. Wir wollen heute nicht rechten über
die Gründe, die das damals unmöglich machten. Jeden⸗
'alls hat die Regierungskommission inzwischen eingesehen,
daß über gewisse Fragen mit der Reichsregierung ver—
sandelt werden muß. Hätte man den Wünschen der Be—
imtenschaft damals entsprochen, so wäre für die Folgezeit
ziel Unruhe, viel Streit und viele Enttäuschung der Be—
imtenschaft erspart geblieben. Den saarländischen Beam—
en, die die aufregenden Tage damals als Nächstbeteiligte
erlebten, die nach Verhängung des Belagerungszustandes
eilweise wie Verbrecher behandelt wurden, die Zeugen
waren, daß man eine große Zahl der ihren ohne Angabe
der Gründe aus dem Saargebiet auswies, war klar ge—
vorden, daß ihnen ein dornenvoller Weg bevorstand, und
daß der Dienst im Saargebiet sie noch auf manche harte
Probe stellen werde.
Wir kamen nicht zur Ruhe! Kaum war der
dampf um die rechtliche Stellung beendet, so trat der
im wirtschaftliche Fragen an seine Stelle Schon im
Januar 1920 war die Bergverwaltung dazu übergegangen,
hre Arbeiter in Franken zu löhnen. Andere Industrien
'olgten, und so entstanden die wirtschaftlich unhaltbaren
Früher hörte man oft den scherzhaft gebrauchten Aus—⸗
spruch: „Der preußische Beamte hat nichts, aber das, was
er hat, ist ihm sicher“. Mochte das Wort auch nicht gerade
sehr viel Logik verraten, so kam in ihm doch ein Gedanke
zum Ausdruck, der das Verhältnis des preußischen Staates
zu seinen Beamten kennzeichnete. Preußen war bis in die
Neuzeit hinein ein armer Staat, der nur durch Sparsamteit,
Fleiß und Pflichttreue groß geworden war. Es ist
selbstverständlich, daß auch seine Beamten den ganzen Ver—
hältnissen entsprechend leben mußten. Es war aber in
neuester Zeit, als das Wirtschaftsleben sich mächtig ent—
faltete und Wohlftand einzog, besser geworden. Aber selbst
in seinen bescheidenen Verhältnissen wurde der Beamte
beneidet, weil er sorgenfrei leben konnte. Es galt ihm
als eine unumftößliche Tatsache, daß er am 1. des Viertel—
jahres sein Gehalt erhielt. Aenderungen traten nur inso—
weit ein, als er eine Alterszulage erhielt oder daß eine
allgemeine Gehaltserhöhung durchgeführt wurde. Nie aber
hat die deutsche Beamtenschaft eine Gehaltskürzung erlebt.
In diesen Gedanken ist auch die Saarbeamtenschaft groß
geworden, und wer es vermag, sich in die Lage eines Men—
schen zu versetzen, dem man an seine Grundrechte tastet,
der versteht die Erregung, die augenblicklich durch die Be—
amtenschaft wegen des angekündigten Gehaltsabbaues geht
der begreift den bitteren Groll, der sich in den enttäuschten
Menschen ansammelt. Wirkommennichtzur Ruhe!
so stöhnt die Beamtenschaft. Schon 13 Jahre lastet der Druck
des Ungewissen auf uns! Soll das immer so weiter gehen?
Daß Kriegs- und erste Nachkriegszeit Unruhe und Unge—
wißheit brachten, haben wir als etwas hingenommen, was
wir mit der gesamten Volksgemeinschaft tragen mußten.
Aber es zog dann Jahr um Jahr ins Land und gab uns —
leinen Frieden und keine Ruhe. Vielmehr, jedes neue Jahr
brachte der Saarbeamtenschaft neuen Kampf um irgend—
eine lebenswichtige Frage.
Wir mußten das Jahr 1919 durchleben, bedrückt von der
bangen Schicksalsfrage: Was wird werden? Wird man
das Saargebiet gar zu Frankreich schlagen und uns dann
alle von Heim und Hof vertreiben und uns vom liebge—
wordenen Amte wegjagen, wie es Tausenden anderswo
auch geschah, und uns dem Nichts, der fürchterlichen Leere
entgegenschicken! Wie werden sich die Verhältnisse im
neuen Saargebiet geftalten? Wird man uns als deutsche
Männer, die treu zu ihrer Meinung stehen, arbeiten lassen?
Wir durften nicht mitraten und mittaten. Wir mußten
schweigend zusehen und unsere Pflicht tun. Und wir haben
sie getan, wie es für deutsche Beamte selbstverstäundlich
war. Haben dabei bangenden Herzens hin- und herge—
lauscht, was wohl aus unserem Vaterlande werden würde,
haben in tiefster Seele mitgezittert, wenn ein Schickseuls
schlag nach dem anderen auf unser armes Volk niedersauste.
Wir mußten schweigend zusehen, wie Männer aus unseren
Reihen, Führer und Freunde der Beamtenschaft. ausge—
wiesen wurden
—
Schlechte Zeiten
bedingen manchen Verzicht.
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Seelig's kand. Kornkaffee
brauchen Sie aber nicht vermissen,
denn er ist ja so billig.
εα—
Zum Schutze des Kindes
gegen die verschiedenen Fadenhen der Haut ver⸗
wendet man Vasenol- Wund⸗ und Kinderpaste, um die
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wirksam zu machen. Hierauf pudert man mit Vasenol⸗
Wund⸗ und Kinder-Puder ein. Die Vasenol⸗Präparate
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