schönster Harmonie verlaufen wäre u. hinterher nur die ewig
unzufriedenen Beamten ohne jeglichen Grund krakeelen
würden. Wenn das das Zeichen eines neuen Kurses sein
soll, daß neben Uebersetzungs- und Hörfehlern man nun auck
noch vollständig von den Ausführungen des eigenen Ver—s
treters abrückt, dann ist der neue Kurs bedeutend schlechter
als der alte. Er läßt auf eine Mentalität schließen, die
frühes oder später ein Verhängnis heraufbeschwören muß:
nämlich auf offene Mißachtung.
Und dann erst der Schlußsatz: Die Regierungskommission
sieht sich zur Zeit außer Stande, dem Antrag auf Aufnahme
von Verhandlungen Folge zu leisten. So hat der Beamten
pitze bisher nuu einer geschrieben; Präsident a. D. Rault
Wir bedauern lebhaft, dies feststellen zu müssen. Ihm haber
pir diese Menschenscheu später nicht mehr so übel genommen
nachdem er eine allgemeine Ablehnung erfahren hatte.
Schließlich kann man auch schon einmal auf einen Korb stolz
sein, den man von einer bestimmten Seite bekommt! Aber
in diesem Falle ist der Korb, den die Beamtenschaft damit
bekommen hat, nicht zu unterschätzen, weil erst vor wenigen
Wochen gerade von der Regierungskommission ein neuer
durs als Osterbotschaft angekündigt und von der Beamten—
vertretung bekanntgegeben worden ist. War der ehrlicht
Widerhall, den er ausgelöst hat, Grund für das Einschlagen
einer Politik, bei der man dem Gegner den Daumen ins
Auge drückt? Um einen bedeutenden Trumph moralisch ge—
tärkt, steht die Beamtenschaft des Saargebietes da.
Die Einstellung der Regierungskommission verrät auch eine
aunglaubliche Rückständigkeit. Ueber das feste Gefüge der
Organisationen verrät sie ihren Unwillen. Durch eine ver—
staubte Brille betrachtet sie die Berufsvereinigungen und ver—
mag auch heute ihrer Arbeit und ihren Aufgaben, die sie sich
gesetzt haben, noch kein Vertrauen entgegenzubringen. Die
Politik einer Regierung, welche die hohe kulturelle, ethische
ind wirtschaftliche Bedeutung der Organisationen nicht aner—
ennt und beachtet, muß im Zeitalter des Völkerbundes als
inverständlich, ja als volksfeindlich bezeichnet werden. Da—
nit werden wirtschaftliche Schwierigkeilen nicht überwunden,
sondern nur vergrößert, weil unter den so ausgelösten Span—
nungen sich die Dinge nur härter im Raume stoßen und
letzten Endes jegliche Erfüllung sozialpolitischer Pflichten da—
durch dem Staate selbst unmöglich wird. Wenn wir aus
Grundsätzlichkeit oppositionell eingestellt wären, würde uns
das Verhalten der Regierungskommission nicht wundern;
wir würden es sogar vielleicht begrüßen mit dem Wunsche:
Mache nur so weiter! Aber angesichts des guten Willens,
den die Beamtenschaft mehrfach bezeugt hat, ist nur ein leb—
haftes Erstaunen am Platze. Unser letzthin ausgedrückter
Wunsch, daß die Weisheit der Regierungskommission ein
Kopieren ihrer Handlungen von früher verhüten möge, hat
sich noch nicht erfüllt. Der neue Kurs der Regierungskom—
mission vermehrt zwar zunächst die Schwierigkeiten, er ver—
gößert die Not und das Elend unter der ihr immer noch
reu dienenden Beamtenschaft, die sich auch bei dieser Abfuhr
zunernem „Und trotzdem“ kraft ihrer seelischen Größe aufzu—
raffen vermag. Aber das sei der Regieimngskommission des
Saargebietes heute ins Stammbuch geschrieben: Der durch
Not und Elend fest gekitteten Beamtenschaft lassen sich die
auf Hunger und Recht aufgebauten Forderungen nicht lange
mehr ablehnen.
—
—W
—J—
d ——
— —
— A
D
5
—N
F
Von der Bundesleitung
Berlin, den 21. Mai 1926
Sehr geehrter Herr Schneider!
Ihr Telegramm vom 19. ds. Mts. ist zwecks Prüfung be—
chleunigt dem Reichsfinanzministerium zugeleitet worden
Mit vorzüglicher Hochachtung
(Unterschrift.)
II.
züro des Reichspräsidenten. Berlin Wes, den 31. Mai 1926
Nr. Ar 63/26 III. Wilhelmitr. 78
Hierdurch teile ich Ihnen ergebenst mit, daß Ihr Telegramm
»om 30. d. Mts. im Auftrage des Herrn Reichspräsidenten ar
das Auswärtige Amt weitergeleitet worden ist.
Im Auftrage
(Unterschrift)
An die Aurbeitsgemeinschaft der Beamtenverbände
des Saargebiets
z. H. Herrn Schneider
Saarbrücken
III.
stegierungskommission des Saargebietes.
Generalsefretariat GG S. Nr. 2656.
Saarhrücken, den 4. Juni 1826
SEchloßplatz 15
Au die Arbeitsgemeinschaft der Beamtenverbände
des Saargebietes
3. H. des Beamtenbundes
Saarbrücken2
St. Johannerstr. 855.
Die Regierungskomnrission bestätigt den Empfang Ihres Schres—
ens vom 80. Mai 1926, A. G. 18. 5. 26, mit welchem Sie der—
elben den auf den beiden zu Saarbrücken abgehaltenen Versamm—
ungen vom 30. Mai gefaßten Beschluß übermittelten.
Dieser Beschluß bildete den Gegenstand einer eingehenden Prü—
ung in der Sitzung der Regierungskommission vom 2. Juni 1986.
In Bezug hierauf weist die Regierungskommissson darauf hin,
aß die betzte Gehaltserhöhung mit Wirkung 'ab 1. Aprill 1926
rfolgt war. Sie bemerkt ferner, unter Begzugnahme auf ihre
rüheren Mitteilungen, und insbesondere auf ihr Schreiben vom
9. Mai, G. S. 2586/A., daß die Lage des Haushalts eine allbmo,
atlich zu erfolgende, automatische Steigerung des Umrechnungsaktors
nicht gestattet.
Unter diesen Umständen sieht sich die Regierungskommession
zur Zeit außerstande, Ihrem Antrage auf Aufnahme von Ver—
andbungen Folge zu leisten.
Im Auiftrage der Regierungskommission
Der Generalsekretär: Pierrotes
Anmerkung: Bundesleitung und Arbeitsgemeinschaft haben zu—
jetzigen Lage bereits Stellung genommen; das Ergebnis der
ersten Schritte wird in der nächsten Nummer mitgeteilt werden
5
— 7—
*
7
TEN 6t ——n
1
1 .
245*
—
———— — —— — —— — — —————— — —
— — —— ——— — —— — — — — —— — — ——— — — — —— ———— —
————— — — — — — — — —— ————— —
— — — — ——— ——— — — —
sss &
—Z