jegenüber dem Reich maßgebend. Die in der Verfügung
der Regierungskommission vom 31. März angeführten Argu⸗
nente sind überdies nicht zutreffend: es ist nicht der Urlarhb.
vie ihn die Reichbahn gewährt; die Saareisenbahnbeamten
ind keine Reichsbahnbeamten, sondern beurlaubte Reichs⸗
zeamte; in erschreckend vielen Fällen ist der Achtstundentag
nicht eingehalten oder auch nicht einzuhalten.
III.
Sodann zur Besoldungsfrage! Wir konnten in unserer
etzten Nummer gerade noch die Druckpressen einhalten und
)ie Mitteilung mitgeben, daß ab 1. Ju Ti der Umtechnungsjakter
geändert würde, und daß die Juligehället am
W. Juni ausgezahlt werden. Warum wurde nicht wemastens
chon am 26. gezahlt? Der Samstag ist der leuerfte Tag
n der Woche; wer Samstags kein Geld hat, hat auch am
Sonntag kein Stück Fleisch. Und das war bei der großen
Mehrzahl der Beamtenhaushalte trotß sparfamster“ Wiri.
chaftsführung und trotz aller Sinschränkungskünste der Fall.
Wieviel Bitterkeit dadurch ausgelöst werden mußte, hatten
die Herren sicherlich nicht bedacht. Von den Junibezügen
jaben die Beamten schon vier Tage im Mai leben müssen;
eder noch so gewaltsam durchgeführte Wochenvoranschlag
ist durch die spprunghaften Preissteigerungen glatt über den
daufen gestoßen worden; kein noch so sorgfältuges Einteilen
jatte innegehalten werden können; der Brolpreis allein
vpurde mehrfach erhöht. Dazu Einmachzeit und kein Geld.
Die Drosselung der vorsorglichen Ausgaben in der Zeit des
dne muß sich im Winter als verhängnisvoller Irrtum
ꝛrweisen.
Oder soll aus dem Termin bereits auf die Höhe der
geplanten „Aufbesserung“ geschlossen werden können? Zum
nmindesten müssen wir doch in Anspruch nehmen, daß die
ommende Tabelle von einem früheren Termin ab in Kraft
gesetzt wird, daß man die Beamten auch auf einen früheren
Kealstand ihrer Gehälter wieder bringt, daß man die
Zurchführung nicht mehr, wie es bisher fteis der Fall war,
hinzieht, bis die Beamtenschaft mittellos und schon dadurch
hre Führung bei den Verhandlungen beengt, beklommen ist
und kaum Zeit hat zur Stellungnahme. Wir müsfen dies
mal auf ein wirkliches Verhandeln den größten Wert legen;
es darf nicht nach dem Sprichwort „Vogel friß oder fuürs“
zugehen. Hoffentlich deckt die Regierungskommission deshalb
hre Karten noch vor ihrer Berluner Konferenz zum erften⸗
nal auf, damit der Vertretung Zeit zum Ueberlegen bleibt.
Hier müssen wir einige Gedanken arundsäßlicher Art ein
chalten. Anfang April wurde bekannt, daß die Regierungs⸗
ommission sich über einzelne Abhandlungen unserer Zen—
chrift mächtig entsetzt habe. Diefe Ausführumgen jedoch
jaben einem System gegolten, nicht einzelnen Verfonen Von
m Personenwechsel am J. April haben wir auch einen
Systemwechsel erhofft und frohen Herzens der Beamtenschaft
on einem neuen Kars“ Kunde degeben und sie ehrlich
ebeten, den Glauben daran aufzubringen, als wir in den
Leußerungen gelegentlich der Antrutsbefuche Anhaltspunkte
dafür gefunden zu haben glaublen. Gerade die Be—
handlung der Besoldungsfrage war es dann, die die Gemüter
vider Erwarten rasch wieder aufregen mußte. Wenn wir
eshalb vor drei Wochen an dieser Stelle das Fazit aus dem
neuen Kurs“ ziehen mußten, so geschah es im vollen Gefühl
r Verantworlung gegenüber der Begaitenschaft, die unser
Organ geschaffen hat, damit es ihre Interessen notwendigen⸗
alls unter Inanibruchnohme und Innehballung der preffegesetzlichen
Freiheiten und Pflichten über den Rahmen eines
reinen Informationsdienstes hinaus wahre. Wir ketonen
edoch ausdrücklich, daß wir lieber Fortschritte als Rückscheitie
»erzeichnen, daß wir lieber anerkennen als geißein. In
inserm Organ spricht die Beamtenschaft; deutlich und kat
vendet sie sich darin an alle, mit denen sie fich befassen muß.
Hier läßt sie den tiefsten Grund ihrer ofl gepeinigten Seele
einsehen und alle Regungen regiftrieren. Möge die kom—
mende Besoldungsregelung den dringendsten Erfor—
dernigssen Rechnung tragen, die so lang ersehnte fühl—
bare Erleichterung bringen und endlich die so notwen-—
dige Ruhe gewährleisten! Dann werden wir von selost
der Regierungskommission dieserhalb keinen Grund mehr
zur Klage geben.
In diesem Zusammenhang nur noch eine Frage! Wir
wissen ja, daß die Regierungskommisfion noch genug Auf—
gaben zu erfüllen hat gegenüber den geliehenen deutschen
Beamten, die in ihren eigenen Diensten stehen. Im Saar—
gebiet unterstehen jedoch noch eine erhebliche Zahl deutscher
Beamter der französischen Bergwerksdirektion. Aus der
Besprechung in Berlin wissen wir, daß deutscherseits eine
Intervention geplant ist. Von dem Willen der französischen
Regierung hängt es letzten Endes ab, ob etwas geschieht oder
nicht. Angesichts der kläglichen Verhältnisse, die für diese
Beamten bestehen und angesichts der Pflicht der Regierungs—
kommission für die Wohlfahrt der Bevölkerung zu sorgen
zrachten wir es als ein Leichtes, die guten bestehenden
Beziehungen zur Bergwerksdirektion und nach Paris zum
Wohle auch dieses Bevölkerungsteiles gauszunutzen.
1VY
Im übrigen können wir heute feststellen, daß die Frage der
Saarbeamtenschaft fast überall erörtert wird. Die Kund—
gebung vom 30. Mai, der Empfang beim Reichskanzler, der
Prozeß und auch unsere Zeitschrift haben dazu beigetragen.
Wie oft hieß es früher, die ganze deutsche Presse müsse mobil
gemacht werden. Und doch wie schwer ist ein solches Unter⸗
angen, für das ein paar Wolffdepeschen bei weitem nicht
genügen! Sogar französische Zeitungen befassen sich mit
dem Problem. Recht beachtliche Ausführungen brachte die
Lothringer Volkszeitung“ (La Libre Lorraine) vom 19. 6
Die deutsche Fachpresse stützt sich vielfach auf unser Organ;
die Tagespresse schöpft ebenfalls daraus und fordert Kom—
mentare ein. Im Saargebiet selbst vergeht zurzeit kaum
ein Tag, der nicht irgend eine Einsendung in dieser oder
ener Zeitung bringt.
Daran ist der Wahlkampf mischuldig. Besonders interes—
sant ist der Hader zwischen den Vertretern christlicher Ge—
werkschaften und der Wirtschaft. Auf der einen Seite
vissen wir, daß bereits ver einem Jahr das Wort geprägt
vurde: „Wenn ein Beamtereinen Pfennigbe—
kommt, marschieren 75000 Bergleute nach
Berlin.“ Die „Straßburger Neueste Nachrichten“ brin
gen unter der Ueberschrift „Herr Kuhnen und die
Annäherung“ am 17. Juni Tagebuchaufzeichnungen
vom vorigen Jahr, denen wir folgenes über Herrn Kuhnen
entnehmen:
„... Zur rechten Zeit für ihn unterbrach ihn ein Telephon—
anruf. Er hatte mit einem Herrn, den er Herrn Doktor an—
redete, ein längeres Gespräch und beschwor diesen Herrn, e
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