Full text : 2.1927 (0002)

Es ist nicht möglich, das, was von Herrn Dr. Drews aus⸗
strahlte, in einen Bericht zu fassen; wenn wir trotzdem auf
seinen Vortrag eingehen, so geschieht es, weil leider nur ein
kleiner Teil der Beamtenschaft seinen Worten lauschen
konnte. Herr Staatsminister Dr. Drews entwickelte folgende
Bedanken:
Warumsstrebt der Beamte nach Fortbil—
dung? Die Fortbildung der Beamten ergibt sich mit
innerer Notwendigkeit aus dem Wesen des Staates. Der
Staat ist kein toter Organismus, er lebt und entwickelt sich,
muß sich den jeweiligen Zeitverhältnissen anpassen und von
seiner Beamtenschaft die Löäsung neuer Aufgaben erwarten
Die bedeutend erweiterten Aufgaben des modernen Staates
verlangen ein durchgebildetes Beamtentum; denn nur
geistig hochstehende Menschen sind imstande, sich veränderten
Verhältnissen anzupassen. Die neue Zeit nach 1918 brachte
eine neue Einstellung zum Beamtenfum. Man bekämpfte
das Berufsbeamtentum und forderte das Angestelltenver—
hältnis, weil man glaubte, im freien Kräftespiel die Staats—
interessen besser vertreten zu können. Die Zahl der Anhänger
dieses Gedankens ist ständig zurückgegangen. Der freie Ange—
stellte wird stets in seiner Arbeit in erster Linie eine Erwervs—
quelle sehen und stets bedacht sein, seine Wirtschaftsver⸗
hältnisse zu verbessern. Er wird sich mit Recht nie seiner
Aufgabe stark verbunden fühlen. Anders ist es bei dem
Beamten. Sein Verhältnis zum Staate ist nicht nur ein
Arbeitevertrag sondern zugleich ein persönliches Verbun—
densein. Der Beamte hat sich auf Grund einer hohen sitt⸗
lichen Lebensbestimmung nach freier Entscheidung dem Be—
rufe gewidmet, hat sein ganzes Denken und Wollen auf sein
Amt eingestellt, betrachtet es in erster Linie als eine ihm
vom Schicksal gestellte Lebensaufgabe, der er seine Kräfte
meihen muß auf Grund einer unabänderlichen Lebensbe—
stimmung, ist darum mit dem Staate eng verbunden und
sieht in seinem Amte ein Stück seiner selbst. Dieses hohe
Ethos der Beamtenschaft ist das Kostbarste und Wertvollste
des Berufsbeamtentums, es ist ein heiliges Gut, das der
Staat wohl hüten und erhalten sollte. Daneben äber wird
auch der auf Lebenszeit angestellte Beamte sich viel ein—
gehender den Aufgaben seines Amtes zuwenden als ein
oft wechselnder Angestellter. Und je besser der Beamte sein
Amt ausübt und seine Aufgaben erfüllt, um so mehr ent—
waffnet er die Gegner, und somit ist beste Bildung die befte
ae im Kampfe um die Erhaltung des Berufsbeamtentums.

Welchen Bildungsweg geht der Beamte?
Im allgemeinen ist bei dem mittleren Beamten die theo—
retische und praktische Ausbildung verbunden. Daraus er⸗
wächst den Verwaltungen die Pflicht, die Beschäftigung der
Anwärter nicht von dem Gesichtspunkte: Wo leistet der
junge Mann mir am meistens zu regeln, sondern das
Streben nach gründlicher Gesamtausbildung obersten Leit⸗—
gedanken sein zu lassen. Wenn auch die abgelegte Prüfung
die Lehrzeit beendet, so darf der Beamte damilt seine Aus—
bildung nicht als abgeschlossen betrachten. Er wird stets
sein Wissen auffrischen, vertiefen und erweitern müssen, um
seiner selbst und um seines Amtes willen. Denn gerade für
den Bürobeamten ist eine freie geistige Beschäftigung nof—
wendiger Ausgleich.
Wiesind die Verwaltungsakademienent—
tanden und was wollensie?
Die Verwaltungsakademien sind das Werk der Beamten-—
schaft. Sie fühlte, daß sie im Kampfe des modernen Lebens
nur sich werde behaupten können, wenn sie geistig gerüstet
auf dem Plane werde erscheinen können. Den enistehenden
Verwaltungsakademien blieb aber auch damit die Bewe—
gungsfreiheit gewahrt, die ihnen bei behördlicher Einrich—
tung nie zugebilligt worden wäre. Die Verwaliungsakade⸗
mien sind hochschulmäßige Einrichtungen, unterscheiden sich
aber von den Universitäten dadurch, daß sie nicht vor bil—
den, sondern weiterbilden wollen, daß ihre Hörer
über ganz verschiedene Vorbildung verfügen und auch wäh⸗
end der Besuchszeit ihre Hauptkraft einem Amte gehört

Für den Lehrkörper bleibt zu beachten, daß die Universität
zurch die theoretische Wissenschaft zur Pratts führt, die Ver⸗
valtungsatademie aber aus der Pratis zur theoretischen
Erkenntnis leiten will. Der nicht wissenschaftlich gebildete
Beamte will die Zusammenhänge seiner Tätigkeit erkennen,
will seinen Geist schärfen und sich vorbilden zum höheren
Dienst. Die Verwaltungsakademie darum anerkannte
brüfungen für höhere Kommunalbeamte ab. Die Fülle
hrer Aufgaben können die Verwaltungsakademien aber
iur erfüllen, wenn ihnen von den öffentlichen Stellen neben
der materiellen Unterstützung auch viel guter Wille ent—
egengebracht wird. Es ist erfreulich, daß nach anfänglichen
S5chwierigkeiten heute von allen Seiten die segensreiche Ar—
zeit der Akademien anerkannt wird.
Als zweiter Redner sprach Herr Studienrat Liebmann
iber „Organisation der Verwaltungsakademien.“ Nachdem
derr Liebmann die Schwierigkeiten der Gründungszeit ge—
jeigt hatte, gab er folgendes Organisationsbild:
Die Verwaltungsakademien sind heute behördlich aner—
annt. Im Jahre 1921 schlossen sie sich zu der „Arbeitsge—
neinschaft der deutschen Beamten-Hochschulen“ zusammen.
die Innehaltung der von ihr ausgearbeiteten Richtlinien
st Voraussetzung für die Anerkennung einer Anstali. Man
nterscheidet: Vollanstalten mit Zweiganstalten, Vollanstal—
en ohne Zweiganstalten, Vollanstalten, die noch nicht lange
estehen, Hochschulkurse. Vollanstalten können nur dort, wo
»ochschulen vorhanden sind, gegründet werden. Der⸗Lehr—
örper setzt sich zusammen aus Hochschullehrern und Män—
tern der Praxis und verbindet so Theorie und praktische
Arbeit. Der Lehrgang umfaßt 6 Semester mit je 6 Wochen—
tunden und kann durch eine Diplomprüfung oder eine AÄll—
zemeinprüfung abgeschlossen werden.
Die in Saarbrücken einzurichtende Verwaltungsakademie
nuß sich an eine anerkannte Anstalt — Frankfurt — an—
ehnen. Trotz der großen Schwierigkeiten, die in der weiten
Entfernung liegen, haben alle Professoren zugesagt. Die
Ztunden werden aber darum für die auswärtigen Dozenten
iuf das Wochenende gelegt werden müssen. Der Hauptan—
alt Frankfurt, die zu der ersten Gruppe der Verwaltungs⸗
ikademien gehört, verbleibt die Vertretung der Tochter⸗
Anstalt. Studienleiter für die Akademie in Saarbrücken
vird Herr Prof. Giese; die örtliche Studienleitung und auch
die örtliche Geschäftsleitung übernimmt Herr Dr Kuhring,
während die Gesamtgeschäftsleitung bei der Zentralstelle i
Frankfurt bleibt. Die neue Anstalt wird unter dem Namen
Verwaltungsakademie für das Saargebiet“ Ende April
bre Tätigkeit aufnehmen.
Es kann kein Zweifel darüber bestehen, daß die Grün—
»ung der Beamtenakademie freudig begrüßt wird und die
Beamtenschaft auch bereit ist, alles zur Förderung der Sache
zu tun. Durch Wort und Schrift ist der Gedanke der Aka—
»emie hinausgetragen worden, und wartend stehen viele be—
reit, ihr zuzuströmen, sobald sie ihre Tore öffnet. Wenn wir
ruch der Gründung freudig zustimmen und wünschen, daß
alle das, was sie süchen, dort finden möchten, so bleibt uns
»och die Pflicht, noch auf einige Gesichtspunkte hinzuweisen,
zie selbstverständlich bisher im Hintergrunde geblieben sind,
im Anstalt und Besucher vor Enttäuschungen zu bewahren.
Es muß zuerst betont werden, daß es sich um eine Fort—⸗
bildungseinrichtung handelt; d. h. die Verwaltungsakade—
nie ist nicht Weg zu irgend einem neuen Amt, sondern das
dort Gewonnene kommt zuerst dem Besucher selbst zugute,
edeutet eine innere geistige Bereicherung, die sich vielleicht
exst später im Leben in präktische Werte uümsetzen kann. Mit
dem Wesen der Fortbildung hängt es zusammen, daß der
Besucher sich nur nebenamtlich der Säche widmen kann.
Man muß sich aber darüber klar sein, daß es nicht mit dem
Anhören der Vorlesungen getan ist, sondern, daß noch ernste
Arbeit daheim zum Erfolge gehört. Ohne einen direkten
zwang aber neben seiner Amtsarbeit jährelang jede freie
HNinuse zur freiwillig gewählten Arbeit verwenden, noch
azu ohne ein direktes 33 vor Augen zu haben, setzt eine
Willenskraft und eine körperliche Leistungsfähigkeit vor—
tus über die nicht alle Menschen verfügen. Selösiverständ⸗

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