Full text : 1.1926 (0001)

möchte darauf einwirken, daß die deutschen Beamten in Ber—
in nicht darauf drängen sollten, daß ihnen von Berlin aus
ie Differenz bezahlt würde, die zwischen den Gehältern im
SZaargebiet und den Gehältern im Reiche durch die Franken—
währung im Saargebiet bestände. Er sagte wörtlich: „Die
derren müssen doch einmal sogial und vaterländisch denken,
denn malen Sie sich doch einmal aus, welch einen Ein—
druck es unter den Arbeitern machen würde
wvenn bekannt wird, daß die Beamten Gold—
markzuschüsse bekommen.“ Er schien sich dann zu
erinnern, daß er nicht allein war, brach also das Gespräch ab
und sagte seinem Gesprächspartner, daß er später wieder an—
rufen würde. ...“
Herr Hillenbrand, um dessentwillen seinerzeit im
Anschluß an die Unterstützung unserer Denkschrift an den
Völkerbundsssrat durch die Delegation der Saar—
bevölkerung bereits ein besonderer Schriftwechsel ge—
führt werden mußte, hält in Homburg Reden über Beam—
enfragen und gibt Erklärungen in den Zeitungen ab, was
unseres Erachtens sein gutes Recht ist. In dem Punkte
nur müssen wir Herrn Hillenbrand in seine Schranken
zurückweisen, wo er eine Rechtsbeugung zu Ungunsten der
Beamten befürwortet.
Auf der anderen Seite bemüht sich die „Saarbrücker
Zeitung“, der Unterstellung des Herrn Hillenbrand ent—
gegenzutreten, als ob die der Industrie nahestehenden
deutschen Reichsminister ihren Rat, den sie aus dem Saar—
gebiet benötigen, bei ihren Freunden holten. Gerade mit
der Saarbrücker Zeitung“ haben wir ja in der Vergangen
heit schon unsere eigenen Erfahrungen gemacht. Leitartikel
und dicke Ueberschriften kurz vor einer Wahl verfangen je—
doch nicht mehr; so vergeßlich ist die Beamtenschaft auch
nicht. Wie oft hat sie in der Vergangenheit in ihrer Net
auf die Unterstützung der gewählten Vertreter der Bevöl—
kerung gerechnet; das Urteil geht heute allgemein dahin:
Es war nicht weit her damit. Wir begrüßen es
außerordentlich, wenn die DeutschSaarländische Volkspartei
in einem Flugblatt bekanntgeben will, was sie schon alles
für die Beamten getan hat und noch zu tun gedenkt.
voffentlich tun das alle Parteien. Der Beamtenschaft läge
ehr viel daran, klar zu sehen, und sie möchte auch so gerne
veniger nach den Versprechungen als vielmehr nach
den Früchten urteilen.

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Von der Bundesleitung
A. G. Nr. 22. 6. 26. Saarbrücken, den 80. Juni 1926
An die Regierungskommission des Saargebietes
Generalsekretariat.
Saarbrücken 1,
Wir beehren uns, der Regierungskommission ergebenst folgen—
es zu unterbreiten:
In der Sitzung vom 28. Juni hat die Regierungskommissior
eschlossen, den Umrechnungsfaktor mit Wirkung ab 1. Juli zr
rhöhen.
Wir dürfen wohl bestimmt erwarten, daß mit diesem Beschluf
iuch die Absicht der Regierungskommission verbunden ist, nur
endlich vor Festsetzung des Umrechnungsfaktors mit der Vertre—
ung der Beamtenschaft über die Methode der Errechnung au ver—
andeln.
In der Eingabe vom 11. Mai haben wir der Regierungskom—
nission bereits die Basis gegeigt, auf der wir diese Verhandlungen
vünschen. Da die Regierungskommission bislang auf die wesent—
ichen Punkte dieser Eingabe noch nicht eingegangen ist, seher
vir uns veranlaßt, die dort gemachten Ausführungen mit Er
zänzungen zu wiederholen.
J. Zur Errechnungsmethode.
In dem Schreiben G. Nr. 2426/26 vom 20. Mai gibt die Re—
zierungskommission an, daß die bisherige Rechnungsweise zur
Feststellung der Umrechnungsziffer bei den Verhandlungen in
Baden-Baden „nach vorangegangener eingehender Prüfung der
Angelegenheit von allen Gesichtspunkten aus endgültig festgelegt
vurde“, Diese Ausführungen decken sich mit den früheren Hin—
veisen von Seiten der Regierungskommission, daß die Vertreter
er deutschen Regierung in Baden-Baden die jetzige Errechnungs
nethode als unanfechtbar bezeichnet haben.
Hier muß ein offenbares Mißverständnis vorliegen, denn in—
wischen haben wir einwandfrei festgestellt, daß bei den Verhand
ungen in Baden-Baden von den Vertretern der deutschen Regie
ung gegen die jetzige Art der Festsetzung der Beamtenbezüge Be—
denken vorgebracht worden sind. Da die Rechnungsweise zur
Feststellung des Umrechnungsfaktors in der Abrede von Baden—
ßaden nicht schriftlich niedergelegt worden ist, dürfen wir er—
varten, daß die Regierungskommission zum allermindesten die in
Baden⸗Baden mündlich gemachte Zusage einhält, nämlich daß bie
zur Stabilisierung des Franken die saarländischen Beamtenbezüge
zis an die Greuze des Möglichen an die deutschen angepaß—
verden.
Die Einlösung dieses Versprechens verlangt aber eine sofortige
Abanderung oder Ergaͤnzung der bisherigen Berechnungsmethode
deil die Kaufkraft der jetzigen Beamtenbezüge von Monat gzr
Monat immer mehr hinter der der deutschen Beamtenbezüge zu
ückbleibt.
Die Gründe hierzu sind aus folgenden Einwendungen ersichtlich
1. Hinsichtlich der Zahlen der Errechnungsmethode.
Zur Festsetzung der Gehälter der Sgarbeamten werden di
Reichsgehälter mit einem FJaktor umgerechnet, der nach folgende
Formel ermittelt wird: Absolute Teuerungszahl des Saarge
dietes dividiert durch absolute Teuerungszahl des Reichs.
Die Reichsteueruugszahl ist ein gewogenes Mittel aus der
deuerungszahlen von 72 Eildienstgemeinden. Die Teuerungs
derkältnijsse dieser Gemeinden weichen jedoch sehr von einande:
1b. Es bestehen Unterschiede bis zu 28 Progent, bedingt durch
die Kopfzahl der Bevölkerung (Größstädte, Kleinstädte), die wirt
schaftliche Lage und die Art der Beschäftigung der Einwohne
reine Industriestädte, Städte in Landwirtschaftsgebieten), die geo
zraphische Lage (Grenzstädte, Städte im Inland. Küstenstädte
Städte im Binnenland).
Dagegen weisen die Teuerungsverhältnisse der zum Vergleie
jerangezogenen Gemeinden des Saargebietes wegen der geringe
usdehnung des Gebietes und der durchweg einheitlichen F
safligungsart der Bevölkerung keine wesemlichen Unterschied
auf.
Die Teuerungszahl der Saargebietes, einer eingigen Vin
schaftseinheit, kann demnach nicht mit der Re chodurch vnitua
sondern müßte mit der Teuerungszahl einer Stadt der Ortsklas
A mit gleichen Verhältnissen verglichen werden.
Zum Beweis für die Richtigkeit vorstehender Aus tührunge
folgendes Beispiel: Bexlin ist Sonderklasse und bestimmt im Ve—
gleich zu der Mehrzahl der Reichsstädte eine teuere Stadt.
Die Indexgziffern für die Lebenshaltungskosten der Stadt Ber
lin betrugen im Monat Februar 187,6 gegen 188,8 im Reichein
Monat Märg 1268 gegen 188,8 im Reich, im Monat April
gegen 180,6 ĩm Reich, im Monat Mai 127,1 gegen 489,9 im Rei

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