Full text : 1.1926 (0001)

Der Vedomtenbund

Der Beamtenbund erscheint wöchentsich
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ĩ. Jahrgang Saarbrücken, den 18. September Tor6 Nummer 38

Die Fee des Begemtentetius

Allem menschlichen Tun und Lassen liegt eine Idee zu—
grunde. „Ideen“, so lehrte Plato, „sind das einzig Seiende.“
Seit Jahrtausenden hat die abendländische Kultur an der
Hervorbringung und Gestaltung der Ideen gearbeitet und sie
— schienen sie unumstößlich — zu Dogmen erhoben. An
Ideen, an Dogmen, rankte sich die Kultur der Menschheit
empor. Troeltsch, der berühmte Berliner Philosoph, erklärte
einmal die geisteswissenschaftliche Richtung auf Form und
Dogma aus dem „Zweck zu bewußter Kultursynthese“. Dieses
Wort scheint mir eines der tiefsten zu sein, das je aus—
gesprochen wurde. Es ist ein spezifischer Ausdruck der abend—
ländischen Seele. Idee und Dogma sind die Urelemente
des germanisch-faustischen Denkens, die Keimgellen der kultu—
rellen Entwicklung der alten Welt. Mögen diese Ideen nun
religiöser, künstlerischer, politischer, rechtlicher oder ähmlicher
Art sein, immer sind sie der Stamm, an dem sich der mensch—
liche Geist emporrankt.
Num ein zweites, soziologisches Moment. Ideen können
rin kulturelles Streben nur dann stützen und fördern, wenn
das Subjekt dieses Kulturwillens, der Mensch, sie kennt, ja
man müßte sagen, sie erlebt. Bis zum 17. Jahrhundert ist
die Kultur kirchlich orientiert, weil die religiösen Idcen die
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grund des öffentlichen Meinungsstreites stehen. Daß Ideen,
die sich an ökonomische Probleme, wie z. B. das der Ein—
kommensverteilung, knüpfen, keine Kulturenergien zur Ent—
faltung bringen können, ist wohl jedem klar.
Also: Ideen, Dogmen, dié einer bewußten Kultursynthese
dienen können, müssen in das Bewußtsein der Gesellschaft
eindringen, müssen Teil des gesellschaftlichen Denkens und
Brundlage des gesellschaftlichen Handelns werden!
Diese Ueebrlegung führt zum Thema zurück. Man könnte
zwei Gruppen von Ideen unterscheiden, nämlich eine elemen—
tare und kulturelle. Wie allem menschlichen Handeln, so

liegen auch dem Wirtschaften des Menschen Ideen zugrunde
Die elementare Idee, die allem Wirtschaften zugrunde liegt,
st die der Unterhaltsfürsorge. Man wirtschaftet, um zu
eben. Die kulturellen Ideen des Wirtschaftens sind dem—
gegenüber beruflich verschieden. Nachstehend soll die Idee
»es Beamtentums entwickelt werden, und zwar soll das in
wei Abschnitten geschehen, deren erster die besonderen wirt—
chaftlichen Organisationstypen darstellt, innerhalb derer sich
in Beamtentum entwickelt, während der zweite (als Er—
jebnis des ersten) das spezifische Wesen des Beamtentumsẽ
nnerhalb der sozialen Gemeinschaft beschreiben soll.
II.
Ein Beamtentum entwickelt sich, um das gleich hier am
Anfang zu sagen, innerhalb jener wirtschaftlichen Organisa
ionstypen, die man unter dem Namen „Verwaltungswirt—
chaft“ zusammenfaßt. Wir leben heute, das weiß jeder, im
og. kapitalistischen Zeitalter, d. h. in einem Zeitalter, in
»em die kapitalistische Betriebsweise vorherrscht. Aber alle
Zeiten sind Uebergangszeiten! In keiner Zeit wohl hat je
in Wirtschaftssystem ausschließlich geherrscht. Bis zum
neutigen Tage haben sich Reste handwerklicher Wirtschaftsbeise,
 vor Jahrhunderten vorherrschend, erhalten. Ander⸗
eits aber haben sich Institute entwickelt, die über den Kapi—
alismus hinausweisen. Das sind die Staatsbetriebe, die
sßenossenschaften und die Kartelle.
Das scheint ein seltsames Kleeblatt zu sein, vom Zufall zu—
ammengeführt und nicht vom ordnenden Menschenverstand.
Und doch wird dieses Kleeblatt heute von der Wissenschaft
inter dem gemeinsamen Begriff „Verwaltungswirtschaft“
zusammengefaßt. Diese Verwaltungswirtschaft ist das Gefäß
in dem sich die Idee des Beamtentums auswirkt.
Um das zu verstehen, muß man sich in das Wesen der Ver—
valtungswirtschaft zu vertiefen versuchen. Es handelt sich
darum, die gemeinsamen Grundlagen jener drei Institute:
Staatsbetrieb, Genossenschaft und Kartell herauszuarbeiten,
um den Begriff „Verwaltungswirtschaft“ definieren und ihn

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