Von der Bundesleitung
Gerüchte — Wahrheit!
Zahlreiche Gerüchte schmarotzen zur Zeit wieder in der Be—
amtenschaft. Wo kommen sie her? Meist von leichtfertigen
Schwätzern. Einige jedoch scheinen mit bösen Absichten von
Schädlingen losgelassen worden zu scin. Daher Vorsicht!
Jeder Beanite muß sich im Interesse unserer Sache zur
unbedingten Pflicht machen, nur solche Nachrichten weiter—
zugeben, die er von authentischer Seite erfahren hat.
Was ist Wahrheit?
Der Umrechnungsfaktor ist mit Wirkung ab
1. Oktober 1926 von 5,33 auf 6 erhöht worden. Die neuen
Besoldungstabellen sind uns noch nicht zugegangen.
Für die Fortführung der Besoldungsaktion
sind die erforderlichen Schritte wieder eingeleitet. Vergl
die nachstehende Eingabe.
Die Durchführung der Abrede von BadenBader
schreitet langsam vorwärts. Die neuen Bestimmungen üben
die Reisekostenentschädigungen, die Um
zugskosten für versetzte Beamte, die Auf—
wandsentschädigungen des Bahnpostperso—
nals und die Nachtdienstzulagen sind in der Bei
lage „Unser Recht“ veröffentlicht. Die Erledigung der wich
tigen Gingruppicrungsfrage steht immer noch aus
Sie ist inzwischen wieder einmal mündlich reklamiert worden
In der Betreuungsaktion ist lediglich dadurck
wieder eine Verzögerung eingetreten, daß die Regicrungs
kommission den Beschluß über ihre betzte Antwort in ihrem
Notemwechsel mit der Reichsregierung bis zu der Sitzung
am 1. Oktober vertagt hat. Blinn
A. G. Nr. 42. 9. 26. Saarbrücken, den 28. Sept. 1926
An die Regierungskommission des Saargebietes.
Generalsekretariat.
l Anlage. Saarbrücken 1
Wie wir erfahren konnten, hat die Regierungskommission
beschlossen, mit Wirkung ab 1. Oktober 1926 den Umrechnungs—
faktor auf 6 zu erhöhen.
So dankbar wir diesen Beschluß begrüßen, so müssen wir doch
feststellen, daß leider auch jetzt wieder all die vielen begründe—
ten Einwände der Beamtenvertretung gegen die bisherigen
Gehaltsfestsetzungen unberücksichtigt geblieben sind.
Aus einer in den letzten Tagen stattgefundenen Besprechung
zwischen je einem Vertreter der Regierungskommission und der
Beamtenschaft darf gefolgert werden, daß sich die Regierungs
kommission nunmehr ernstlich mit der Ueberprüfung ihrer Er
rechnungsmethode befassen wird. Mit Rücksicht auf die Wich
tigkeit der Frage bitten wir dringend, einer Sachverständigen
kommission der Beamtenvertretung in den nächsten Tagen Ge
legenheit zu geben, die Wünsche der Beamten für die Festsetzung
des Umrechnungsfaktors mündlich vorzutragen.
In der Annahme, daß dieser Bitte Rechnung getragen wird,
beschränken wir uns heute auf eine einzige, aber üm so dringen
dere Bitte:
Immer wieder haben wir in unseren Eingaben darauf hin—
gewiesen, daß die Beamten mit den nach der Methode der Re—
gierungskommission errechneten Gehältern nicht haushalten, ja
in vielen Fällen kaum die nackten Lebenshaltungskosten be—
streiten können. Heute herrscht in den meisten Beamtenfamilien
erschreckend große Not. Mit Angst und Sorgen sehen viele Fami—
lienväter den Winter herankommen. An allen Ecken fehlt es
an den notwendigsten Sachen. Keine Winterwäsche, keine Winter—
kleidung und erst recht keine Barmittel für die Beschaffung von
Kohlen, Holz, Kartoffeln und sonstigen Wintervorräten. Wenn
nicht bald Hilfe kommt, werden in diesem Winter Kälte und
Entbehrungen die ständigen Hausgenossen vieler Beamten sein
Den bevorstehenden Verhandlungen über die künftige Fest—
etzung des Umrechnungsfaktors wollen wir nicht vorgreifen. Wir
wollen heute die Regierungskommission nur bitten, mit einer
sofortigen Hilfe für die Beamten das größte Unrecht aus der
Vergangenheit wieder gutzumachen.
Der Regierungskommission will es aus technischen Gründen
aicht möglich gewesen sein, den Umrechnungsfaktor nach ihrer
Methode von Monat zu Monat neu festzusetzen. Auf diese Weise
ist den Beamten nach der beiliegenden Gegenüberstellung bi—
jetzt ein Betrag in Höhe von rund 80 Prozent des für September
gezahlten Gesamteinkommens vorenthalten worden.
Auf die nachträgliche Auszahlung dieses Betrages glaubi
die Beamtenschaft unbedingt Anspruch machen zu müssen.
Wir bitten daher die Regierngskommission, durch die sofortige
Auszahlung einer Wirtschaftsbeihilfe in Höhe von mindestens
30 Prozent des für September gezahlten Einkommens ein großes
Unrecht aus der jüngsten Vergangenheit wieder gutzumachen
und dadurch die ernste Notlage der Beamten etwas zu bessern
Die Arbeitsgemeinschaft der Beamtenverbände des Saargebiets
Beamtenbund des Saargebietes:
Schneider Blinn. 2
Vereinigung der höheren Beamten des Saargebietes:
Dr. Messinger.
Verband der Büroangestellten und -Beamten des Saargebietes
Schmitt.
Bund der techn. Angestellten und Beamten des Saargebietes:
Hoffmeister.
Gewerkschaft Deutscher Eisenbahner e. V.
Elz.
Gegenüberstellung.
Monat
*
59 2
3*
5538*
2255
5503
33328
38
—2 19
8060 2853 83255
, 2 2 3 5232212
5 3 33 3
— 33 3555
* —5 7833 853
*3 223 23 338 38
* HE 2 83
H 3623
0,22
0,80
0,41
0,18
0,47
0,67
0,39
0,71
9
840,63 181,69
848,16 180,89
862,70 179 35
886,99 181,44
941,56 181,82
981,42 182,60
105418 185,07
1114,300 185,20
noch nicht noch nicht
bekannt, bekannt,
minde⸗ voraus⸗
stens 38 uch —
11140000 185,20 6,01 5,8 0,71
Sa. 4,06
und 800/0 des für September gezahlten Gesamteinkommens.
Bemerkung: Die Durchschnittsteuerungszahlen der Stadt Saar
srücken sind gewählt worden, weil wir die des Saargebietes
durch die Regierungskommission nicht erfahren konnten. Letz
tere sind, soweit wir aus einigen uns bekannt gewordenen er—
ehen konnten, im allgemeinen ein wenig niedriger als die der
Stadt Saarbrücken. Der kleine Unterschied wird jedoch mehrfach
durch die nachträgliche Auszahlung in entwaertetem Gelde aus—
geglichen.
L. Gottlieh,acSaarhrückenß
Kolonialwaren / Delikatessen
C(cpsę-rven Liköre s Weine
Tabak und Zigarren7
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