Full text : 1.1926 (0001)

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Der Beamtenbund erscheint wöchent⸗
lich einmal, und zwar Samstags.
Redaktionsschluß, auch für Anzeigen,
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Zeitschrift
sSes Beamtenbundes
des Saargebietes

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l. Jahrgang Saarbrüeren, den 6. März 1926 Nummer 10
A — —— — — —

PRrokodilstränen der Negierungskommission

Unternm 1. März hat die Regierungskommifsion auf die in
summer 7, Seite 56, unserer Zeitschrist veröffentlichte Eingabe
seanitworlet. Dort hatte die Arbeitsgemeinschaft der Beamtenerbände
 alle bei der leßyken Reuregelung der Bezüge unerfüllken
Forderungen erneut erhoben. Sie bezogen sich auf:
. die Besoldungshöhe im allgemeinen und die Erhöhung
derGrundzahlenfürdie unterenBesoldungs—
gruppenimbesonderen,
. die Kinderzulagen,
3. den örtlichen Sonderzuschlag,
3. die Eingruppierung und Gruppenbenennungen,
53. die Verlustersetzung.
Ddie Antwori ist an anderer Stelle dieser Nummer abgedruckt.
In der Cinleitung wird schon hervorgehoben, daß eine der
Forderungen berechniigt ist, namlich diejenige hinsichtuch der Altersztenze
 fur die besondere Oewährung der Kinderzulage. Wir
uchen gerne diesen Fortschritt, insbesondere auch deshalb, weil
ger Vorteil hieraus in erster Linie denjenigen Familienvatern zuzute
 kommt, deren Kinder vom vierzehnten dis sechzehnten Lebens—
ahr keine ausgesprochene Berufsausbildung genießen oder in ihrer
rehrstelle nur ein ganz winziges Taschengeld erhalten. Diese
Familienväter gehören haupisachlich den unteren Besoldungszruppen
 an. Wenn in einer stärkeren Familie eine schulentlassene
Tochter während der genannten Jahre bisher ihrer WMutter im
haushalt helfen mußte, dann wurde die Zahlung des Kindergeldes
ür diese Tochter eingestellt. Künftig wird dann das Kindergeld
veltergewährt. Ein zwar kleiner Erfolg, aber umso beachtlicher, als
tfich nur aus der Berufung auf die eipadeslte ergab,
vährend früher die Regierungskommission derartigen Wünschen
zein Gehör schenkte.
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Kegierungskommission in eine Prüfung eingetreten. Hoffentlich
ommt diese Prüfung noch in diesem Jahre zum Abschluß; denn
einer Zeit lagen mehr als zwei Jahre zwischen der Nichtüberiahme
 deutscher Verbesserungsmaßnahmen und der Ver—
abschiedung der endgültigen saarländischen Besoldungsordnung, die
nch selbst dann noch nicht einmal die längst vorher im Reich ge—
roffenen Verbesserungen brachte. Ebenfalls liegt es bereits zwei
jahre zurück, daß die Regierungskommission ein bestimmtes Ver—
prechen zur Frage der idbaseneintennn gegeben hat und die
Beamtenschaff waärtet immer noch auf dessen Einlösung.
Was aber nachher in der Antwork von der Regierungsvommission
 gesagt wird, könnte man fast glauben, wenn einen nur
der klare Blick und das Erinnerungsvermögen verließen. In den
jahren 1921 bis 1925 will die Regierungskommission
1. den Beamten der unteren Besoldungsgruppen besondere Vor—
teile gewährt haben;
2. besonders verdiente Beamte bevorzugt haben;
z. in den Gruppenl bis VI günstigere Beförderungsmöglichkeiten
geschaffen haben als im Reich;
Diätare zu Beamten gemachkt haben;
in der am 1. April 1925 in Kraft getretenen Besoldungsreform
einen für die unteren Gruppen besonders günstigen Um—
rechnungsfaktor beibehalten haben.
Wie krampfartig nur die Bemühungen . den unteren Be—
Adungsgruppen volle (7) Fleischlöpfe eines Volkerbundsparadieses

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»orzugaukeln! Günstigere Spannung, günstigere Beförderung und
zünstigeren Umrechnungsfaklor! Was ist da Wahres daran?
Zu 1. Taisache ist, daß die Regierungskommission forktgeseht
zie Spannung erweitert hat, ohne den sozialen Momenten Rech—
iung zu kragen. Das, was sie heute als eigenes Verdienst für die
ückliegenden Jahre preist, ist nur dem Widerstand der Beamten-»erbände
 zu verdanken. Bei der Einführung der
fFrankenbesoldung wollte doch die Regierungs—
fommission dem kleinen Beamten fürs Mark,
em mittleren für 2,660 und dem höheren für 2.20
ind schießlhich noch wenigereinenFrtankengeben.
zaben nicht damäls selbst die höheren Beamten dagegen aus Ebrsefühl
 Protest eingelegt? Spiegelberg, ich kenne dich! Die
degierungskommissionwarsdie allzeit Lüsterne
rach Erwelterung der Spannung! Damals hatte sie
och in der deutschen Besoldung keinen Vorwand dafür. Und
rotzdem wollte sie es.
Was war der Zweck der 19 Gruppen? Die
5pannung zuerwéeitern! Auch damals ohne ein deutsches
Vorbild.
War denn taksächlich die Spannung im Saargebiet günstiger als
m Reich? An anderer Stelle haben wir uns mit diesem Problem
ereits eingehend auseinandergesetzt. Vor dem 1. Januar 1025 berug
 die Spannung zwischen den Bezügen eines Beamten der
Hrüuppe III und denjenigen eines Ministerialrats
im Reich im Saargebiet
eim kinderlos verheiraleten Beamten 4.9 4.8
„Beamten mit 1 Kind 44 4.5
„Beamten mit 2 Kindern 4.0 4.3
Für die Mehrzahl der Beamten ist die Reichsspannung also
zünstiger gewesen.
Behkanntlich ist die Reichsspannung erst im Junti 1824 verschärft
vorden. Bis dahin betrug sie nach obigem Beispiel
ein Jahr spaͤter
im Reich im Saargebiel
»eim kinderlos verheiraketen Beamten 3.76 4.81
„Beamten mit 2 Kindern 3.17 4.27
oͤleraus läßt sich der Schluß ziehen, daß die Regierungskommission
iuch vor Baden-Baden stets bestrebt war, die Spannung zu er—
oeitern und ganz besonders die sozialen Zulagen vernachlässigt hat.
Ueberdies weiß die Beamtenschaft längst, daß
le nicht von einerSpannungsdifferenz, sondern
rur von Gehaltlebenkann. diese theoretischen Mätzchen
erfangen längst nicht mehr. Wenn auch nur ein wenig soziales
Verständnis der Regierungskommission innegewohnt hätte, dann
zälte sie mit Wonne und des Dankes der Vegnt meht gewiß
venigstens den einen Wunsch, der durch alle Eingaben des
Beamtenbundes hindurch geht, erfüllen und für die unteren
erpe enhen höhere Grundzahlen festsetzen sollen. Mit den
mzureichenden Zuwendungen an die unteren Gruppen ist eine
er weseuit asen Forderungen des Beamtenbundes unerfüllt ge—
»lieben die Reglerungskommissionwarses, die die
Forderung des Beamtenbundes bisher ab—
selehnt hat. Es ist eine Verdrehung der Tatsachen, wenn
eute die Regierungskommission Krokodilstrünen vergießt und dem
zeamktenverbänden die Schuld in die Schuhe zu schieben vorsucht
            
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