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Zeitschrift
des Beamtenbundes
des Saargebietes
sDer Beamtkenbund erscheint
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Nummer 10
2. Jahrgang
—
Inhalt: Kulturaufgaben der deutschen Beamtenschaft. — Das Polizeibeamtengesetz. — Die neue Reichsregierung. — Von der
Bundesleitung. — Mitteilungen der Schriftleitung. — Aus den Verbänden. — Beamtenrundschau.
RKRUVULTUVURAUFGABEN
DEPRDEUTSCHEN(NBEAMITENSCHAFT
Es mag wohl in erster Linie an der Gestaltung der Ver⸗
hältnisse durch den unglücklichen Kriegsausgang gelegen
haben, daß in der zurückliegenden Zeit Kulturfragen gar
zu sehr zurücktreten mußten hinter Wirtschaftsfragen. Wer
wollte uns ob dieser Entwicklung Vorwürfe machen? Einem
Volke, das die Kriegsjahre unter schwerster Not getragen hat,
das unter den denkbar ungünstigsten Verhältnissen gezwun—
gen wurde, einen Vertrag anzuerkennen, der unerfüllbare
Forderungen stellte; einem Volke, das man von der Weltge⸗
meinschaft ausschloß und gleichzeitig zwang, um leben zu
können, seine ganze Wirtschaft umzustellen, mögen wahrlich
Kulturfragen als etwas erscheinen, um die man sich in
günstigen Zeitläufen bekümmern kann, die aber in Not⸗
Liten zurücktreten müssen. Bis zu einem gewissen Grade
ann man diese Ansicht gelten lassen und Deutschland konnte
auch eine Reihe von Jaͤhren danach handeln, weil ihm der
Stand des deuͤtschen Geisteslebens, der Kunst und Wissen⸗
schaft, gestattete, vom vorhandenen Vorrat zu zehren. Und
doch gab es auch in der Vergangenheit schon Mahner, die in
vollem Ernste den Staat an die Pflicht, Kulturaufgaben
unter keinen Bedingungen zu vernachlässigen, erinnerten.
Der Geist baut auf, und wirtschaftlicher Aufbau ist nur zu
vollenden, wenn das deutsche Geistesleben in der Welt auch
fernerhin seine führende Stelle bewahrt.
Wer von der Richtigkeit dieser Gedanken durchdrungen
ist, wird nur mit einem inneren Bangen den Verhandlun—⸗
gen über Kulturfragen im Hauptausschuß des Preußischen
Landtages gefolgt sein. Wenn man dort offen vom Kultur⸗
abbau sprach, wenn man weiterhin zugab, daß unsere wissen⸗
schaftlichen Institute bereits mii denen anderer Länder nicht
mehr Schritt halten können, nicht etwa, weil ihnen die
Köpfe fehlen, sondern weil ihnen das Geld fehlt, dann
scheint es doch, daß wir an den Punkt, wo ein Gehenlassen
berantwortungslos wäre, angekommen sind, und wo sich das
deutsche Voltentscheiden muß, ob es auf seine geistige
Fuhrerstellung in der Welt verzichten will, oder ob es bereit
trotz aller Widerwärtigkeilen Kulturaufbau und nicht
duͤlturabbau zu betreiben. In diesem Zusammenhang sei
einmal auf die Kulturaufgaben des deutschen Beamtentums
hingewiesen.
Was verstehen wir unter Kultur? Wenn wir uns die
Frage flellen merken wir schon, daß ihre Beantwortung
richt so einfach ist. Wir reden von alten Kulturvölkern und
denken dabei an Griechen, Römer, Araber u. a. m. Wie
agen, die Römer sind ein Kulturvolk gewesen, weil wir
zeute noch staunend vor ihren gewaltigen Bauten stehen,
ind weil wir bewundern, daß ihre Bildhauer es verstanden,
eblose Steine zum Zeugen ihres Geistes auf Jahrhunderte
u machen. Wir bewundern heute noch den scharfen Geist
römischer Philosophen, und die römischen Staaisgesetze sagen
ins, daß dieses Volk sein Leben nach sittlichen, edlen Grund—
ätzen zu gestalten wußte. Und wenn wir darüber nach—
enken, daß die Araber unsere Lehrer in manchen geistigen
Ddingen waren (Zahlensystem, Ziffern, Astronomie, Arznei⸗
unst), dann wissen wir auch, warum wir sie zu den Kultur⸗
ölkern zählen. Ihren vollkommensten Ausdruck fand die
dultur wohl zu allen Zeiten in den Bauten und Kultur—⸗
tätten, die die Volker der Verehrung ihrer Gottheit weihten.
Inter Kultur verstehen wir demnach die unvergänglichen
Werte, die aus der Seelenkraft eines Volkes geschaffen wer⸗
den als Werke der Kunst, als Lebensgestaltung nach sitt⸗
ichen, edlen Formen, als geistige und wissenschaftliche Durch—
orschung und Durchdringung der Welt. und als Arbeit im
dienste der Gottheit.
Tritt hin vor die Wunderwerke deutscher Baukunst, lausche
andächtig den gewaltigen Akkorden unserer großen Ton—
meister, folge einem unserer kühnen Geisteshelden in die
Welt des Unfaßbaren, stehe ergriffen vor einem Wunder—⸗
verk moderner Technik, überall wirst du fühlen, hier spricht
»in gewaltiger Geist, dem Akkorde, Stein und Eisen nur
Ausdrucksmittel waren, der dem, was geistig in ihm lebt
innliche Form und Gestalt gab.
Dem deutschen Volke gelang es erst im ausgehenden 18.
ind im 19. Jahrhundert, eine nationale Kultur zu schaffen.
Wohl finden wir auch schon im Mittelalter deutsche Kultur⸗
zestrebungen, aber sie waren an einzelne Stände gebunden.
Das absterbende Rittertum wurde abgelöst von dem quf—⸗
trebenden Bürgertum der reichen Hansastädte und die noch
rhaltenen mittelalterlichen Städte (Nürnberg, Rotenburg)
geben Zeugnis von dem Reichtum deutscher Bürgerkultur.
der Dreißigjährige Krieg vernichtete alle Ansätze deutschen
Zulturlebens und zwei Jahrhunderte waren notwendig, bis
»as Verlorene wieder eingeholt war. Erst der geniale Geist
rriedrichs des Großen würde der Wegbereiter einer deui—