großer Mehrheit wird das Einigungswerk gutgeheißen
Nun werden in raschem Fluge die weiteren Punkte der
Tagesordnung, die sich auf geschäftsmäßige Dinge be—
ziehen, erledigt. Eine kleine Aufregung enisteht kurz vor
Toresschluß bei der Frage der Besetzung der stellvertreten⸗
den Vorsitzenden-Aemter.
Dann wird die Wahl des Bundesvorsitzenden getätigt
Lehrer Flügel wird mit 333 Stimmen wiedergewählt;
22 Zettel sind weiß, 2 zersplittert.
Kollege Flügel dankt mit tiefer Bewegung. Er war
zum Führer von 1100000 Beamten erkoren. Es mag
eine ernste Stunde für ihn gewesen sein. Aber er hat es
verdient, und der Deutsche Beamtenbund hat in ihm wirtß
lich einen „Führer“. Das hat Flügel zu einem ganz kleinen
Teil am folgenden Tage bewtesen. Schluß 7209 Ubr.
Zuzeiter Tag.
Heute ist alles in festlich-feierlicher Stimmung« Der Tag
——
hundes sein. 55 Vertreter des Gesamtverbandes deutscher
Beamtengewerfschaften nehmen erstmalig mit den Ver—
tretern des alten deutschen Beamtenbundes gemeinsam ap
der Tagung teil. Das große Einigungswerk soll eindrucks
voll der Welt mitgeteist werden. Der Reichskanzler wirt
erwartet. Er hat zugesagt. Aber um 9,330 Uhr noch — so
berichten die Tagesblätter — ist er in Audienz beim Reichs
präsidenten in der Angelegenheit Seeckt-Geßler. Langsan
stellen sih Minister, Regierungsvertreter, Abgeordnete ein
Da erscheint der Reichskanzler. Die Versammlung ent
bietet dem obersten Beamten des Reiches ehrerbietige:
BGruß durch Erheben von den Sitzen. Ministerpräsidem
Braun kommt. An den blumengeschmückten Tischen nimm
man langsam Platz. Tiefe Stille tritt ein, als der Vor—
sitzende Flügel die Versammlung eröffnet mit folgenden
Ausführungen:
Bevor ich unsere verehrten Gäste begrüße, bevor wir die
vorgesehenen Vorträge hören, bitte ich Sie, von einem
Vorgange Kenntnis zu nehmen, der in der Geschichte der
deutschen Beamtenbewegung von hervorragender, bleiben—
der Bedeutung sein wird.
Der 53. Bundestag des Deutschen Beamtenbundes hat
gestern, nachdem in mehrmonatigen Besprechungen und
Verhandlungen die Voraussetzungen geschaffen worden
waren, der Vereinung des Deutschen Beamtenbundes mit
dem Gesamtverbande deutscher Beamtengewerkschaften zu
einem neuen Verbande zugestimmt, der den Namen
„Deutscher Beamtenbund“
führen soll. Der formelle Vollzug des Einigungsaktes ist
gestern abend erfolgt.
Der Deutsche Beamtenbund ist damit seinem Organisa—
tibusideal, die gesamte deutsche Beamtenschaft in einer
kraft- und machtvollen Organisation zu vereinen, einen
beträchtlichen Schritt nähergekommen, er betrachtet die
gestern erfolgte Einigung als eine wichtige Etappe zu
diesem Ziele. 3
Bevor der neue Deutsche Beamtenbund seine Tätigkeit
aufnimmt, darf ich mir gestatten, einige Leitgedanken zu
*8 die für die Politik des Bundes richtunggebend
ind.
Deutscher Staat und deutsche Beamtenschaft bedingen
einander, sind in ihrem Leben und Wirken unbedingt auf⸗
ünder augewiesen, ind unlösbar miteinanber verba
——
leit, Kraft und Bedeutung. Darum erfordert das Leben?
interesse jedes Beamten des deutschen Vollsstaates, der
die Verfassung von Weimar Form und Inhalt gegebe
hat, diesen Staat zu erhalten ihm zu dienen mit all feine
geistigen und fittlichen Kraft verantwortungs- und pflicht
hewußt und unter völliger Hingabe der gesamten Persön
ichkeit, seine Verfassung und seine Gesetze zu schützen. Was
ür den einzelnen Beamten gilt, ist nicht minder Pflicht de
Beamtenorganisation. Darum ist der neue Beamtenbund
um Staate so eingestellt, wie es der alte war — staats
pejahend, staatserhaltend, stagtsfördernd — und er wirt
in seinem Rahmen keine Bestrebungen dulden, die auf eine
Verneinung des Staatsgedankens hinauslaufen. Der neuc
Bund steht auf dem Boden der republilanischen Verfassung
des Reiches und der Länder. Er ist gewillt, im Geiste
dieser Verfassung zu handeln uns jeder Verletzung mi
allen zu Gebote stehenden Mitteln entgegenzutreten
Der Staat ist nicht denkbar ohne Staatsvolk. Dienst am
Ztaate ist darum zugleich Dienst am Volke. Wie dem
Staate, muß sich der Becinte dem Vollke verbunden fühlen
und, da er versassungsgemäß Diener der Vollksgesamthei
sein soll, dem ganzne Volke. Unter Ablehnung kasten
näßiger Isolierung in und mit seinem Volke zu leben, z1
eiden, zu schaffen, ist ihm hohes, sittliches Gebot.
Dienst an der Volksgesamtheit zwingt den einzelnen Be
imten zur Ausschaltung alles Parteimäßigen im Dienft
ind nötigt die Beamtenorganisation zur unbedingten
zarteipolitischen und konfessionellen Neutralität. nicht im
Zinne eines Unbeteiligtseins an den großen Problemen
von Staat und Wirtschaft, wohl aber unabhängig von
zeder parteidogmatischen Einstellung. Auch der neue
Deuische Beamtenbund ist parteipolitisch und konfessionel!
neutral. Er muß es sein, oder er wird nicht sein.
Wer der Volfsgemeinschaft ohne Unterschied der Parte
dlasse oder Kaste dienen, wer das Allgemeinwohl der
Interessen einzelner voranstellen soll, muß von jeder
Partei, Klasse oder Kaste unabhängig sein. Die Unab
hängigkeit der deutschen Beamten, die allein die Gewäbr
ür rein sachliche Erfüllung der Dienstpflichten bietet, er
fordert die Erhaltung des Berusfbeamtentums auf öffent
lich-rechtlicher Grundlage unter Gewährleistung der in der
Reichsverfassung festgelegten Rechte und unter Sicherung
einer menschen- und kulturwürdigen Exiftenz für jeden Be
amten.
Nur der wird sich seinem Volke innig verbunden fühlen
der nicht nur an den Pflichten, sondern auch und nich:
minder an den Rechten der Volksgesamtheit teil hat
Darum ist den Beämten die durch die Reichsverfassung und
zurch sonstige Gesetze zugebilligte staatsbürgerliche Frei—
heit und Gleichberechtigung unangetastet zu erhalten. Ein
dem Staate und dem Volke in Treue verbundenes, recht
lich und wirtschaftlich gesichertes Beamtentum ist einer der
stärksten Träger des Volksstaates. Seine Erhaltung und
Festigung liegt daher nicht bloß im Beamteninteresse, son—
dern ebensosehr im Staats⸗- und Volksinteresse.
Der Deutsche Beamtenbund dient der Allgemeinheit
wenn er sich für das Berufsbeamtentum und seine zeitge⸗
mäße, freiheitliche und soziale Fortentwicklung mit allen
seinen Kräften einsert
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