Full text : 1.1926 (0001)

Der Weamtenbund
Zeitschrift
des Beamtenbundes
des Saargebietes

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Druck und Verlag: Saarbrücker Druckerei und Verlag A.G., Saarbrücken 8, Fernsprecher 333053134 und 460 462.
Saarbrücken, den 21. August 1926

l. Jahrgang
— E

lichkeit, die Berechtigung, einen Berufsstolz zu entwickeln
und den ethischen Wert seines gemeinnützigen Wirkens zu
betonen, welche beiden Momente auf sein Verhalten gegen—
über der Gesellschaft zurüchwirken werden. Diese moralische
Gleichberechtigung aller ehrlichen Arbeit ist letzten Endes
die Quelle des modernen demokratischen Staatsgedankens
Haben wir organisierten Beamten, die wir uns freudig
zu diesen Anschauungen bekennen, ein Recht, von einem
besonderen Berufsethos des Beamtentums zu sprechen?
So eng verbunden wir uns allen übrigen Volksgenossen
fühlen, und so sehr wir jede Standesüberhebung ablehnen,
so nachdrücklich müssen wir doch angesichts der den Be—
aniten obliegenden Pflichten, der besonderen inneren und
äußeren Bindungen unseres Berufs betonen, daß dessen
ethischer Inhalt, so wie er geschichtlich geworden ist, ein
Ackerhalb der Volksgesamtheit einzigartiger ist, daß er eine
ganz bestimmte Mentalität seiner Angehörigen voraus—
setzt oder erzeugen muß. Was man allerdings unterlassen
soll, ist eine Wertung der ethischen Inhalte der verschie—
denen Berufe im Volksganzen. Es kann nicht wohl be—
stritten werden, daß das Ringen der Wissenschaft um die
Erkenntnis der Wahrheit, um die Erforschung der Natur—
geheimnisse im Interesse der leidenden und kämpfenden
Menschheit, daß das Streben der Ingenieure und Volks—
wirte nach technischem und wirtschaftlichem Fortschritt, der
Fleiß und die Ausdauer der arbeitenden Massen in der
Bewältigung immer gesteigerterer, schwierigerer und ge—
fährlicherer Arbeitsaufgaben in ihrem ethischen Gesamt—
werte der Leistung des Berufsbeamtentums ebenbürtig
sind. Was dem Ethos des Beamtentums aber seine be—
sondere Note gibt, ist, daß es nicht nur den Berufsstand
als Ganzes gesehen erfüllen, sondern daß es das Tun und
Lassen jedes einzelnen, auch des unterften Beamten, sicht⸗
har beherrschen soll, daß es ferner mit stärkster Betonung
zinführt auf die Wahrung der Interessen der Gesamtheit,
des Staates, demgegenüber der einzelne nichts ist, und
dem der Beamte kraft seiner durch persönlichen Eid be—
onders erhärteten verfassungsmäßigen Verpflichtung zu
zienen hat ohne Ansehen der Partei. Das Treueverhält—
tis ist es, das die Grundlage des Berufsethos des Be—
imtentums bildet, das Bewußtsein, seinem Volk und Staat
ruf dem dem einzelnen zugewiesenen Posten dienen zu
nüssen unter völliger Selbstverleugnung und äußerster
dingabe, wenn es die Stunde erfordert, selbst bis zum
Tode. Welch leuchtende Beispiele treuer Pflichterfüllung bis
um Tode die deutsche Beamtenschaft im Laufe ihrer
angen Geschichte zu verzeichnen hat, braucht in dem Or—⸗
zan eines großen Beamtenbundes nicht erst aufgezählt
zu werden.
Und dieses Bewußtsein, dem ganzen Volke auch auf be—
cheidenstem Poften zu dienen, muß gerade in einem Volks—

Landgerichtsdirektor Prüfner *
Kurz vor Redaktionsschluß erhalken wir
die kraurige Nachricht, daß Herr Landgerichtsdirektor
 Prüfner plößlich
verschieden ist. Die Meldung hat uns lief
erschütlert und löst in allen Beamtenkreisen
wärmstes Milgefühl aus. Der Verstorbene
hat in all den Jahren unserer saarländischen
Not kalkräftig mit im vordersten Treffen ge—
sttanden. Unerschrocken und mutig hat er
seine geschätzle Kraft stets zur Verfügung
gestellt. So war's 1920 in den Tagen des
Beamlenstreiks; so im vorigen Jahr, als der
Prozeß gegen die Regierumgskommission
durchgefochten wurde; so auch Ende Mai
dieses Jahres, als er sein groß angelegkes,
den Lesern unseres Blatkes bekanntes
Referat im Saalbau hielt. Bis in die lehten
Tage hinein hat er der Beamtlenschaft zur
Verfügung gestanden. Mit der Vereinigung
der höheren Beamken krauern der Beamtenbund
 und die ganze Arbeilsgemeinschaft der
Beamtenverbände an der Bahre dieses ge⸗
rechten Richters, pflichtlreuen Beamken und
hilfsbereilen Kollegen DPer Name Prüfner
wird in den Annalen der saarländischen Be⸗
amtenschaft einen guten Klang behallen.

Das Berufsethos
des Beamtentums
Von Richard Reiland, Schwerin in Mecklbg.
Jede gesellschaftlich notwendige Arbeit trägt ihren Adel
in sich. Es ist überheblich, auf einen Volksgenossen herab⸗—
zusehen, weil er Arbeit verrichiet, die vielleicht unangenehm
und wenig begehrt, aber derer im Interesse des Gesamt⸗
wohles nicht zu entraten ist. Geht man von dieser Grund⸗
nschauung aus, so hat jeder in ehrlicher Arbeit wurzelnde
Stand im Bewußtsein seiner gesellschaftlichen Unentbehr⸗

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