einem gebildeten — sagen wir — „Globetrotter“ steht. Aber
darüber dürfte man nicht A er zu sein, auf den
letzten Endes die anderen ja auch angewiesen sind.“
Von diesem erfreulichen Standpunkte bis zu dem des Deutschen
Sprachvereins — den jener offenbar nicht kennt — ist kein weiter
Schritt. Wir sind vor allem Deutsche und dann erst unter Um—
ständen „Globetrotter“. Deswegen legen wir noch mehr Wert
darauf, miteinander gutes und reines Deutsch zu renen als auf
die Kenntnis und den Gebrauch eer Spraͤchen. Die anderen
Völker betrachten ein solches Verfahren ihrer Muttersprache
gegenüber als ssserersiunduich nur der Deutsche ist leider im
allgemeinen schwach darin. as tritt, wie in anderen Fach—
sprachen, so auch in der des deutschen Fliegers hervor. Warum
sagt er z. B. Start, starten? Haben diese Wörter irgendeine Be⸗
hiehung zum Fliegen. Nicht im mindesten. Der Eisenbahnzug,
er Dampfer, das Boot, sogar das Rennpferd ante in England.
Oder fehlt es der deutschen Sprache an der Fähigkeit, das klar
und deutlich auszudrücken, was der Flieger tut, wenn er startet?
Auch dies darf man wohl nicht behanten angesichts der Tatsache,
daß Herr Wather Kleffel, der Ver vVs des im Eingange genann—⸗
ten Aufsatzes, selber einmal vom Abflug statt vom Start spricht
(auf S. 375 des Heftes 24 der —A für 1926). Oder soll
das englische Wort daran erinnern, daß die Engländer das
Fliegen erfunden haben, und daß wir nur Nachahmer sind? Das
wäre echt deutsch; denn der Deutsche ist bekanntlich „objektiv —
bis zur Selbstvernichtung. — Ein anderes Beispiel: Die deutschen
Luftfahrerverbände sind vor kurzem von dem internationalen
Verband (der sie aus Anlaß des Weltkrieges geächtet hatte)
wieder zu Gnaden angenommen worden. Um aber auszudrücken,
daß diese Körperschaft eigentlich eine rarzesiche Veranstaltung
und daß er in ihr doch ganz gleichberechtigt ist, nennt sie der
deutsche Luftfahrer Fédération Aéronautique Internationale oder
— wenn er nicht französisch kann — mit Benugung der Aküsprach.
F.A.. Wir haben jetzt Behörden, die in Angelegenheiten der
Luftfahrt mitbestimmend tätig sind und auch in sprachlicher Hin⸗
sicht schon Gutes gewirkt haben. Vielleicht nehmen sie sich dieser
Dinge einmal an, wenn es der Deutsche Luftfahrerverband nicht
tut. Früher tat er es, wie die Vorschläge lehren, die einst
Pöschel im Auftrage des Verbandes gemacht hat. Ein Volk,
das seine Sprache und damit sich selbst gering achtet, kann nicht
erwarten, von anderen geachtet zu werden.
(„Muttersprache“, Zeitschrift des Deutschen Sprachvereins.)
Vom RNutzen der Mundart. Die meisten Wörter unserer neu⸗
hochdeutschen Schriftsprache sind gemeinsames Eigentum aller
deutschen Mundarten; äber seit den Tagen Luthers hat auch eine
große Anzahl landschaftlicher Wörter Sen gefunden, die vor⸗
dem nur auf engem Gebiete galten. eeen sich die ursprüng⸗
lich niederdeutschen Wörter baggern, Bord, Ebbe, Robbe, Reebe,
Krabbe, Wrack vom Norden des Deutschen Reiches aus verbreitet
haben, sind umgekehrt die Wörter Loden, Rucksack, Senner nord⸗
wärts bis an das Meer gezogen. Den Deuischen in und um
Bozen verdankt die Schriftsprache die Sommerfrische. War vor
wenigen Jahrzehnten noch das Wort Gigerl nur in der zweit⸗
größlen deutschsprachigen Stadt Wien und in ihrer Umgebung be⸗
kannt, so finden wir heute in verschiedenen Teilen unseres Sprach⸗
gebietes sogar schon Dorfgigerl. Auch das Riederländische, eine
deutsche Mundart, die durch ihre Entwicklung zur selbständigen
Schriftsprache leider den Machtbereich der deusschen Schriftsprache
eingeengt hat, schenkte dieser die Ausdrücke Deut, flaut, Kaper,
Nasenstüber, prassen. Watte, Schellack. Man sieht es den heute
im agen deutschen Sprachgebiei geltenden Wörtern entsprechen,
geistvoll, kernhaft, staunen nicht an, daß sie früher nur auf dem
engen Gebiete des schweizerischen Deussch Geltung hatten; da—
gegen den Woͤrtern Firn, Föhn, Gletscher, Lawine, die sich auch
von der Schweiz aus über ganz Deutschland verbreilet haben
merkt man leicht „die rsech ihrer Heimat“ an. Vergleich
man diese den deutschen Mundarten entlehnten Wörter mit den
uns gaus fremden Sprachen zugeflossenen Fremdwörtern, die sich
der Eidenart unseren Sprache nicht angepaßt baben io wird man
die Bereicherung unserer Schriftsprache durch deutsche mundari⸗
iche Ausdrücke zu schätzen vg und gern hoffen, daß der ge⸗
valtige Verkehr, und der Einfluß unserer eeer dem ge⸗
neindeutschen Wortschatz gec; manchen brauchbaren mundart⸗
ichen Ausdruck einverleiben helfen. R.
Vom loderen Zeisig und anderen Bögeln. Unter den Tieren,
nit denen in der Sprache die Menschen verglichen werden, spielen
iuch die Vögel eine nicht unbedeutende Rolle, Da begegnet uns
uncchst der lockere Zeisig, auch einfach lockerer Vogel genannt, der
ils Spaßvogel sich auch wohl einer gewissen Beliebtheit erfreut;
erner der einfältige Gimpel, der sich leicht ins Netz locken läßt;
ann der Pechvogel, der gern auf den Leim geht; wie hierbei an
bogelsteller zu denken ist, so ist auch bei dem Ausdruck aäͤuf etwas
Dn eigentlich vom Vogel, der nicht loskommen kann, die
kKede. Wir sprechen ferner von einem sonderbaren Kauz, wobei wir
in die sonderbaren Gebärden dieses F seine Verbeugungen
ind dgl. denken. Eine wenig erfreuliche richeinung ist der Schmutz⸗
der Dreckfink, während die Mistfinken, d. h. Landwirte, noch
nicht unreinliche Leute zu sein brauchen. Eine Steigerung des
Dreckfinken ist der Schweinigel; mit diesem Ramen benennt die
Bissenschaft bekanntlich den gemeinen Igel, der wegen seines
mangenehmen Geruches im Rufe eines unreinlichen Tieres
teht. — Von einem, der koörperlich oder geistie übermüdet ist
»der gar nicht mehr mittun will, sagen wir, daß er — wie ein
»om Fluge ermatteter Vogel — die Flügel hängen läßt, und
venn er schließlich ganz ab ist, heißt es: er kann nicht mehr Piep
agen. Im eehe dazu nennen wir einen allzu lebhaften und
mruhigen Menschen einen Wippelsterz, niederdeutsch Wippstert
der Wippstät, d. h. Bachstelze, einen geschwätzigen aber Papagei.
Und wiederum ist einer, der viel Leid erfährt, ein Unglücksvogel,
ind einer, der gern alles schwer ansieht, und überall Unrat wit⸗
ert, ein Unglücksrabe; man denke an die Gabe der Vorherver⸗
ündigung, die gewisse Vögel im alten Volksglauben haben.
zolche Unheilverkünder sind ja sonst auch als Unken verschrien,
veil die Unke überall ihren unheilverkündenden Ruf hören läßt;
ie unken, oder unken einem etwas vor, wie man sich ausdrückt.
Linen Langbeinigen, der wie der Storch im Salat eerelet
nennen wir Storch oder Storchbein; einen, der seine Kinder wie
angeblich der Rabe seine 5 behandelt, Rabenvater; Saben
kopf ist einer, der keine, 7— im Fop hat und über alles ge⸗
dankenlos hinweggleitet; Kiebitz einer, det beim Kartenspiel den
oft unbequemen Zuschauer abgibt. J.
eeene Für den Reichtum an nutzbringenden Ge⸗
teinarten, den die Lagerstätten enthalten, kennt die Bergmanns⸗
Iee die verschiedensten Ausdrücke, die zumeist auch von den
esteinarten selbst, den sogenannten Mineralien, gebraucht wer⸗
den. Da ist ein Gang reich, edel, haltig, artig (d. h. von guter
Art), höfflich oder hoͤflich, verhofflich erweckend),
reundlich, gestaltig, fromm (älter frumb — echt, wie es sein
oll; mhö. vdrum eig. ein Hauptwort — Nutzen, Vorteil; vgl.
inser: es frommt mir, zu Nutz und Frommen), derb (S dicht, in
usammenhangender Masse vorkommend), gediegen, fündig (ogl.
rundgrube), trächtig u. a.; ein anderer Gang ist dagegen arm,
inartig, unhöfflich, wild, een bergschüssig (d. h. von taubem
inhaltigem Gestein durchschossen, durchzogen). Ein reicher Gang
ann auch verarmen, umgekehrt ein armer sich anreichern oder
eredeln, d. h. an Erzgehalt zunehmen. Ein Gang schämt bö *
r verliert an einem Puͤnkte, wo er mit einem anderen Gange
usammenstößt, an Erzgehalt. Dagegen wieder: Erze legen oder
ehen sich an — sie stellen sich nach und nach in zunehmender
Menge ein. Unangenehm ist es, wenn man ein lediges — leine
ledige Bergart, taube Mittel) findet; groß aber ist die Freude,
venn „gut Erz in Haufenbricht“. „Brechen“ hat hier eine ähn⸗
iche Bedeutung wie in den Wendungen: die Sonne bricht aus
den Wolken, die Blume bricht aus der Kuespe u. a. Der Berg⸗
nann braucht es aber ebenso auch als zielendes (transitives)
Zeitwort, so in dem alten Bergreim:
„Dieß mächtiges Gehänge führt, güldenes Metall;
Ein b.öch Quarz-Geĩprengde —55 lautern Silberfall.“
—* * AA nm X. J
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Des Haus für ijeden Beclarf
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