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Es sind nun genau anderthalb Jahre her, daß sich die
Beamtenschaft des Saargebtetes an die Reichsregierung um
Hilfe wandte. Wir hatten in der Zwischenzeit Gelegenheit,
diesen Schritt ganz verschleden beurteilt zu finden. Neben
der Beamtenschaft beschäftigten sich mit ihm auch die Tages—
presse, die Parteien, weite Teile der Bevölkerung. Was
die einen für berechtigt hielsen, nannten andere unklug,
rücksichtslos, unberechtigt. Wir sind in diesem Gewirr der
Meinuͤngen und Urteile unseren Weg unbeirrt weiter ge—
gangen. Voreiner Woche hat die Betreuungs—
akfion ihren Abschlußgefunden.
Ein hartes Stück Arbeit war's; und der Weg von Baden—
Baden bis Trier war lang und weit. Wir wissen, daß es
der Reichsregierung nicht leicht geworden ist, sich zu die er
Lösung zu verstehen. Hundert Schwierigkeiten standen ihr
im Weg und mußten uͤberwunden werden. Ich stelle auch
hier noch einmal ausdrücklich fest, daß wir uns erst
dannandie Reichsregierung wandten, als
wiraufloyalem Wegemitder Regierungs—
kommission nicht mehr weiter kamen, und
als auch der letzte Schritt an den Völker—
bund getan war. Daß wir überhaupt das Reich
beansprüchten, dazu gaben uns die Kabinettsbe—
schlüsse des Jahres 1920 ein nicht wegzuleuancendes
Recht; es kann von niemand bestritten werden. Einen
Prozeß gegen die Heimatregierungen hat
der Beamtenbund des Saargebietes nicht
angestrengt; auch das sei ausdrücklich hier
erneuterklärt.
Vor genau Jahresfrist saßen wir am Verhandlungstisch
im weihnachtlich geschmüten Kursaal zu Baden-—
Baden—. Die vereinbarte Abrede wurde uns bekanntge⸗
geben; fie war für uns — trotz mancher Vorteile — eine
große Enttäuschung. Die Verhandlungen mit Berlin
gingen weiter und führten über eine Audienz beim Reichs—
kanzler Dr. Marx schließlich zu den Kabinettsbe—
schlüssen des verflossenen Sommers. Sie brachten uns
den ersten greifbaren Erfolg durch die Gleichstellung
der Reupensionäre mit den Altruhestands—
beamten und durch diegeplante Betreuung
der beurlaubten Beamten.
Damals ging ein erstes Aufatmen durch weite Kreise der
saarländischen Beamtenschaft. Beim Kurs von 10 durfte
der untere Beamte mit etwa einem doppelten, der mittlere
mit einem anderhalbfachen, der obere mit einem ganzen
Monatsgehalt einmaliger Unterstützung für das Jahr 1926
rechnen. Der alte VBeamte aber konnte sich sorglos zur Ruhe
setzen, die Reichsbezüge verbürgten ihm und seinen Ange—
hörigen einen ruhigen Lebensabend.
Es ist leider anders gekommen. Die Reichsregierung
hielt es für ihre Pflicht, der Regierungskomm'ssion von
der geplanten Betreuungsmaßnahme Mitteilung zu
machen. Sie tat es im güten Glauben, daß Einwendungen
wicht erhoben würden. Vielleicht wäre es auch so ge—
kommen, wenn nicht westlicher Wind in die guten Äbsichten
hineingeweht hätte. Da kam es zu den vielen Sitzungen
der Regierungskommission mit den immer wiederkehrenden
Vertagungen. Die Erregung der Beamtenschaft wuchs
zusehends: sie war vperständlich“ Für die Bundesleitung
tamen schwere Tage. Sie wußte wohl, daß ihr taktisches
Vorgehen bei der Masse keinen Beisall fand. Unkrirrt
durch rechts und links hatte sie nur das Ziel und, den
Erfolg' im Auge. Es dars festgestellt werden, doeß in
all den äĩritischen Tagen die Arbeitsgemeinschaft
der Beamtenverbändeingeschsossener Sin—
mütigkeit zusammenstand. Der Ersolg hat uns recht
gegeben. In Trier ist eine neue Abrede zwischen den
Vertretern der Reichs- und der Sgaarregierung zustande
zekommen. Da war der große Schlußpunkt gesetzt. Gerade
kecht zu Weihnachten hat die Beamtenschaft ihr Be—
treuungsgeld erhalten.
Die Trierer Verhandlungen waren für uns in ihrem
Ergebnis ein weiterer Erfolg und eine neue Enttäuschung.
Als einen sehr beachtlichen Erfolg buchen wir die Einbe—
zehung der nichtbeurlaubten Beamten in den Kreis der
Betreuten. An uns hat's nicht gelegen, daß nicht von vorn—
zerein schon alle erfaßt waren. Um so größer ist nun unsere
Befriedigung gerade über dieses Ergebnis. Neben organi—
atorischen Schwierigkeiten wurde uns dadurch eine müh—
ame und ungewisse zweite Aktion erspart. Eine
Enttäuschung war für uns die Benachteiligung der
n den Endstufen der Gruppen IV und VIII besindlichen
Beomten. Ihnen waren nach dem ursprünglichen Plan der
Reichsregierung fünfzig Mark mehr zugesichert worden, als
sie nun tatsächlich erhalten haben. Es soll hier nicht weiter
untersucht werden, warum die deutsche Delegation diesem
Plan ihre Zustimmung gab. Daß sie auf unsere Vorstellun—
gen hin den gemachten Fehler nachträglich sofort wieder
gutzumachen verluchte, ist uns Beweis genug für ihren
zuten und ehrlichen Willen auch in dieser Frage. Ent⸗
däuschung war für uns auch die Nichteinbez'ehung der
Kommunalbeamten, der Lohnangestellten und der Unver—
zeirateten unter 25 Jahren in die Gesamtaktion. Nachdem
der Kreis der Betreuten erweitert war, hätte man erwar⸗
en dürfen, daß auch dieser Teil der Beamten und die An—
gestellten ebensalls ihre Weihnachtsunterstützung —
zumal auch die Arbeiter in einem gewissen Umfang bedacht
wurden. Daß auch noch sonstige Härten in Erscheinung
traten, sei der Vollständigkeit halber hier nut angedeutet;
ie beziehen sich auf die Stichtage und ihre Auswirkungen
n einzelnen Fällen bezüglich Pensionierungen, Beförde⸗
tungen und des Lebensalters.
Die Arbeitsgemeinschaft hat sofort Schritte unternom⸗
nen, um auch hier zu helfen, soweit dies möglich war. Er—⸗
ireulicherweise hat die Regierungskommission hierzu
weitere befriedigende Beschlüsse gefaßt, ohne uns freilich
ganz ans Ziel unserer Wünsche zu bhringen. Die LohnaAngestellten
haben, verteilt auf die einzelnen Tarif—
klassen, Zuwendungen erholten im Petrage von 140 bis
500 Franken, zuzüglich 40 Franken für jedes unterhalts⸗
hberechtigte Kind. Eine Altersgrenze ist hier nicht ange—
wandt worden. So sehr wir es begrüßen, daß man auch
die Angestellten in den Betreuungskreis mit einbezogen
hat. so müssen wir andererseits bedauern, daß ihre Bei—
jilfe so gering bemessen wurde im Vergleich mit den Be—
amtenbezügen. Auch für die Kommunalbeamten
ist eine Entscheidung gefallen in Form einer Empfehlung
an die Gemeinden, ihre Beamten genau so zu bedenken
wie die Staatsbeamten. Unter Beachtung des Zusatzes
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