BDen Weomtenbund
Der Beamtenbund erscheint wöchenklich
einmal, und zwar Samstags.
Redaktionsschluß, auch für Anzeigen,
drei Tage vor dem Erscheinungsktage.
Zeitschrift
des Beamtenbundes
des Saargebietes
Bei Bestellung durch die Post Be—
zugspreis monatlich 3.— Franken.
Anzeigenpreis: Die fünf—
gespaltene Millimekerzeile 0.50 Cts.
Verantkworklich: E. Pallmann, Saarbrücken 3, Dudweilerstraße 77, Fernsprecher 4334.
Beschäftsstelle des Beamfenbundes des Saargebietes: Saarbrücken 2, St. Johannerstr. 55, Fernspr. 3055, Postscheckkonko 1700 Saarbrücken
Druck und Verlag: Saarbrücker Druckerei und Verlag A.G., Saarbrücken 3, Fernsprecher 313043134 und 460462.
Saarbrücken, den 31. Juli 1926
Nummer 31
838to0sschtwüse
die Luft bereits am Ausgehen war. Das peinlichste Einleilen
don Woche zu Woche hilft nichts; selbst dort nicht, wo sogar
Sonntags das Fleisch vom Küchenzettel abgesetzt war. Und
Schulden häufen sich auf Schulden, die ein Beamter frühe:
Jar, nicht haben durfte; ihre Tilgung — auf, der Wertbestän—
digkeit fußend — verzehrt bereits am Fälligkeitstage gam—
zafte Teile der Bezüge, die in vielen Fällen nach Zahlung der
Miete noch nicht in halber Höhe mehr in den Haushalt
fließen. Ist es auch ein Wunder? Ein planmäßis
aungestellter Beamter mitbis zu 183jährige:
Dienstzeit, verheiratet, verdient in der
Bruppe IlL 634 oder 659, in Gruppelllg 675
oder 701 Franken im Monat, während ein
ediger Staatsarbeiter mit6 Dienstjahren
und im Alter von 24 Lebensjahren rund
300 Franken bekommt. Wohlgemerkt! Nicht der
Arbeiter hat zu viel; auch ihn drückt Not; aber um wievpiel
Irößer ist Beamtennot, um wieviel drückender ist Beamten—
rmut und -Elend! Für solcke Anstellungs- und Besoldungs—
grundsätze ist kein Verständnis aufzubringen! Was haben
in den harten hinter uns liegenden Jahren, ganz besonders
iber in den lezien Monaten und Wochen die Beamtenfrauen
zeldentaten vollbracht im Rechnen und Einteilen, im Wirlen
ind Entbehren, damit der Mann weniastens noch einiger—
naßen dienstfähig blieb!
Die weiseste Formel, aus Kalorienberechnung hergeleitet,
neistert nicht die rauhe Wirklichkeit! Und noch die zeit—
ichke Ueberholung der dem Umrechnungsfaktor von 5,33 zu
Zrunde liegenden Erhebungstermine! Als die Regierungs—
»ommission diesen Beschluß gefaßt hat, war in den ihr vor—
gesegenen Notierungen der Brotpreis noch mit 1.95 Fr. pro
Zfund vermerkt; inzwischen bringt fast jedes Amtsblatt, der
segierungskommission eine Erhöhung auf 1.10, 145, 120.
125 und jetzt 1.30 Franken pro Pfund.. Und die Beamten—
chaft weiß noch nicht einmal, wann sie in den zweifelhaften
henuß selbst dieser „Er höhnummg“ kommt! Fünf Franken
reißig gestatteten am Bewilligungstage den Mauf eines
ünfpfündigen Brotes. heute nur noch eines vierpfündigen.
Wenn zwischen Bewilligung und Zahlung schon ein Fünftel
der Gesomtentlohnung in ihrem Recalwert zerschmilzt, wie—
el wird bei der nädsten Bewilligung“ noch übrig sein?
zeute hinkt die Beamtenbesoldung weiter hinter der Index—
erechnung nach. als früher hinter dem Börsenkurs. Tage⸗
veise machte die Bezahlung nach Börsenkurs noch nicht
Inmal'?0 Prozent der Reichsbezüge aus!, Ist bei, dieser
lintergrabung jeder Eristenzmöglichkeit nicht die Unruhe
Herechtigt, die sich der Beamtenschaft bemächtigt hat? Der
Beamtenschaft, die sich nicht auf Banken stürzt, um Guthaben
abzudecken, sondern verzweifelnd die Qurse verfolgt, weil ihr
Finkommen finkt und die Schulden steigen; die keine fremden
devifen erwerben kann bei den, wenigen exmseligen Franken,
Fie nicht einmal zum Leben reichen: die für keine Zukunfts
dedürfnisse Hamsterkäufe zu veranstalten in der Lage ist, weil
Aie Tücken der Vergangenheit und Gegenwart, an denen die
Schwere Gewitterwolken hängen über der saarländischen
ßeamtenschaft. Vor Wochen hat die Regierungskommission
hr mitgeteilt, daß die — überdies im April schon allzu
redrig auf Grund einer unannehmbaren Methode ercech—
neten Bezüge mit Wirkung vom 1. Juli ab erhöht und die
us der Erhöhung sich ergebenden Mehrbeträge im Laufe
des Monats Juli ausbezahlt würden. Weiterhin war in
Erfahrung gebracht worden, daß diese in Aussicht stehende
arhohung sich auf einen Umrechunasfaktor von 5.8 statt
7 stütze.
Woche um Woche vergeht. Fast jeder Tag bringt einen
reuen Rekord im Tiefstand der französischen Währung; 8,9,
10, 11 Franken und noch mehr kostet eine Reichsmark.
Panikstimmung wird sogar aus Innerfrankreich gemeldet:
Man stürzt auf die Banken zum Abheben der Guthaben,
nan erwirbt damit fremde Devisen oder käuft wild darauf
os, was nur zu haben ist. Instinktiv wird Schutz gegen
die InflationsVerarmung damit gesucht, daß man Zukunfts—
heduürfnisse, auch wenn fie erst in Jahren akut werden,
zefriedigt. Unwillkürlich flieht alles das Geld — den fran—
zösischen Franken, weil der mit dem Weltkrieg ihm bei—
gebrachte Wurmstich zu einem Fäulnisherd geworden ist,
velcher mehr als neun Zehntel seiner Substanz vernichtet hat;
aer können auch kurzweilige Haussen nicht hinwed—
äuschen.
Wenn selbst im französischen Volke der Appell zur Rettung
der nationalen Devise — des Franken — mit grimmigem
dohn belacht wird; wenn dort die Psychose der Flucht vor
)em Franken krassiert; wenn dort sich die Teuerungskrawalle
bdon Tag zu Taa steigern; wenn dort das Mißtrauen der
bieitestenn Massen Mimister um Minister, Kähinett um
Kabinett stürzt, um wieviel revoltierender müssen diese
Erscheinungen alle in der Saarbevölkerung wirken, der man
den Franken gegen ihren Willen aufgezwungen hat; die nicht
das Recht hat, die dafür verantwortlichen Minister abzujetzen;
bei der Instinkt und Vernunft von, jeher sich guf;
bäumen gegen Zumutungen, denen das arme französische Volk
noch bis vor Wochen zugänglich war.
Und erst die Beamtenschaft des Saargebietes mitten in
diesem Strudel! Auf sie trifft schon seiit Jahren das
Bibelwort anus Jesus Sirach 31. Kap. 13. Vers zu: und
denke nicht, hiet ist — was zu essen“. Weniger drastisch, als
er tatsachlich Lautet, geben wir den Spruch wieder! An allen
Enden fehit es am notwendigsten; nichts hat mehr, auch
venn es Nnoch so notwendig ist, ersetzt werden können, weil
ganz besonders in den unteren Besoldungégruppen die
Bezüge kaum zum Beschaffen der Nahrungsmittel und
Bezahlen der Miele ausreichten; unter den Preissteigerungen
den Tag zu Tag schwindet die Kaufkraft des Geldes, des
erhaßten, gegen dessen Einführung man seinerzeit mannhaft
in einer Urabstimmung protestiert hat, obwohl einem infolge
der regierungsseitigen Ablehnung jeder Erhöhung in Mark
249