Full text : 1.1926 (0001)

liegt es fern, hier eine Propaganda zu treiben für die oben⸗
genannte Firma als solche, obschon die Beamtenschaft nicht
nur berechtigt, sondern geradezu verpflichtet ist, in der
schrecklichen Not jedes erlaubte Mittel anzuwenden, das ge
eignet erscheint, die Lage wenigstens einigermaßen zu mil⸗
dern. In der Februarausgabe der Zeitschrift „Der deutsche
Beamte“ untersucht Herr Eisenbahnobersekretär Theodor
König die Frage, ob Konsumvereine zu unterstützen seien.
Seinen Ausführungen entnehmen wir folgendes:
„Eines der wirksamsten Mittel zur Linderung der wirt⸗
schaftlichen Not ist ohne Zweifel die Beteiligung an gut⸗
geleiteten Konsumvereinen, namentlich aber guch an Be⸗
amtenkonsumvereinen. Das Recht zur wirtschaftlichen Selbst⸗
hilfe ist auch den Beamten verfassungsmäßig gewöhrleistet
Reichskanzletr Dr. Luther hat ja auch deshalb ausdrücklich
die Beamlenschaft aufgefordert, von diesem Rechte mehr als
bisher Gebrauch zu machen.
Welches sind nun die Vorteile gutgeleiteter Konsumver—
eine? Der Haupltvorteil besteht meines Erachtens darin, daß
sie auf die Preisbildung der meisten Lebens- und Genuß—
mittel günstig, preisdrückend, einwirken. Man, muß bei Be—
urteilung dieser Frage beachten, daß der Kleinhandel zur—
zeit stark übersetzt ist. Um trotz dieser Uebersetzung, die für
unser Wirtschaftsleben sich natürlich äußerft schädlich aus
wirkt, noch bestehen zu können, haben alle Kleinhändler das
Bestreben, die Preise möglichst in die Höhe zu treiben. In—
teressant ist es, dabei zu beobachten, mit welchen Mitteln
dem Käufer gegenüber dieser Ueberpreis oft verdeckt wird
Nur ein Beispiel von vielen: Man verkauft da in einem
Geschäft 6 Sorten Eier. Zwei Hauptsorten: frische und
ältere. Diese, nach der Größe getrennt: kleine, mittlere und
große Eier. Hierbei kann man oft die Erfahrung machen,
daß die sogenannten großen Eier noch nicht mal groß sind
Hierdurch können Preisabstufungen erzielt werden, die zu
den ursprünglichen Einkaufspreisen für die betreffende
Ware in gar keinem Verhältnis mehr stehen. Hierbei wird
natürlich richtig darauf spekuliert, daß die meisten Haus
frauen für dicke und recht frische Eier (sog. Landeier) recht
gerne ein paar Pfennige mehr anlegen. Solche und ähn—
liche Auswüchse im Kleinhandel wird der gutgeleitete Kon—
sumverein mit Erfolg bekämpfen können. Er wird darüber
hinaus bei den Artikeln, an denen erfahrungsgemäß höhere
Prozentsätze verdient werden (es sind dies meistens die
feineren bzw. teueren Artikel), auch im Preise wesentlich
billiger sein können. Um die Preisbildung genauer beur—
teilen zu können, ist es natürlich notwendig, daß sich die
Hausfrauen mit der Zeit Warenkenntnisse aneignen, wobei
ihnen in vielen Fällen auch die Männer behilflich sein kön—
nen. Die beste Ware ist bekanntlich auch meistens die bil⸗
ligste. Es ist daher streng darauf zu halten, daß Beamten⸗
konsumpvereine nur gute Waren führen, denn für Schundware
 ist selbst der niedrigste Preis noch zu hoch. Gerade
die Beamtenkonsumvereine sind aber in der Lage, bei Aus—
wahl ihrer Artikel weitestgehend auf den Geschmack und die
Bedürfnisse der Beamtenschichten Rücksicht zu nehmen. Zu
erwähnen wäre noch, daß viele Beamtenkonsumvereine an
leistungsfähige Firmen am Platze getreten sind, um von
diesen die Vergünstigung eines Rabatts zu erwirken. Auch
diese Vergünstigung wird sich im Laufe der Zeit, hauptsäch
Aus den Verbänden
*
Fünfte post⸗ und telegraphenwissenschaftliche
Woche
Die Verwaltungs-Akademie in Berlin wird in Verbin—
dung, mit dem RPM. in der Zeit vom 198. bis 24. April 1926
die fünfte post- und telegraphenwissenschaftliche Woche ver⸗
anstalten, und zwar ist dafür unter dem Vorbehalt vor
Aenderungen folgender Vortragsplan in Aussicht genommen
1. Küsgen, Ministerialdirektor: Verkehrspolitik und Post
betriebsfragen.
2 Andersch, Dr. Ministerialrat: Deutsche Reichsvost und
allgemeine Wirtschaft.

lich bei starken Familien, finanziell ziemlich auswirken
Der Rabatt wird gegen Vorzeigen der Mitgliedskarte ersl
an der Kasse durch Abzug vergütet. Das Geschäft ist also
nicht in der Lage, den Rabatt auf den Warenpreis zu
chlagen.
Nun wird mancher Kollege vielleicht sagen, daß er schon
chlechte Erfahrungen mit irgendeinem Konsumverein ge—
macht habe und wird allerlei Beschwerden aus seiner Praxis
vorbringen. Diesen Kollegen ist zu entgegen, daß es selbst
berständlich auch vorkommen konnte, daß einmal ein Beam.
tenkonsumverein schlecht geleitet worden ist. In solchen Fäl⸗
len sind aber die Genossenschaftsmitglieder immer selbst die
Schuldigen, denn entweder haben sie nicht den geeigneten
deiter an die Spitze gestellt oder den ungeeigneten Leiter
nicht rechtzeitig entfernt, oder sie haben aus Bequemlichkeit
und Voreingenemmenheit ihren Konsumverein durch
Wareneinkauf nicht hinreichend unterstützt, so daß dieser
mangels genügendem Umsatz eine Zeitlang nicht leben und
nicht sterben konnte und dann schließlich ganz eingehen
nußte. Dringend zu wünschen ist natürlich auch, daß sick
der einzelne Beamtenkollege mehr als bisher durch eigne
Tätigkeit und rege Mitarbeit als Vertrauensmann, Vor—
tandsmitglied usw. betätigt, natürlich im Rahmen seiner
Fähigkeiten und seiner persönlichen Verhältnisse. Gerade in
der jetzigen Zeit der Vorherrschaft übermächtiger Kartelle
und Syndikate, die sich anmaßen, zum Teil schon die Klein
herkaufspreise festzusetzen (siche Markenartikel) und so auch
nitverschulden, daß Groß- und Kleinhandel stark übersetzi
ind, muß der Gründung und Aufrechterhaltung gutgeleite⸗
er Konsumvereine eine erhöhte Bedeutung beigemessen
werden. Die stärkere Beachtung der Konsumvereinsbewe—
gung, liegt daher nicht nur im persönlichen Interesse jedes
einzelnen Beamtenkollegen, der gut und vorteilhaft ein⸗
kaufen will, sondern auch im wohlverstandenen Interesse
des Volksganzen, das gegen überkapitalistische Auswüchse
und unproduktiven und uͤberflüssigen Zwischenhandel ge
schützt werden muß.“
Wir geben diese Ausführungen hier besonders deshallb
gerne wieder, weil einerseits die Regierungskommission in
der Vergangenheit selbst schon einmal den Gedanken einer
Einkaufsgenossenschaft in die Beamtenschaft geworfen hat
um wenigstens vorübergehend an einer Erhöhung der
aufenden Bezüge vorbeizukommen, und anderseits die wirt
chaftliche Selbsthilfe der Beamtenschaft im Saargebiet noch
durchaus in den Kinderschuhen steckt. Auch auf diesem Ge—
hiet ist eine Rückständigkeit gegenüber der deutschen Be
amtenschaft erkennbar, die nicht allein auf die verwaltungs
währungs⸗ und zolltechnische Abtrennung zurückzuführer
ist, sondern auch in der größeren Not begründet sein mag
Jedenfalls bedarf der Gedanke der Zusammenfassung auch
der wenigen, vorhandenen wirtschaftlichen Kräfte noch ein
zehender Erörterung, wobei wir uns nicht verhehlen wol—
en, daß vor, ungenügend fundierten oder übereilten Grün
dungen nicht eindringlich genug gewarnt werden kann
Aber diejenigen von uns, die bereits Mitglieder des „Asko“
ind, haben bei der, morgigen Generalversammlung nicht
uur die Gelegenheit, sondern auch die Pflicht, der gesamten
Beamtenschaft den Dienst zu erweisen, daß dieses Konsum.
nstitut das wird, was es früher war und künfliqg sein
nnn

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