Full text : 1.1926 (0001)

Dere Beomtenbund

Der Beamtkenbund erscheint wöchenklich
 einmal, und zwar Samstags.
Redaktionsschluß, auch für Anzeigen,
drei Tage vor dem Erscheinungstage.

Zeitschrift
des Beamtenbundes
des Saargebietes

Bei Bestellung durch die Post Be⸗
zugspreis monatlich 3.— Franken.
Anzeigenpreis: Die fünf—
gespaltene Millimeterzeile 0.50 Frs.

Verantwortlich: Für den redaktionellen Teil Peter Hild, Saarbrücken 8, Neugrabenweg 39; für den Reklame- und
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Heschäftsstelle des Beamfenbundes des Saargebietes: Saarbrücken 2, St. Johannerstr. 55, Fernspr. 3055, Postscheckkonko 1700 Saarbrücken
Druck und Verlag: Saarbrücker Druckerei und Verlag A.G., Saarbrücken 3, Fernsprecher 31303134 und 460 - 462.
. Jahrgang Saarbrücken, den 11. September 1926

ZURLAGF

Die Urlaubs- und Ferienzeit neigt langsam
dem Ende zu. Die Amtsstuben und Arbeitsstaäͤtten füllen
sich mählich wieder. In Kürze läuft die große Beamten—
Maschinerie wieder gewohnten Gang.
Die Regierungskommissdon, die vorübergehend
zurch ihr saarländisches Mitglied allein vertreten war, ist,
oweit wir unterrichtet sind, nunmehr auch wieder be—
chlußföhig. Zwar steht augenblicklich im Vordergrund
hres Interesses, die Volkerbundsstagung in Genf. Allein
in der Nähe stoßen sich auch jetzt wieder die Sachen gar hart
m Raum, und die Regierungskommission wird nicht umhin
önnen, sich ernstlich mit ihnen zu befassen.
Der Frank hat sich gebessert und gefestigt. Man mag
diese Tatsache begrüßen. Auch die Beamtenschaft tut's,
venngleich sie dabei einen gallig-bitteren Geschmack nicht
loswird. Die Besserung des Franken hat für weite Beam—
enkreise eine ganz einschneidende Verschlechterung gebracht.
Zum Börsenspekulanten ist der Beamte nun einmal nicht
geboren. Wie's an der Zeit gewesen wäre, sein kleines
Frankengehalt in einer Goldwährung anzulegen, um vor
Lerlusten geschützt zu sein, da hat er seine Papierfranken
festgehalten, um dann freilich den stetig schwindenden Gold—
wert mitzuerleben. Und dann hat er's auch einmal gewagt;
Ende Juli war's. Er tauschte zu 9,40 und freute sich seiner
Alugheit, als der Frank weiter fiel. Und da bekamens
diele andere auch mit der Angst zu tun, tauschten ebenfalls
wacker zu 10,50 und 11, glaubten ihr kleines Gut gesichert
und mußten dann im Laufe des Monats zu 8 und noch
veniger umsetzen. Hunderte von Franken gingen so ver—
loren; das kleine Einkommen schmolz noch mehr zusammen;
die Steuern mußten gezahlt werden; der Franken stieg
und ward besser — doch die Preise störten sich nicht im
geringsten an Frankensanierung und Stabilisation, kletter—
zlen weiter in die Höhe und sind noch immer im Steigen
egriffen.

Die Septembergehälter sind am 27. August aus—
gezahlt worden. Diesmal hat die Beamtenschaft nicht ge—
auscht. Nun probiert sie wieder die frühere Methode; viele
»hilosophische Köpfe aber bekennen sich resigniert zu der
iefgründigen Weisheit, daß es, wie mans auch mache, aller—
vege falsch sei.
Anfang September soll die Regierungskommission zu den
Anträgen der Beamtenvertretung auf Aenderung der Er—
echnungsmethode und Erhöhung des Umrechnungsfaktors
Stellung nehmen. Bis zur Stunde ist noch nichts bekannt⸗—
jewordeon, was wir zu gewärtigen haben.

Der U mre ch nungsfaktor muß erhöht werden,
aill sich die Regierungskommission nicht dem Vorwurf aus—
etzen, sie erfülle nicht ihre Pflicht. 5,3 hatte Gültigkeit
ür Juni. Die Juliziffer schon war 5,77. Die Augustzahl
vird der6 sehr nahe sein, und der Septemberzeiger schnellt
noch darüber hinaus. Und dies alles selbst bei der unrich—
igen Methode der Regierungskommission!
Aber, auch die Methode muß geändert werden. Es
jeht nicht an, das Saargebiet mit dem Reichsdurchschnitt
zu vergleichen. Man vergleiche uns mit einem gleichgroßen
ind gleichgearteten Gebiet, und die Methode wird richtiger
ind für uns günstiger. Es geht auch nicht an, einen ge—
vissen Prozentsatz unserer Ausgaben n icht zum Börsen—
urs anzurechnen. Wir haben nun einmal einen Teil
inserer Ausgaben tatsächlich zum Börsenkurs zu leisten.
der muß uns auch entsprechend angerechnet werden. Und
e dann gibt uns die Methode nur das, was uns rechtens
usteht.
Hier hat die Regierungskommission moch viel gutzu—
nachen. Die Beamtenvertretung ist zur Verhandlung
ereit; sie hofft, daß ihr endlich Gelegenheit gegeben wird,
»ie Unrichtigkeit der Regierungsmethode nachzuweisen mit
em Ziel ihrer Ersetzung durch eine gerechtere Formel.
Wir hoffen auch, daß der Amtsschimmel sich so ferien—
rholt hat, daß er nun ein beschleunigteres Tempo anschlägt
nder Erledigung von allerlei Geschäften, die schon längst
ibgetan sein könnten. Die Regierungskommission hat, um
iur ein Beispiel anzuführen, Ende Juli die Verabschiedung
ꝛer Eingruppierungsfrage zum 15. August be—
chlossen. Die Absicht der 5 Herren, vor Antritt ihres
Urlaubs noch reinen Tisch zu schaffen, war gut. Nun sind
iber einzelne Verwaltungen mit der Einreichung ihrer Vor—
chläge nicht rechtzeitig fertig geworden. Wann sie fertig
verden, wissen wir nicht. Wann die Regierungskommission
ndgültig die Frage verabschieden kann, ist auch noch un—
sewiß. Ob das wohl früher und auch heute bei einer de ut—
chen Regierung hätte vorkommen können?!
So ist alles zusammen nicht dazu angetan, die Stimnung
 der Beamtenschaft zu heben. Wenn dann noch die
Presse sich über die Betreuungsaktion hermacht, wenn Ge—
verkschaften verfrüht Eingaben an die Reichsregierung
ichten, wenn Telegramme von Berlin und Koblenz be—
anntwerden, wenn ein angeblicher Protest der Regierungs—
ommission allenthalben erörtert wird, dann ist es gar
»ohl verständlich, daß die Stimmung in der Beamtenschaft
cht ruhiger werden kann.
            
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