Full text : 1.1926 (0001)

stiegen ist, jo bedeutet dies, daß die Kosten der Lebenshal—
tung auf das 4.775fache, daß aber der Franten auf das
5.14fache in der Entwertung gelangt ist. Oder: die Kosten
der Lebenshaltung sind weniger hoch. Das genaue Verhält—
nis ergibt sich aus der Gleichung: 477.5: 514.0 — r: 100;
das Ergebnis (92.5) hieraus stellt den Goldindex für die
Kosten der Lebenshaltung in Saarbrücken dar. Bildlich
ausgedrückt besagt die Rechnung: Ein Dollarmann braucht
hier heute nur 92.5 Dollar für die gleiche Warenmenge, dio
er 1914 mit 100 Dollar bezahlen mußte.
Wenn im Reich statt 100 jetzt 141.2, im Soargebiet da—
gogen statt 100 jetzt nur 92.5 Goldeinheiten aufzuwenden
sind, dann ist es hier um (141.2 — 92.55 -5) 48.7 Goldein—
heiten billiger; im Verhältnis zu 141.2 sind dies 34.4 Proz
Der Börsenkurs der Mark von 6.35 um 34.4 Proz. gekürzt
ergibt (6.85 — 2.15 —) 4.2. Mit dieser Zahl ist noch das
Vorkriegsverhältnis in Einklang zu bringen:
4.,2: - 102: 114; x — 469.
Demnach käme aus den amtlichen Dezemberzahlen ein Um
rechnungskurs von 4.69 in Betracht.
Methode B. Die Grundzahl der Vorkriegsteuerung
ist für das Saargebiet nachträglich mit 170.6 Franken er—
mittelt; an Hand des bereits erörterten Verhältnisses zwi—
schen Saargebiet und Reich (114: 102) entsprechen dem im
Reich 15264 Franken als Teuerungsgrundzahl oder mit 0.8
multipliziert 122.11 Rm. Wenn die Inderziffer 100 aui
122. 11 Rm. beruht, dann entspricht einer Inderziffer von
123.11 41.20
141.2 eine Reichsteuerunaszahl von 122 11 4— — —
100
122.11 4 50.3 — 172.41 Franken. In der Teuerungs—
zahl der Stadt Saarbrücken von 807.75 Franken ist 172414
aber 4.68 mal enthalten. Dies wäre nach der aweiten
Methode der Umrechnungsfaktor.
V. Welche Mängel haften derartigen Berechnungen an?
Zunächst der größte; alles ist graue Theorie. Im Reich ist
die Grundlage selbst von Handel und Verbraucherschaft um—
stritten; sie ist außerdem umgestellt worden durch nachträg—
liche Einbeziehung weiterer Ausgaben. Im Sgargebiet ist
die Grundlage und die Währung nachträglich geändert
worden. Und da soll das ganze gekünstelte Zahlenspiel noch
stimmen? Es sind keine Originalzahlen!
Wir stellen ferner die Frage, ob der Apparat des SZaar—
gebietes exakt genug arbejtet und auch dauernd gearbeitet

hat? Der frühere Tirekter der Abteilung für Wirtscheift
liche Angelegenheiten hat selbst Beamtenbertretern gegen
iiber erklärt, daß er in den Erhebungsmechanismus lin—
gegriffen habe, um die Zählen niedrig zu halten. Ist die
Begimtenschaft auf dieser Basis nicht der Regierungskom—
mission auf Gedeih und Verderb ausgeliefert? Besteht nicht
der weitere Mangel, daß die Beamtenschaft — den guten
Willen der Regierungskommission zur laufenden Anpafsung
vporausgesetzt — immer erst nach zwei bis drei Monaten die
Bezüge erhielte, die ihr soviel früher zugestanden hätten?
Ein fortgesetztes Einbüßen würde der Beamtenschaft zu—
Jgemutet, ein ständiges Nachhinken und am Ende eines
Jahres würde der von Monat zu Monat aufgelaufene Ver—
lust auch bei dem geringst besoldeten Beamten selbst nach
den heutigen Sätzen mehr ausmackhen als die Bezüge vor
zwei Monaten.

Das eine steht fest, die rechnerischen Grundlagen steller
höchstens ein alleräußerstes Minimum dar. Und die Re—
gierungskommission scheut sich nicht, noch darunter zu
bleiben. Nicht allein der Volkswirtschaftler hat hier das
Wort, sondern auch der Jurist. Bestehen im Saargebiet die
Paragraphen von Treu und Glauben nicht mehr? Wird
nicht gegen sie durch die restlose Erfassung der angeblicher
Teuerungsspanne und durch ihren vollen Abzug verstoßen
wenn z. B. auch im Reich zwischen Orten mit völlig gleichen
Bezahlung Schwankungen von 25 Prozent bestehen? Wir
nennen hier zum Beweis die beiden Städte Solingen und
Hannover

Wir stellen ferner die Frage: Wie ist der Umrechnungs
faktor von 4.4 errechnet? Selbst für den Monat November
gehen unsere Berechnungen darüber hinaus. Wenn Bro!
und Gesundheit davon abhängen müssen, dann darf man
doch woehl eine Aufklärung darüber erwarten. Zumal ja der
Herr Generalsekretär Morice in den Verhandlungen die
Tatsache einer genauen Umrechnung für 4.33 betont hat
Wenn er auch dort auf das „Wie?“ die Antwort schuldig
blieb, die Beamtenschaft wird nicht darauf verzichten. Mit
dem auf 44 „verbesserten“ Umrechnungsfaktor läßt
sie sich keinen Sand in die Augen streuen. Mit welchem
Recht wird dieser viel zu niedrige Umrechnungsfaktor sogar
für Monat Februar angewandt, wo bereits im November
und Dezember sich höhere Zahlen ergaben? Ist es wirklih
der Wille auch des Völkerbundes, daß hier durch Gewal!
und Diftat Recht und Vernunft getreten werden?

Statt Regulierung — Neduzierundg

Nach langen, schwierigen und zähen Verhandlungen
zwischen der notleidenden Beamtenschaft einerseits und der
Regierungskommission und der deutschen Reichsregierung
andererseits ist die unter vielem Pomp versprochene Ge—
haltsregulierung in eine Gehaltsreduzie—
rung für die saarländische Beamtenschaft ausgelaufen.
Der einzige Fortschritt liegt in der Erzielung eines festen
Gruppenvergleichs mit dem deutschen Reich und einer
besseren Regelung der sozialen Zulagen. Gerade dieser letzte
Umstand wäaͤrd besonders von kinderreichen Beamtenfamilien
— gleichgültig welchen Gruppen sie angehören — dankbar
begrüßt werden. Ein Teil der in der Rummer 2 unsere
Zeitschrift notgedrungen gegeikelten Härten und Besals—

dungsanomalien ist dadurch erheblich gemildert. Den in
der deutschen Besoldungspolitik der Nachkriegszeit ver—
ankerten Grundsatz „Der Spannung die sozialen
Zulagen anzüpassen“, hat die Regierungskommis
fson nun endlich übernommen. Damit sei weder die Span—
nung noch der Grundsat an sich etwa gebilligt oder gar al—
ideal bezeichnet; die stärkere Berücksichtigung der kinder—
reichen Beamtenfamilien ist im Gegensatz zu den mehrfachen
bisherigen Regelungen ein Fortschritt wenigstens in der
Nichtung unserer gemeinsamen Wünsche.
Der Neuregelung haftet als Urübel ein viel zu niedrigen
Amrechnungsfaktor an. In vorstehender Abhandlung is
dazu eingehend Stellung genammen warden. Im folgenden

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