Full text : 1.1926 (0001)

b) Besoldungshöhe.
Gleichermaßen wie an der ideellen Gestaltung der neuen
Besoldungsordnung ist die Beamtenschaft auch an ihrem
materiellen Ausbaäu interesstert. Das Beamtenstatut so—
wohl wie die Kabinettsbeschlusse des Deutschen Reiches und
Preußens sichern ihr die gleichen Bezüge wie im Reichs—
gebiet zu. Aus diesem Grunde, und um bei den dauernden
Schwankungen der gesetzlichen Währung vor weiteren
Verlusten geschützt zu sein, fordern wir nach erfolgter ge—
rechter Eingruppterung die Ansetzung unserer Ge—
hälter in Reichsmark-Grundzahlen, die, nach
dem Börsenkurs umgerechnet, mindestens den Wert der
deutschen Gehälter in den entsprechenden Besoldungsgrup—
pen garantieren. Sollte die Regierungskommission den
Börsenturs nicht in Anwendung bringen können, so for—
dern wir für die augenblickliche Regelung einen Mindest.
Umrechnungsfaktor von vorläufig 6,— Frs — 1 R.M
Die fortgesetzte Behauptung, es sei im Saargebiet billiger
als im Reich, können wir nicht anerkennen. Wohl geben
wir zu, daß ein Vergleich zwischen Innerdeutschland und
Innerfrankteich die These stützt, daß es in einem Lande
mit schwankender Währung durchweg billiger ist als ir
einem Lande mit stabilem Geld. Es ist jedoch der Regie
rungskommission wohl bekannt, daß im Saargebiet gegen
über dem Innern Frankreichs eine Ueberteuerung von 15
bis 25 Prozent besteht. Diese Tatsache schaltet die genannte
Wirtschaftsthese für den Vergleich zwischen dem Saarge—
biet und dem Reich aus. Insbesondere liegen die Preis—
vergleiche für in jedem Haushalt täglich benötigte Lebens—
mittel (Butter, Fleisch, Fische uswp.) durchweg über dem
Börsenkurs.
Wir fordern ferner in diesem Zusammenhang, daß mit
Rücksicht auf die Notlage der Beamten in den unteren
Besoldungsgruppen, die auch von der Reichsregierung
durch die Weihnachtszuwendungen für diese Beamten an—
erkannt worden ist, die Grundzahlen für die
unteren Gruppen gegenüber denen der unteren
Reichsgruppen entsprechend er höht werden.
Wir fordern außerdem auf alle Bezüge aus Grundge—
halt, Teuerungs-, Frauen- und Kinderzulage, einen ört⸗
lichen Sonderzuschlag in Höhe von 10 Progent.
Eine Grundtabelle zur Errechnung der monatlichen Be—
züge der Beamten ist nachstehend aufgestellt.
c) Verlustersetzung.
Das bisherige saarländische Besoldungs-System hat in—⸗
folge der ungerechten Eingruppierung, der unvollständigen
Zusammensetzung in den einzelnen Besoldungsbestandtei—
len und seiner stets zu niedrig bemessenen Besoldungs—
höhe den Beamten des Saargebietes seit Einführung der
Goldmark in Deutschland — Dezember 1923 — ganz er—
hebliche geldliche Nachteile gebracht. Die Beamlten sind
nicht gewillt, diese Verluste stillschweigend zu tragen. Wir
fordern darum Ersetzung aller Verluste min
rückwirkender Kraft von Dezemberl1923 ab
Zum Schluß bitten wir die Regierungskommission er—
gebenst, die Vorarbeiten zur zugesicherten Besoldungs—
reform in dauernder Verbindungmitder Be—
amtenvertretung so zu beschleunigen, daß die Be—
soldungsneuregelung spätestens bis zum 15. Januar durch—
geführt werden kann. Sollte dies nicht moͤglich sein, so
bitten wir, bis zum angebenen Termin im Rahmen der
bisherigen Besoldungsordnung außer der Gewährung
einer Frauenzulage und der Erhöhung der Kinderzulagen
auf die bisherigen Vezüge eine einmalige gleichmäßige
Erhöhung von 20 Prozent zu bewilligen.
Beamtenbund des Saargebietes.
Vereinigung der höheren Beamten des Saargebietes.
Verband der Büroangestellten und ⸗-Beamten des
Saargebietes.
Bund der techn. Angestellten und Beamten des
Saargebietes.
Gewerkschaft Deutscher Eisenbahner e. V.

Saarbrücken, den 11. Januar 1926
An die Regierungskommission des Saargebietes,
Generalsekretariat,
A. G. Nr. 2. 1. 26. Saarbrücken 1, Schloßplatz 15.
Auf unsere Eingabe vom 7. Dezember 1925 hat uns die
Regierungskommission mit Schreiben G. S. Nr. 6328/4
mitgeteilt, daß die Gehälter für Januar am 22. Dezember
für Februar am 26. Januar und für März am 27. Februan
zur Auszahlung kommen.
Die Beamtenschaft hat aus der Tatsache, daß zwischen
die Zahlung der Januar- und der Februargehälter eine
größere Zeitspanne gelegt ist, geschlossen, daß die Regie—
rungskommission bestimmt eine Regelung treffen wird, die
der Beamtenschaft bis spätestens 10. Januar 1926 eine be—
sondere Zuwendung bringt, zumal die Weihnachtsfeiertage
sowie Neujahr, die jeder Familie besondere Auslagen ver—
ursachen, in diese Zeitspanne gefallen sind.
Nach der hier eingegangenen Einladung des General—
sekretariats sind Verhandlungen der Regierungskommission
mit der Beamtenschaft über die bevorstehende Besoldungs—
Neuregelung erst für Freitag, den 15. Januar, angesetz!
worden. Die Beamtenschaft ist darüber sehr beunruhigt
daß die Verhandlungen nicht früher stattfinden.
Wir gestatten uns zu bemerken, daß selbst dann, wenn
anmittelbar nach diesen Verhandlungen eine Anordnung
der Regierungskommission auf sofortige Auszahlung von
Beträgen an die Beamten getroffen würde, die Aus—
zahlung vielfach vor dem 20. Januar 1926 praktisch nicht
durchgeführt werden könnte und schließlich viele Beamte
noch über diesen Zeitpunkt hinaus ohne jegliche Barmittel!
sein Vien
Mit Rücksicht auf die Notlage der gesamten Beamten—
schaft, die bei den Beamten der unteren Besoldungs—
gruppen ganz besonders in Erscheinung tritt, bitten wir
daher die Regierungskommission dringend, die sofortigt
Auszahlung irgend welcher Mittel an die Beamten an
ordnen zu wollen.
Beamtenbund des Saargebietes.
Vereinigung der höheren Beamten des Saargebietes
Verband der Bürogangestellten und ⸗Veamten des
Saargebietes.
Bund der techn. Angestellten und VBeamten des
Saargebietes.
Gewerkschaft Deutscher Eisenbahner e. V.
Für vorstehende Verbände:
Schneider. Pallmann.

Vorstehende Eingaben wurden an mehreren Stellen
mündlich vertreten. Ueber das Ergebnis der Verhandlun—
gen mit der, Regierungskommission vom 15. Januar wer—
den wir in der nächsten Rummer berichten

Ahu
Einladung für die Ausschußmitglieder
des Beamtenbundes
Die Jahresausschußsitzung findet am Donners—
tag, den 21. Januar 1926, nachmittags 2.30 Uhr, im roten
Saale des Johannishofes zu Saarbrücken 3 statt.
Tagesordnung:
1. Geschäfts- und Kassenbericht.
2. Neuwahlen.
3. Satzungsänderungen.
4. Zeitschrift und Jahresbeitrag.
5. Stellungnahme zur augenblicklichen Lage.
6. Verschiedenes.
Um vollzähliges Erscheinen wird gebeten.
Mit Bundesgruß!
Der Vorstand:
Schneider. Pallmann.

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