Full text : 2.1927 (0002)

eine solide Grundlage zu erkämpfen, dafür konnte nur die An⸗
passung an die Verhältnisse der Heimatverwaltungen in Frage
kommen; die Abrede von Baden-Baden sieht dies ausdrücklich
vor. Die Erfahrungen des letzten Jahres zeigen aber, daß die
Regierungskommission den in Diplomatensprache abgefaßten
Tert pien loyal auslegt, sondern alle möglichen Freiheiten für
sich in — nimmi; Gruppenvergleich, icnaaenew
charakter usp. Die Beamtenschaft muß die lonale Durchführung
erst noch erkämpfen.
Sierauf sprach Hert, Rektor Schneider über: „Der Abbau der
Beamtengehälter im Saargebiet“. Er dankte zunächst für die
freundliche Einladung, der er gerne nachgekommen sei, betonte
jedoch, daß er lieber über ein anderes Thema gesprochen hätte
als über Gehaltsabbau. In der bekannten klaren und sach—
lichen Weise behandelte er die Vorgänge der letzten Wochen und
hob mit Nachdruck hervor, daß die Vorstände der Arbeitsgemein—
eh durch die bekannte Zeitungsnotis im „Saarbrücker Abend—
blatt“ ebenso überrascht gewesen Fon wie die übrigen Beamten.
Für den Beamtenbund ist der Abbau unannehmbar. Redner
—2 — hierauf die Besprechungen mit Minister Koßmann,
räsident Stephens und Generalsekretär Pierrotet. Der Be⸗—
amtenbund wird mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mii—
teln den Gehaltsabbau zu verhindern suchen. Der Vortragende
unterstreicht noch besonders, daß der Abbau ungeseslich ist und
gegen das deutsche Beamtenrecht verstößt. Ein Gehaltsabbau
habe noch in keinem Lande, das auf seine Rechtspflege etwas
hält, ohne Verfassungsänderung stattgefunden. Als Beispiel
führt er Danzig an. Eine Verquickung von Beamtenfragen mit
I er oder Konjiunkturfragen muß als abwegig beseichnet
werden.
Vorläufige Gegenmaßnahmen:
Ein Antwortschreiben guf das Schreiben der Regierungs⸗
kommission vom 23. März ist am 31. Märzg abgegangen:
eine Eingabe an die Reichsregierung ist unterwegs:

BEAMTEN-R

Beamten⸗Rundfunk.
Welle 1250.
Samstag, den 9. April, 5 bis 5,30.
Postrat Schotte: „Fernsprechen im Weltverkehr.“
Reichsvost.
(„Unter dem Reichsadler“ Nr. 5/27.)
Hie weiblichen Post- und Telegraphenbeamten erbitten:
1. eine ausreichende Ansahl von Plan- und Beförderungs⸗
stellen im Rechnungsjahr 10927;
2. Ueberführung der Helferinnen in das Beamtenverhältnis
und Oeffnung der Laufbahn;
Inhnnns der vor der Vereidiaung liegenden Vordienst⸗
zeiten
a) auf das Pensionsdienstalter,
b) auf das Diätariat, auch wenn eine längere als ein—
monatige Unterbrechung wegen Mangels an Beschäif⸗
tigung statraefunden hat;
1. Gewährung einer SHinterbliebenenfürsorge für die Sinter⸗
bliebenen der verstorbenen ledigen Beamten.
— —
Psychotechnische Prüfstelle süiür Lokomotivführer. Auch für die
Prüfung der Lokomotivführer wurden die neuen psychotechnischen
Hilfsmittel bereits angewandt. Die Eisenbahndirektion Dresden
hat eine besondere Wirchotechnische Prüfftelle für Lokomotip—

juristische Gutachten — auch besl. der Gewährung der Notmaß—
nahme — sind eingefordert worden;
Ausschußsitzung im Beamtenbund und u. a. Vollversammlung
sind in Aussicht genommen.
Zum Schluß betonte Herr Rektor Schneider, daß nur Einigkeit
ind Geschlossenheit zum Ziele führen kann. Da wir aber dieses
ziel unter der landfremden Regierungskommission wohl nie—
nals erxeichen werden, wünscht auch er eine baldige Rückkehr
um Reich als deutsche Beamte.
Das Referat fand den ungeteilten und starken Beifall der
Versammlung. In der nun folgenden Aussprache kam die in
der Postbeamtenschaft über den Abbau und die Verweigerung
der Notmaßnahme erzeugte Erregung zum Ausdruck.
Nachstehende Entschließung wurde einstimmig angenommen:
„Ueber den von der Regierungskommission zum 1. Mai ge—
olanten Gehaltsabbau ist die Beamtenschaft der Post- und
Telegxaphenverwaltung des Saargebietes aufs höchste empört.
Ein Gehaltsabbau ist mit dem geltenden Beamtenrecht un—
vereinbar; in diesem Recht ist der Grundsatz verankert, daß
der Beamte einerseits auf Koniunkturgewinne verzgichtet, aber
andererseits auch gegen Konjunkturverluste geschützt ist. Der
Abbau ist darüber hinaus unmoralisch, weil die seit über drei
Jahren unzulängliche Beamtenbesoldung Gesundheitsschäden
und Haushaltslücken verursacht hat, für die die Regierungs—
kommission ersatzpflichtig ist und bleiben muß.
Der Vorstand erhält Auftrag und Vollmacht, alle Schritte
— einschließlich der prozessualen Erkämpfung des Rechis —
zu unternehmen, um 3 ungesetzlichen Gehaltsabbau zu
verhindern. Auf keinen Fall wird der Abbau von der Post—
beamtenschaft je anerkannt werden; alle sich etwa daraus er—
aebenden Folgen müssen vielmehr der Regierungskommission
zur Last fallen.“
Mit der Mahnung zu weiterem treuem Zusammenhalten
chloß der erste Vorsizende die Veriammlung.

ULLNDSCHMHAII

führer eingerichtet, die in einem Eisenbahnwagen untergebracht
ist. Der Wagen kann also nach Bedarf auch in iede andere
Stadt gebracht werden.
Außer dem theoretischen Unterricht werden hier die Lokomotiv—⸗
sührer planmäßigen und psychotechnischen Prüfmethoden unter—⸗
vorfen. Ein besonderes Stellwerk ist der Praris genau nach—
gebildet, ebenso die Weichenstellung. Die Fahrprüfung der
Lokomotivführer wird vor einem beweglichen Film-Bild vor—⸗
genommen, wobei durch einen Projektionsapparat ein Filmbild
auf die Leinwand geworfen wird, das die Fahrstrecke mit all
hren Signalen und Abgrensungen zeigt. Sierbei können die
Signale wechselweise rot, grün oder gelb eingeschaltet werden.
Der Prüfling muß nach dem vorbeirollenden Filmbild seine
Lokomotive bedienen, er muß bremsen oder halten, wie auf der
richtigen Lokomotive (Spandauer 3t—6.)

Mittel für Beamtensiedlung.
Die deutsche Beamtenschaft kann kaum behaupten, daß
chren Siedlungswünschen in den Parlamenten viel fördern⸗
des Interesse enbtgegengebracht worden ist. Angenehm berührt
arum ein dem Preußischen Landtag vorliegender demokra—
ischer Antrag, der das Staatsministerium ersucht, auf dem
Inleihewege 10 Millionen Reichsmark bereitzustellen, die als
taat liche Arbeitgeberdarlehen bei Wohnungsbauten für preu⸗
zische Stactsbodienstete Vervvendunng fimdem solsen

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