Full text : 1.1926 (0001)

Kraußneck bei der polttischen Aussprache im Bayerischen
Landtage.
Der Bayerische Finanzminister hat in derselben Rede
nach einer Schilderung der Reichssinanzen die Frage ge—
stellt, ob heute nicht ein Sperrgesetz gegen das Reich not—
wendig sei. Die Beamtenschaft betrachtet solche Bemerkun—
gen mit dem größten Mißtrauen. Sollte in diesem Wunsch
des Pudels Kern zu sjuchen sein? Wenn wir an die Hand—
jabung des berüchtigten Sperrgesetzes denken, scheint ein
Zurüchsehnen der Minister nach diesem Zustand wohl im
Bereich der Möglichkeit zu liegen. Ein bequemeres Miittel
für die Ablehnung berechtigrer Beamtenwünsche hat es
kaum jemals gegeben. Die organisterte Beamtenschaft
wird sich mit aller Entschiedenheit gegen eine Neuauflage
bieser überwundenen Verhältnisse wehren. Ein Sperrgefetz
wird gar zu leicht zum Deckmantel für die eigene Ge—
innung und Verantwortung der leitenden Staatsmänner.
Ueberhaupt scheint die Einstellung der Länderregierun—
zen, die einer laufenden Aufbesserung der Veamtenbezüge
Schwierigkeiten bereiten, von einer grundsätzlich falschen
Beurteilung des Besoldungsproblems auszugehen. Die
erste Frage darf niemals lauten: welche Mittel stehen für
eine Erhöhung der Beamtenbezüge zur Verfügung? Denn
Mittel für eine Verbesserung der Gehälter sind im ganzen
deutschen Staate niemals vorhanden gewesen. Diese Weis⸗
jeit ist durch eine jahrhundertlange Tradition beinahe ge—
heiligt. Jeder führende Staatsmann sollte vielmehr zu—
nächst die Frage stellen: Ist eine weitere Verlängerung des
deutlich wahrnehmbaren Beamtenelendes im Interesse des
Staates zu verantworten? Wir sind der sesten Ueber—
—5— wenn durch solche Ueberlegung die ausreichende
esoldung der Beamten als Staatsnotwendigkeit erkannt
wird, dann werden die Länderregierungen mit Unter—
stützung ihrer Parlamente auch gangbare Wege zur Er—
—V der notwendigen Mittel finden. Denn wo erm
Wille ist, ist auch ein Weg. V.
Aus dem deutschen Beamtenhund“

*
Beamte und Wirtschaft
Tel. Insp. Kmappe schreibt im Deutschen Beamtenbund:
Es ist eine allen Beamten wohlbekannte Tatsache, daß mit
dem Gedeihen und Blühen des allgemeinen Wirtschaftsle—
hens das Wohl und Wehe des Staates eng verbunden ist. Der
Beamte weiß sehr wohl, daß von den jeweiligen wirtschaft⸗
lichen Verhältnissen, in denen der Staat sich befindet, auch
seine wirtschaftliche und soziale Stellung bedingt und ab—
hängig ist. Bei diesem engen Verbundensein von Staat
und Beamten einerseits und der Abhängigkeit der Lagé, des
Staates von der Wirtschaft, ist es deshälb nicht nur eine
yon selbst gegebene Notwendigkeit für den Beamten, mit Auf—
merksamkeit die Bewegungen des Wirtschaftslebens zu ver—
folgen, sondern auch seinerseits Mittel und Wege zu suchen,
die zu einer Gesunduna des Wirtschaftslebens führen
fönnen.
Es hat nicht an Stimmen gefehlt, die in letzter Zeit eine
Ankurbelung des darniederliegenden Wirtschafislebens pro—
phezeit haben. Eine Reihe von Erscheinungen der letzten
Zeit, ein wenn auch noch verhältnismäßig geringer Rückgang
—

ziine gewisse Gesundung des Wirtschaftsorganismus als be—
echtigt erscheinen. Leider muß man feststellen, daß es bis⸗
ser über den Anlauf nicht hinausgegangen und die Wirt—
chaftslage im ganzen gesehen noch herzlich schlecht ist. Da—
über kann auch die augenblickliche Belebung der Wirtschaft
n ihrem Kerngebiet, dem Ruhrbezirt, nicht hinwegtäu—
chen. Es ist ja allzu bekannt, daß diese vorübergehende
zelebung auf den Streik der englischen Kohlenbergärbeiter
urückzuführen ist und mit dem Aufhören des Streits erheb—
ich nachlassen wird. Die Regierung hat in Erkenntnis
ieses Umstandes auch eine große Atlion zur Belebung der
virtschaft und damit auch zugleich zur Behebung der Arbeits—
ofigkeit in die Wege geleilet. Wenn auch diese Aktion freu—
»ig zu begrüßen ist, so wird sie zunächst nur ein Notbehelf
ein tönnen, weil eben neben der Arbeitslosigkeit noch zwei
indere Faktoren das Wirtschaftsleben belasten, mit der Ar—
eitslosigteit in engem Zusammenhang stehen und daher
iner naheren Betrachtung unterzogen werden müssen, nam—
ich die ungenügende Ausfuhr und die vom Jahre 1927 ab
ällige erhohre Reparationsleistung.
Der Ruckgang unserer Ausfuhr in dem großen Ausmaße
jegenüder der Vorkriegszeit mußte sich natürlich bei einem
lusfuhrlande, wie wir es waren und sein müssen, geradezu
atastrophal auswirten. Eine Steigerung unserer vollig un—
ureichenden Ausfuhr ist bei der noch immer vorhandenen
rtonturtenz der niedervalutarischen Länder auf dem Welt—
narkt zur Zeit ein Ding der Unmöglichkeit. Im engsten
zusammenhang hiermit steht naturgemaß die Arbeitslosigeit,
 die zu einer Tauererscheinung zu werden droht. Wenn
ie Zahl der Arbeitslosen sich auch im Sommer infolge ver—
nehrter Beschaftigungsmöglichteit in der Landwirtschaft ver⸗
nindert hat, so ist wiederum mit dem Eintritt des Winters
eine ganz erhebliche Steigerung der Arbeitslosenzahl zu
ꝛrwarten. Die nahezu 2 Millionen Arbeitslosen erfordern
inen unproduttiven Aufwand von etwa 192 bis 2 Weilliar⸗
)»en Reichsmark im Jahr. Hierzuu treten die von 1227 ab fälli—
jen Reparationslasten mit 262 Milliarden, so daß also eine
»auernde Belastung von 4 bis 4562 Milliarden für das Jahr
intritt, was etwa 10 Prozent des gesamten deutschen Volks—
inkommens entsipricht. Taß hiermit aber eine erhebliche
zemmung der angestrebten Gesundung der Wirtschaft ver—
unden ist, ist erkärlich. Hierzu kommt, daß der Ausfall
es Konsums der nahezu 2 Millionen Arbeitslosen und Kurzrbeiter
 naturgemaß auf die Produktion drückt. Die Regie—
ung hat sich darum wohl oder übel gezwungen gesehen,
urch Bereitstellung großer Kredite die Arbeitslosigkeit ein—
udämmen. Wahrscheinlich ist zu dieser Maßnahe die Ueber⸗
eugung mitbestimmend gewesen, daß eine weitere Ein—
hrumpfung der Wirtschaft und damit eine Vermehrung der
hon ungeheuren Fürsorgelasten für die Arbeitslosen zum
zusammenbruch des Staaushaushalis führen muß.
Wenn auch die von der Regierung unternommenen
Schritte zur Bekämpfung der Arbeitsnot voll anerkannt wer⸗
hen sollen, es muß doch bezweifelt werden, ob sie ihren Zweck
rreichen werden. Das wirklich zur Gesundung führende
heilmittel bleibt einzig und allein: Schaffung don Absatz⸗
närkten für die deutsche Produktion. Bisher wurde allge—
nein die Meinung vertreten, daß nur eine Stärkung des
Ausfuhrgeschäfts hier helfen könnte. Diese Stärkung und
)amit verbundene Eroberung des Weltmarktes ist aber so—
ange nicht möalich, solange uf dem Moltmarft die niedet

bei Rheumatismus, Hexen chuß
Gliederschmerzen, Isschias Neuralgien
Fo'geerscheinungen von Gicht u. Influenza.
Salit dringt durch die Haut in den Körper belastet also im Gegensatz zu Medika⸗
menten, die man einnimmt. weder Magen noch Darm. Man frage seinen Arzt
Salii·Ol enthãtt als wirksamen Restandteil kEOos, Salit. pur., Salit⸗Creme 2500. Salit. pur.⸗ 700.
Selicy süurebornvlester. In allen Apothetden zu haher,
            
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