Banz anders liegen die Verhältnifse im Saargebiet. Wer
chon als unbefangener Beobachter hier sieht, wie Luxus
und Wohlleben öffentlich zur Schau getragen werden, wie
in den Straßen ein Auto das andcre jagt, der wird schwer—
liich auf den Gedanken kommen, daß in diesem Lande das
Wirtschaftsleben darniederliegt und die sattsam bekannte
Notlage der deutschen Beamten im Saargebiet etwa hierin
ihren Grund haben könne. Warum tritt nun die
Oeffentlichkeit nicht bei der Völkerbundsregierung für eine
bessere Besoldung der Beamten ein, sondern steht mit der
gleichen Kälte beiseite wie in Oesterreich? Es handelt sich
hoch hier um deutsche Beamte, um Landsleute, die man nach
Abtkrennung des Saargebietes vom deutschen Verwaltungsörper
hier belassen hat, um dem Lande seine altgewohnte
Bedienung zu erhalten und die Auslegung der Gesetze im
ZSinne des deutschen Gesetzgebers zu bewahren. Warum setzt
denn das patriotische Herz der Saarbrücker Tagespresse, die
sonst so stolz und kühn für das ringende Deutschtum im
Auslande einzutreten weiß, plötzlich aus, wenn es sich un
die deutschen Beamten im Saargebiet handelt? Ja, liebe—
deser, Mitgefühl und völkisches Zusammengehörigkeitsge
fühl haben da eine gefährlich Klippe zu umschiffen, den
zigenen Geldbeutel. Gesetzt, man würde sich öffentlich für
eine Erhöhung der Beamtenbezüge einsetzen, so könnte dies
unter Umständen zur Folge haben, daß die Saarregierung
die Steuern (nicht die Lohnstener) erhöhen, die Gebühren
ür Benutzung der öffentlichen Einrichtungen, wie Post,
Telephon, Eisenbahn usw. entsprechend den tatsächlichen
Ldeistungen der Verwaltung steigern würde, und das wäre
für die Geschäftswelt doch unerträglich. Steuern und sen—
stige öffentliche Gebühren sind überall für die Geschäfts—
welt anscheinend von vornherein „unerträglich“ und man
muß sich wundern, daß sie doch noch ein ganz „erträgliches“
Dasein fristet. Gegen die Bedrückung der deutschen Minder—
heiten in Südtirol, gegen die Verelendung der österreichi—
chen Beamten ins patriotische Horn blasen, das sieht schön
rus, kostet kein Geld und tut nicht weh, aber gegen die
Entrechtung der deutschen Beamten im Saargebiet und ihre
Verelendung aufzutreten, daos ist ein geföhrliches Spiel mit
Feuer, bei dem der eigene Geldbeutel leicht Feuer fangen
önnte: deshalb Finger vom Abzug!
»lebt haben, das war doch im wesentlichen der „Abbau von
inten.“ Der Abau von oben, der nicht minder notwendig ist
sat bisher nur recht kärgliche Fortschritte gemacht. Der Kurs—
vert der deutschenw Aktäiengesellschaft ist auf ein Drittel oder ein
Viertel des Vorkriegsweries gesunken. Die Zahl der Aufsichts—
atsmotglieder hat sich im Zusammenhang damit nicht nur in dem
Jleichen Grade verringert, sondern sie ist ganz enorm gest'egen
das Handbuch der Divektoren und Aufsichtsräte verzeichnet die
on ihm aufgeführten Persönlichkeinen im seinem betzten Jahr—
ang auf mehr als 8000 Seiten gegen etwa 1800 Seiten im Jahre
918. Während nur ein gevinger Teil der Gesellschaften in der
zage war, seinen Aktionären für die Jahre 1924 und 1925 Div'—
enden auszuschütten, haben sich die Aufsichtsvatskolegien auch
ür den Fall der Dividendenlosigkeit durch Festsetzung von Min—
desttantiemen angemessene“ Vergütungen gu sichern verstanden
Die Zahl der Divektoren bei unseren großen Banken und Im
vustriegesellschaften, die in ihren unteren Schichtemn fehr radikal
dom Abbau ergriffen wurden, ist nur gang geringfügig verm'nder
vorden.
Die noch lange nicht ausreichende
Reinigung der Wirtschaft
Der Geschäftsbericht der Dresdner Bank für 1926 stellt folgen
ies fest: „Die Krise, die in der zweiten Hälste des Jahres 192
»on Monat zu Monat in steigendent Maße zum Ausdruck kam
eigte sich in einer starken Zunahme der Geschäftsaufsichten und
donkurse sowie der Arbeitslosigkeit. Bei dem Verschwinder
ahlreicher Unternehmungen ist zu beachten, daß Deutschland
jeute noch zu viele Betriebe aller Art aufweist, die im Rahmer
zines vernünftigen Wiederaufbaues unmöglich alle weiterbe
tehen können. So kamen in Hamburg im Jahre 1914 auf eine
eingetragene Firma 59 Einwohner, am Ende des Jahres 192
dagegen 89 Einwohner; im Jahre 1918 wurden in Deutschland
31600 Handels- und Industriebetriebe gezählt, im Jahre 102—
ꝛtwa 60 000. Auch im ersten Halbjahr 1925 war die Gründun—
»on Gesellschaften und Unternehmungen noch höher als durch
chnittlich vor dem Kriege.“ Man wird diesem Urteil, da es
»on einer Seite kommt, die schon rein geschäftlich das größtt
Interesse an einer blühenden und leistungsfähigen Wirtsschaf
jat, besondere Bedeutung beilegen müssen. Eine der Kernfragen
zer gegenwärtigen Krise ist der verminderte Absatz infolge der
erengten Kaufkraft. Ein „vernünftiger Wiederaufbau“ der
Wirtschaft wird diese Frage ihrer Lösung entgegenführen helfen
venn er alles tut, um unseren noch immer über Bedarf aus
geweiteten Erzeugungs- und Verteilungsapparat in normale
Ausmaße zurückzuführen
Beachtenswerte Feststellungen
Daͤe Aufblähung der Wirtschaft.
Während die wirtschaftlichen Kreise, die bei uns das Wort füh—
ꝛen, auf allen übrigen Gebieten immer mieder mit der Forde—
zung des Abbaues hervortreten, während sie namentlich der
Arbeiterschaft und der öffentlichen Staatswirtischaft gegenüber
ziücht müde werden auf eine Verringerung unproduktiver Lasten
hinzudrängen, haben sie sich und uns gegenüber noch memals die
Frage mit dem erforderlichen Ernst aufgeworfen: Was lostet
»er Voltswirtechaft dieser übersteigerte Apparat der Privatwirt—
chaft und was schadet er? Was wir bisher in der Wirtschaft
manckmal bis azum Grade der Brutalität getrieben) gesehen und
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schmecken vopzuqꝗlich. —
Viele Sopter! -
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