Besetzung von Konrektorstellen
Folgender Erlaß des preußischen Ministers für Wissenschaft,
4unst und Volksbildung vom 5. Märs U III D 829. 1 ist be—
nerkenswert:
In dem Runderlaß vom 30. April 1925 — U III. D 965 —
Zentrbl. S. 157) ist die Regierung (das Provinsialschulkol⸗
cgium) ermächtigt worden, die Besetzung der neugeschaffenen
Zlellen für Konrektoren (Konrektorinnen) an den öffentlichen
nittleren Schulen insoweit zu genehmigen, als es sich um die im
Nittelschullehrer-Diensteinkommensgesetz vorgesehenen Mußstellen
lje eine Stelle an jeder öffentlichen mittleren Schule mit minde—
kens vier hauptamtlichen Lehrkräften) handelt. Die sogenannten
Kannstellen waren mit Rücksicht auf die noch in Geltung befind—
iche Anstellungs- und Beförderungssperre von der endaültigen
Zesetzung bisher ausgeschlossen.
Die gesetzliche Möglichkeit zur Errichtung von Konrektorstellen
in den Mittelschulen ist erst so spät geschaffen worden, daß
ije sich wegen der unmittelhar darauf einsetzenden Beförderungs—
perre nicht mehr auswirken konnte. Wenn die Lehrer und
Lehrerinnen dieser Schulen darüber Klage führen, daß sie infolge
zieser Sachlage nicht in die für sie vorgesehenen Beförderungs—
tellen eintücken können, während andere Beamtengruppen sich
ängst im Genuß derartiger Beförderungsstellen befinden, so kann
ziesen Klagen eine gewisse Berechtigung nicht abgesprochen
verden.
Im sinblick hierauf will ich im Einvernehmen mit dem Herrn
Finanzminister genehmigen, daß auch die Konrektorstellen (Kon—
tektorinnenstellen) an den öffentlichen mittleren Schulen — ohn—
Unterschied, ob diese Stellen inswischen bereits eingerichtet sind
»der in der Folgezeit neu geschaffen werden — sofort endgültig
hesetzt werden können, wenn für diese Besetzung ein dringendes
Bedürfnis besteht und dabei nicht eine Vermehrung der Schul—
tellen eintritt, sondern die Konrektorstellen durch Umwandlung
»infacher Lehrerstellen geschaffen werden. —
Das Verhältnis der Lebenshaltungskosten
zum Einkommen in den kleinen Haushalten
Eine Erhebung, die das Statistische Reichsamt, im Jahre 1907
n 852 Einzelhaushaltungen veranstaltete, stellte fest, wie sich das
kinkommen auf die einzelnen Bedürfnisgebiete der Lebenshal⸗
ung verteilte. Es handelte sich bei dieser Feststellung um
Arbeiter- und Beamtenhaushalte, denen Einkommensstufen von
200 bis 5000 Mk. zugrunde gelegt waren. Hieraus ergab sich,
daß bei den Einkommen bis zu 1600 Mk. rund 548 Prozent
ür die Ernährung ausgegeben werden mußten, während unter
en jetzigen Verhältnissen der Kostenanteil für Ernährung bis zu
zer gleichen Einkommensgrenze 66,6 Prozent beträgt. Der
dostenanteil für Bekleidung betrug 1907 rund 9,5 Prozent, jetzt
zeträgt er 13,6 Progent. Die Ausgaben für Heizung und Be—
euchtung betrugen 1907 ungefähr 5,5 Prozent, jetzt betragen sie
m Durchschnitt 7,5 Prozent. Die wichtigsten Bedarfsgebiete der
Lebenshaltung sind natürlich allgemein erheblich verteuert wor—
den, nur ist der Steigerungsprozentsatz zum Gesamteinkommen
nn den kleinen Haushalten höher als bei den über der Grenze
don 1600 Mk. liegenden Einkommen. Wenn demnach die unteren
kinkommensgruppen durch die zum Lebensunterhalt unbedingt
otwendigen Ausgaben jetzt in noch stärkerem Grade belastet
werden und einen noch größeren Anteil vom Gesamteinkommen
hierfür aufzubringen haben als in der Vorkriegsszeit, so ist damit,
venn die Produktivkraft der breiten Schichten erhalten und
gehoben werden soll, die Richtung der zu ergreifenden Maßb—
nahmen innerhalb der Lohn- und Gehaltspolitik gewiesen. Be—
onders sollte die Regierung in ihren Besoldungsgrundsätzen der
Notwendigkeit einer von unten aus einsekenden soziolen Hehung
»r Roamton Rechnuncg trogen
Die beginnende Banksklaverei der großen
Konzerne
Von Prof. Dr. Gusstach Mahr-Heidelberg
Sandelshochschule Mannheim.
Zur gleichen Zeit, zu der man-aus den Bilanzen der deutschen
roßbanken für das Jahr 1924 entnehmen kanmn, was gu er—
vorten war, daß ihnen und nicht minder der Reichsbank das Jahr
des Zinswuchers unter dem Vorwand der Krediteinschränkung
nit dem Zwecke der Währungsstabilisierung Riesengewinne ge—
hwacht hat, fallen die großen Industriekongerne der Macht der
zanken zum Ofer Gihe Uehedraschung biefen des für die Leser
eser Berichte sicherlich nicht denn schon im Degembers1023 und
m Januar 1924 wurde die Industrie in den Berichten und in
jffentlichen Vortüägen davor gewarnt, daß sie bei Buldung des
Ageheuren Zinswuchers, der mit Errichtung der Festwährung
ruftrat, dem mobilen Kapital zum Opfer fallen müsse, weil solche
zinsen nicht erarbeitet und bverdient werden können, und weil
er Wucher in kurzer Zeit durch die wirtschaftliche Untragbarkeit
um Zusammenbruch führen müsse. Es ist begeichnend aber nicht
iberraschend, daß die Reichsbank mit ihren, Riesengewinnen in
»er Lage ist, unter der persönlichen Führung des Herrn Dp.
S„chacht, heute die Hand über den Stinnes-Kongern zu halten,
oährend man der übrigen Wirtschaft sagt, daß sie unter dem Einlusse
des Geldbedarfs der Sanievung dieses großen Kongernes
ür längere Zeit mit erheblicher Kuediteinschränkung rechnen
nüsse. Die Lösung der Festwährung, die man uns im Jahre
28 mit einem ungenügenden Geldumlauf gegeben hat, mußte
m Interesse der Banken eine ungenügende sein, denn nur so
onntde man die Wirtschaft von der Geldseite her ganz in die
vewalt bekommen. Aber die Schwerindustrie, die vorher mit
dilfe der Reichsbank auf Grund des Wechselkreditwuchers und
uf Grund der Mark — Mark ungeheure Sachwerte an sich ge⸗
üssen hat, wofür allein schon das gewaltige Anschwellen des
Stinnes Kongerns ein Beweis ist, hatte bei Schaffung der Fest—
vährung nur die eine Sorge, die errungenen Sparerwerte zu
ehalten. Deswegen hat sie übersehen, den Kampf gegen den
zinswucher und damit von selbst auch gegen die ungenügende
Währungsorganisation von Anfang an zu führen, und die Folgen
avon hat fie heute zu tragen. Es wäre völlig unangebracht,
nit ihr heute irgendein Mitleid zu verspüren. Sie hat sich in
iesigen Umfang durch Nutznießung der Rechtlosmachung des
parenden Volkes übernommen und hat eine so ungesunde Ueber—
rannung der Konzentration der Konzgerne, d. h. eine solche
leberhebung des persönlichen Kapitalismus herbeigeführt, daß
etzt die Gegenwirkung kommen muß. Die Ausschaltung der
S„parer durch den Inflationsbetrug war eine Handlung, deren
dachwirkungen heute noch nicht abgeschlossen sind. Die Torheit
ind der Uebermut, die in der Verneinung des anteiligen Rechtes
es sparenden Volkes an der Wirtschaft sich bekundeten, haben
virtschaftliche Kräfte außer acht gelassen. die man im Ermät⸗
richt enübehren dann.
Aus den Händen des Herrn Dr. Schacht, der von den Banken
estellt ist, die gesunnd aus der Inflation und aus der Währungs⸗
labilisierung herausgekommen sind, wie die trotz der Wiederauf⸗
aunot glänzenden Bilangen und Dividenden der sieben deutschen
Broßbanken und der Reichsbank für das Jahr 1924 beweisen.
verden die verschiedensen Kongernstücke des Stinnes-Kongerns
wch micht heil hervorgehen, wenn man nicht zur Einsicht kommt,
aß man die Pulsader der Wirtschaft durch die schamlose Aus⸗
haltung der Sparer unterbunden hat. Den Banken und der
deichsbank wird die Sanierung des Stinnes-Kongerns und der
ibrigen Konzerne nicht ichlecht bekommen, ihnen wird es weiter
ut gehen.
Das Volkseigentum ist vernichtet, seiner Majestät dem inter
Ationgalen berfönbichen Kapitfalismus gehf es besser denm ie
Die Preisdiktatur der Kohlensundikate
Die Preisdiktatur der Kohlensyndikate wurde bei einer Gerichtscrhandlung
in Würsburg recht drastisch beleuchtet. Zugleich guch
ie Ohnmacht der Reichsregierung gegen die kapitalistischen Kon—
evne. Die dortige Konsumgenossenschaft verkanufte nach den Ve—
ichten der Würzburger Tageszeitungen Kohlen und Briketts an
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in seine Kundschaft. Der Konsumgenossenschaft ging ein Schrei—
den der Würzburger Kohlenhändlervereinigungen zu, in dem die
Benossenschaftf aufgefordert wurde, ihre Kohlen nicht unter den
von der Kereinigung nach den Richtlinien des Reichslkohlenver—
»aAndes festaeseßten Vreisen abß ugeben. Im Falle der Nichtein,
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lche vernünius
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