Den Hinweis auf die im Baden Badener Ablommen
erwaͤhnten gesicherten, stabilen Währungsverhältnisse
wollen wir heute übergehen. Wir werden diese Frage
noch besonders behandeln und wenden uns zum Schlusse
noch der Frage nach der Form des Verkehrs zwischen Re—
gierung und Beamtenschaft zu. Gewiß ist es selbstver—
ftändlich, daß die Beamtenschaft die geziemende Form zu
wahren hat. Die Arbeitsgemeinschaft der Beamtenverbände
ist aber der Ansicht, die sich von selbst ergebende Grenze
nicht überschritten zu haben. Die Beamten-Vertretung
Jaubte sich einer so unwürdigen Behandlung gegen—
bergestellt, daß die Beamtenschaft es nicht würde ver—
tanden haben wenn sie nicht ihre Rechte frei und unum—⸗
punden betont hätte. Die Arbeitsgemeinschaft der Beam
enverbände hat stets den größten Wert auf ein korrektes
zusammenarbeiten mit der Regierungskommission gelegt
ind wird diesen Grundsatz auch ferner beachten; sie ist sich
iber auch ihrer Verantwortung gegenüber der Beamten
chaft bewußt und wird deren Rechte stets mit allem Nach
zxuck vertreten M.
RÜCRKWARTSSTATI.. VORWARTS
Die Regierungskommission hat den Abbau der Beamten⸗
gehälter doch diktiert.
Welche Ereignisse gingen diesem unge—
heuerlichen Beschlüß vordus?
Donnerstag, den 17. März.
Das „Saarbrücker Abendblatt“ bringt die Nachricht: Die
Regierungskommission hat beschlossen, die Gehälter der Be⸗
amten mit Wirkung ab 1. April 1927 um 8.7 Prozent ab⸗
zubauen.
Welche Ueberraschung! Wer hätte das erwartet? ...
Von verschiedenen Seiten wird die Richtigkeit der Nachricht
angezweifelt. Es kann nicht wahr sein, es ist ja nicht
denkbar, daß die Regierungskommission einen solch ein—
schneidenden Beschluß faßt, ohne die Beamtenschaft vorher
dazu gehört zu haben! Mit der Arbeiterschaft hat man
seit mehreren Wochen über den Lohnabbau verhandelt.
Dieselbe Beachtung kann doch der Beamtenschaft nicht ver⸗
sagt werden! Die Mitglieder der Regierungskommission
sind doch erst am Dienstag von Genf zurückgekommen. Oder
jollte der Beschluß bereits in Genf gefaßt worden sein? ....
Solche und viele andere bange Fragen bringen die Be—
amtenschaft in Erregung. Sie sieht d ernstlich bedroht.
Man denkt zurück an die Notzeit des Vorjahres. Soll der
Beamtenschaft diese Zeit erneut bevorstehen? Die Er—
regung wird immer größer. Harte Worte fallen. Die
Beamtenvertretung muß die Ruhe bewahren, sie muß be—
sonnen bleiben. Schnell muß gehandelt werden. Bereits
am Nachmittag wird in einer Sitzung der Arbeitsgemein⸗
schaft der Beamtenverbände zu der Nachricht Stellung ge—
nommen. Eine Protesterklärung wird abgefaßt und ein—⸗
stimmig gutgeheißen (siehe unter „Bundesleituüng“ in der
Nummer 12). Es wird weiter beschlossen, die Stellung—
aahme der Beamtenschaft zu dem Vorhaben der Regie—
rungskommission sofort mündlich dem Herrn Präsidenten
und dem Herrn Minister Koßmann zu unterbreiten.
Freitag, den 18. März, vormittags 11,30 Uhr.
Die Vertreter der Arbeitsgemeinschaft der Beamten⸗
verbünde bei dem Herrn Minister Koßmann.
Der Vorsitzende des Beamtenbundes, Herr
Rekto rScneider, weist in seinen im Namen der Ar—⸗
beitsgemeinschaft vorgetragenen einleitenden Worten dar⸗
σ
auf hin, daß nach Pressenachrichten durch einen Beschluß
der Regierungskommission vom 16. März ab 1. April 1927
die Beamtengehälter eine Kürzung um 8,7 Prozent er⸗
sahren sollten. Die Angelegenheit habe bereits die Ar—
heitsgemeinschaft der Beamtenverbände in einer Sitzung
ꝛingehend beschäftigt. Die Beamtenschaft sei hier entgegen
»en früheren Zusicherungen des Zusammenarbeitens
wischen Regierung und Beamtenschaft vor eine vollendete
Tatsache gestellt worden. Gegen diese Behandlungsweise
nüsse die Arbeitsgemeinschaft protestieren, zumal dieser
Fall doch einzig dastehe. Die Arbeitgeberschaft habe gegen—
iber ihren Arbeitnehmern in mehreren Verhandlungen
deider Parteien die Lohnabbaufrage, wenn auch nicht im
Zinne der Arbeitnehmer, behandelt und erledigt. Herr
Schneider überreicht Herrn Minister Koßmann die Protest—
ꝛrklärung der Arbeitsgemeinschaft, wie sie in der Sitzung
»om 17. März zustande gekommen war, im Wortlaut und
»edauert außerordentlich, daß durch das Vorgehen der
Regierungskommission das bisher bestandene gute Ver—
jältnis zwischen Regierungskommission und Beamtenschaft
eine Trübung erfahren habe. Die Beamtenschaft vertrete
nit Recht den Standpunkt, daß, wie früher, auch jetzt eine
Verquickung von Arbeiter- und Beamtenfragen, insbe—
ondere von Lohn⸗- und Gehaltsfragen, nicht erfolgen dürfe,
o sehr es auch zu bedauern sei, daß die Arbeiterschaft in
hren Lohnbezügen in der Folgezeit abgebaut werde. Die
Zeamtenschaft sei ferner der Ansicht, daß die Voraus—
etzungen für die Durchführung des Artikels 3 der Abrede
on Baden-Baden 78 seien, nach dem die Regierungs—
ommission zugesagt habe, nach Eintritt gesicherter stabiler
Währungsverhältnisse die Gehälter der Beamten des Saar⸗
gebietes mit den Gehältern der Reichsbeamten in Einklang
u bringen. Stabile Verhältnisse in der Währung seien
eit einiger Zeit eingetreten, wenn auch eine gesetzliche
Stabilisierung seitens Frankreich noch nicht erfolgt sei. Der
Abbau um 87 Prozent sei demgemäß auch gegenüber den
Abmachungen in Baden-Baden zwischen der Reichsregie—
rung und der Regierungskommission unhaltbar. Entgegen
dem früheren, sich Monate hinz ehenden Aufbau der Ge—
hälter, wodurch die Beamten große Verluste erlitten
sätten, sei die Regierungskommission nunmehr bei einem
Ahbau viel rascher bei der Hand. was ebenfalls bei der
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