Was lag vor? Zwischen Saar- und Reichsregierung hat
ein Notenwechsel in der Betreuungsaktion stattge—
funden. Er sollte gewisse Punkte noch aufklären. Mit
Rücksicht darauf wurde die ursprünglich zum 1. September
vorgesehene Auszahlung der Betreuungsgelder für die
aktiven Beamten vorläufig aufgehalten. Die Betreuungs—
stellen selbst arbeiteten weiter. Die Auszahlung der Pen—
sionsbezüge für die Neupensionäre wurde nicht versögert.
Das waren die wirklichen Dinge.
Wir haben uns sofort bei der Regierungskommission und
der Reichsregierung vergewissert, was an Tatsächlich—
keiten vorlag. Es hat sich bestätigt, daß ein Protest der
Regierungskommission nicht erfolgt ist. Da es sich bei
der Betreuungsaktion nicht um Gehaltszuschüsse, sondern
um Ersetzung von Reichssmarkausgaben han—
delt, wird nach unserer Auffassung die Regierungskommission
auch weiterhin keinen Anlaß zu einem Protest haben. Und
daß die Reichsregierung, die sich aller Konsequenzen vor
ihrem Beschluß bewußt war, ietzt auf einmal das schon ge—
sagte A wieder zurücknehmen sollte, darf für uns überhaupt
nicht diskutabel sein. Die Reichsregierung hat Angesagt,
und sie wird — trotz aller sonstigen Eingaben, Audienzen
und Noten — ihr Besagen. Das muß unser fester Glaube
sein.
Wir haben alles versucht, die Betreuungsaktion bal⸗—
digst zum Abschluß zu bringen und Härten nicht in
Erscheinung treten zu lassen. Eine neue Eingabe geht
dieser Tage nochmals nach Berlin. Jetzt muß abgewartet
werden was die erste Aktion bringt. Alsdann wird und
muß von uns eine zweite Aktion sofort eingeleitet
werden mit dem Ziel, den in der ersten Maßnahme nicht
erfaßten Beamten zum gleichen Rechte zu verhelfen. Darüber
aber kann heute noch nichts gesagt werden.
Die Eingabe der Gewerkschaften, die wir an an—
derer Stelle veröffentlichen, ist nach unserer Auffassung ver—
früht gewesen. Wir hätten gewünscht, daß sie erst dann
abgegangen wäre, wenn die erste Aktion gesichert war. Im
übrigen mögen andere Kreise für sich zu erreichen suchen, so
viel sie können, das geht uns nichts an. Sie mögen ihre
Eingaben auch begründen, wie sie's für gut befinden, nur
sollen sie uns dabei nicht schädigen. Wür haben als
unveräußerliches Recht die Kabinettsbeschlüsse
auf unserer Seite, und dieses Recht lassen wir uns von
niemand antasten und schmälern.
Sobald die augenblickliche Pause im Gang der Betreu—
ungsaktion vorüber ist, teilen wir Weiteres mit. Wir
geben dann die Betreuungsstellen bekannt. Und
dann erst ist auch die Zeit gekommen, wo die Unterstüt—
zungsamträge eingereicht werden können. Vorherige
Versuche dieser Art sind verfrüht.
elbst der Ruf nach Beendigung des Zwistes. Wenn ich
rotzdem auf die schon erledigt scheinende Angelegenheit
urückkomme, so geschieht es gewiß nicht, um eine Para—
»hrase über ein garstiges Lied fortzusetzen, sondern aus
Bründen, die der geneigte Leser den nachstehenden Aus—
ührungen selbst entnehmen möge.
Jene Angriffe, die auch nachträglich keineswegs beschö—
igt werden sollen, gaben freigewerkschaftlichen Organi—
ationen Anlaß zu einem Kampfruf gegen die Wirtschaft.
Fs hieß da, die Wirtschaft selbst habe ja nun ihre Beamten—
eindlichkeit dokumentiert, an der kein aufgeklärter Arbeit—
tehmer jemals gezweifelt habe. Den Kampf zur Verbesse—
uung ihrer Lage müßten daher die Beamten in der „Ein—
jeitsfront der Arbeitnehmer“ führen. Es bestehe eine
tatürliche Gegnerschaft zwischen dem Arbeitgeber, dem es
darauf ankomme, die Arbeit zum billigsten Preise zu be—
ommen, und dem Arbeitnehmer, der eben seine Arbeits—
raft möglichst gut verkaufen müsse.
Wenn man's so hört, möcht's leidlich scheinen, steht aber
zoch schief darum. Wenn das alles zuträfe, dann allerdings
vürde der Kampf der parteipolitisch neutralen Beamten—
organisationen ein solcher mit unzulänglichen Mitteln blei—
hen müssen. Es ist aber glücklicherweise eine recht schiefe
Betrachtung der Dinge, die wir in der freigewerkschaftlichen
Presse finden. Zunächst einmal erscheint es geradezu be—
zenklich, den Beamten in einen Gegensatz zur Wirtschaft
u bringen, deren Glied er zweifellos ist. Es gab einmal
ine Zeit — sie ist glücklicherweise lange überwunden —,
za behaupteten oberflächliche und törichte Menschen, daß
her Beamte ein unproduktives Glied der Wirtischaft sei.
Die Beamten haben sich in der Vorkriegszeit gegen diese
Auffassung energisch und mit Erfolg gewehrt. So gut wie
s bereits im allerkleinsten Betriebe Arbeiten gibt, die nicht
inmittelbar produktiv, aber deshalb doch unentbehrlich für
zie Produktion sind, so gut gibt es in der gesamten Wirt—
chaft ähnliche Arbeiten, die die Arbeitskräfte vieler Tau—
ende, eben der Beamten, erfordern. Was ist denn das für
in Ding, die Wirtschaft? Doch nichts anderes als die Zu—
ammenfassung aller in einem Staate produktiv tätigen
dräfte. Nicht nur der gehört zur Wirtschaft, die Kohle
ördert oder Vieh züchtet oder Kleider anfertigt, sondern
ille die anderen gehören nicht minder dazu, die sich mit
»em Vertrieb der Ware (Handel) oder ihrer Bewegung
Verkehrsbetriebe) oder der Verwaltung, kurzum mit allem
zefassen, was, wie oben angedeutet, zwar nicht unmittel—
»ar Ware hervorbringt, wohl aber für diejenigen, die sie
serstellen, unentbehrlich ist. Der Beamte gehört zur Wirt—
chaft gerade so wie jeder andere Arbeitnehmer und muß es
ich im ureigensten Interesse verbitten, in einen Gegensatz
zur Wirtschaft gebracht zu werden. Der Beamte hat am
Bedeihen der Wirtschaft ein selbstisches Interesse, denn
ohne eine blühende Wirtschaft kann auch der Staat und die
mit ihm eng verbundene Beamtenschaft nicht gedeihen.
Gegner mögen diese Ausführungen einen Streit um
Worte nennen. Sie mögen erwidern, daß man dann eben
ticht zwischen Wirtschaft und Arbeitnehmeren unterscheiden
nüsse. Sie irren. Es gibt bei näherem Zusehen weder
uine Einheitsfront der Arbeitnehmer, noch eine solche der
Arbeitgeber. Daß zwischen Bamten auf der einen Seite
aund Arbeitnehmern in Privatbetrieben auf der anderen
Seite Interessengegenfätze bestehen braucht den Lesern die—
Karl Schneider.
Wirtschaft und Beamte
Von Albrecht Morath, Mitglied des Reichstages.
Ueber das Verhältnis zwischen Wirtschaft und Be—
rufsbeamtenschaft ist in jüngster Zeit in der Beamten—
Fachpresse mehr als je geschrieben worden. Kein Wun—
der. So manche Angriffe aus den Kreisen der Wirt—
schaft mußten ein entsprechendes Echo auslösen. Nun
kommt hier und da aus dem Lager der Anareifer heraus
* J * 3 ——— 7
batschari Hrone
isst und pleiht die quastatszigarette
eAEN CIGAMETFTEN
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