Des Begomtenbonnd
Der Beamtenbund erscheint wöchent⸗
lich einmal, und zwar Samstaas.
Redaktionsschluß, auch für Anzeigen,
drei Tage vor dem Erscheinungstage.
Zeitschrift
des Beamtenbundes
des Saargebietes
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ĩ. Jahrgang
TSGaarbrũden, den 29. Ma 1926
Nummer 2
Auf zum Saalbau!
vor den Schulden, die bedrohte Gesundheit, der Hunger
und der knurrende Magen.
Ohne Rücksicht auf die gewerkschaftliche Richtung der
nnerhalb der Arbeitsgemeinschaft vertretenen Verbände
— ein besonders für die Regierungskommission bedeutsames
Moment — muß die Beamtenschaft in ihrer Gesamtheit
ich am morgigen Sonntag mit folgenden drei Fragen
beschäftigen:
Reichssregierungund Saarbeamtenschaft,
die NRot der Beamten der unteren Be—⸗
soldungsgruppen und
Regierungskommission ünd Beamtenschaft.
Es ist nicht mehr länger erträglich, daß die Reichsregie—
zung von Monat zu Monat keine Entscheidung trifft,
eine Farbe bekennt; mit Ressortbesprechungen, allein ist
ins nicht gedient. Die Geduld kann nicht' bis 1935 er—⸗
jalten bleiben; dafür ist die Gegenwart zu hart und zu
zntbehrungsreich. War das im Jahre 1920 gegebene Ver—
prechen ernst? Dann muß auch der Wille vorausgesetzt
werden und sich ein Weg finden. Oder haben die Recht,
die heute schon sagen: In Baden-Baden haben sich zwei
zgeeinigt, daß der dritte nichts bekommt? Soll das als
himndendes Recht geltende Versprechen gegenüber der Be—
amtenschaft noch nicht einmal soviel praktischen Wert haben,
wie die anderen Berufsschichten gegenüber bereits in
lingende Münze umgesetzte Rücksichtnahme ohne Kabinetts—
»eschluß?
Das ständige Sinken des Realeinkommens der Beamten
n den unteren Besoldungsgruppen — seit 1923 von Rege—
ung zu Regelung unablaͤssig und unerbittlich — hat schon
mmer die einzelnen Verbände mit besonderer Sorge erfüllt.
Fine Wertminderung ist gerade dort am schlechtesten zu
ertragen, wo prozentual der größte Teil der Besoldung
ür Nahrungsmittel aufgewandt werden muß. In klarer
Erkenntnis dessen hat der Beamtenbund stets die Forde—
rung vertreten, die Grundzahlen in den unteren Besol—
dungsgruppen zu erhöhen. So lange nicht allgemein nach
dem Börsenkurs gezahlt wird, hätte eine solche Maßnahme
eine stetere Bürgschaft gegen Not und Elend geboten, als
zin von Regelung zu Regelung angegriffener verschiedener
Umrechnungsfaktor.
Vieles steht auf dem Spiel! In einer
tarken Kundgebung muß nach beiden
Fronten gewirkt werden. Wem es gut
zenug geht, der kann zu Hause bleiben!
Wer fernbleibt, weil er keinen Bekenner—
mutaufbringt,der hatkein Recht zu Klage
und Kritik! Möge in der Stunde der Not
die Saarbeamtenschaft einig und stark den
rechten Weg bestimmen und auch zu den
chwersten Entscheidungen ihren Führern
klare Vollmachten geben im
Saalhau zu Saurbrücken am 30. Mai, 10 Uhr vormittags.
Der Kreuzesweg der saarländischen Beamtenschaft ist un—
heimlich Lang! Im Aufbieten von Geduld ist bereits die
Grenze des Menschenmoglichen überschritten. Und immer
drüdtender wird die Last, immer schwerer das Los. Vor
2c Jahren hat die Regierungskommission durch ihren Ver—
treter die Rechtskraft des Artikels 31 des Beamtenstatuts
in Frage gestellt; ein Jahr später kam der Prozeß. Auch
er drachte kaum eine fühlbare Erleichterung. Allein die
Tatsache, daß das Wenigé erst vor Gericht hatte erkämpft
werden müssen, spricht Bände. Dann kam die große Trost—
pille „Vaden-Baden“, die sich als furchtbare Enttäuschung
erwies. Das kärgliche erste praktische Ergebnis, daß die
sozialen Bestandteile der deutschen Besoldungsregelung auch
im Saargebiet Anerkennung sanden, wird weit und tief
überschattet von dem Gesamtumrechnungskurs, der der Be—⸗
amtenschaft ein Dasein gestattet, wie wenn sie alchimistischen
Uebereiferern als Versuchsobjekt überantwortet wäre, mit
welcher Mindestdosis eines chemischen Präpatates der Orga—
nismus gerade noch am Leben erhalten wird. Verkannt
wird die valutarische Bedeutung des Bezahlungsproblems;
auf nichtamtlich erhaltenen Zahlen wird aufgebaut;
monatelanges Nachhinken wird zur Selbstverständlichkeit.
Dazu in allen nebenhergehenden Entscheidungen ein eisiges
Ablehnen ohne logische Begründung oder ein Hinhalten,
welches deutlich erkennen läßt, daß man nur ungern
konzediert. Längst schon wird gedrängt, den zweiten — und
letzten Trumpf noch auszuspielen, der der saarländischen
Beamtenschaft zur Verfügung steht, die Haftbarmachung
der Heimatregierungen auf Grund der Kabinettsbeschlüsse.
Eine Schwalbe schießt über den Boden: im Bayerischen
Landtag stellen Kartofiel, Eisenbeiß und Genossen eine
kleine Anfrage ob der ins Saargebiet beurlaubten baye—
rischen Beamten. Eine Schwalbe bringt den Sommer nicht.
Das Unwetter bricht los: die Regierungskommission be—
schließt ke ine Erhöhung der laufenden Bezüge, keine
Auszaͤhlung vor Pfingsten. So stand es!
In anonymen Flugblättern wird zur passiven Resistenz
aufgeforderi! Durfte es überhaupt dahin kommen, daß so
etwas möglich war?
Bundesleitüung und Arbeitsgemeinschaft erkennen den
Ernst der Lage an: Es kann so nicht mehr weiter
gehen. Man telegraphiert nach Berlin und bereitet hier
die Möglichkeit vor, daß die gesamte Beamtenschaft Gelegen—
heit hat, den Weg zu bestimmen, der von nun an ein—
zuschlagen ist. Enttäuscht wie Baden-Baden hat Berlin
und auch die neue Regierungskommission. Das sind die
Zeichen der Zeit!
Der aktive Zweifrontenkampf ist in Sicht! Wahrlich
Mutwille, nicht Rechthaberei, nicht Aebereifer, nicht
abanquespiel sind es, die die Erörterung heraufbeschworen
ahen. sondern das Ringen ums Dasein, die unterhöhlte
Eristenz, die Angst vor dem — Gasmann, das Enisetzen