Full text : 1.1926 (0001)

Die Rede löste stürmischen Beifall aus. Auch von anderer
Seite wurde gesprochen. Wir werden immer munterer. Der
gute Wein! Die Kapelle spielt rheinische Weisen. Der Saa!
erdröhnt unter begeistertem Männergesang. Die Stunden
berstreichen, es wird Zeit zum Aufbruch. Im Konzerthaus
Astoria soll noch eine Tasse Kaffee getrunken werden. Er—
sparen Sie mir die Einzelheiten, die sich bei dieser Tosse
Kaffee abgespielt haben! Es war noch schöner als schön!
Wann wir heimgingen? Ich verrate es nicht! Der Nach—
hauseweg war manchem etwas mühsam.
Sonntag, den 9. Mai. 7.390 Uhr morgens Wecken. Immer
munter, wenn es auch schwer fällt. Gemeinsamer Früh—
stückstisch. — Es wird uns allmählich besser!
9 Uhr vorm.: Allgemeine Beamtenversammlung in den
Zälen des Vereinshauses Treviris.
Zunächst Eröffnung der Tagung und Begrüßung der
Ehrengäste durch den Vorsitzenden des Landesverbandes
Rheinland Herrn Görgen-Bonn.
Als Ehrengäste sind erschienen: Vertreter der Reichs—
regierung, der Stadt, der Rheinprovinz, der Eisenbahn, der
Post, der Steuer usw. Von einigen dieser Herren wird auf
die Begrüßungsansprache erwidert. Auch unser Vorsikzender
dankt mit kurzen Worten.
Das Wort ergreift zu einem Referat über das „Berufs—
beamentum“ Herr Rausch-Berlin, Referent im Deut—
schen Beamtenbund. Ein vortrefflich aufgebauter Vortrag.
„Das deutsche Beamtentum muß als kostbares deutiches
Gut erhalten bleiben“, war der Grundgedanke der Aus—
führungen. Nach ihm sprach Herr Landtagsabgeordneter
Baumhoff-Hagen. Er unterstrich die Gefahren für das
Verufsbeamtentum und gab einen interessanten Ueberblick
über die gesamte Beamtenbewegung. Nur durch unbedingte
Einigkeit der gesamten Beamtenschaft seien Schäden zu ver—
hindern. Besonders verurteilt er den Versuch, die Beamten—
bewegung in politische Bahnen zu lenken. Die allein rich—
tige Beamtenvertretung müsse politisch neutral sein und
bleiben. Die beiden Referate, die an anderer Stelle noch
in Einzelheiten wiedergegeben werden sollen, fanden bei
den Zuhörern lebhaften Beifall.
Es werden hierauf noch einige Entschließungen gefaßt.
oon denen uns folgende besonders interessiert:
„Der 7. Rheinische Beamtentag stellt mit Bedauern
und Entrüstung fest, daßz der Beamtenabbau von der
deutschen Reichsbahngesellschaft immer noch fortgesetzt
wird. Die rheinische Beamtenschaft versichert den Kollegen
von der Reichsbahn in dem schweren Kampfe um ihre
Beamtenrechte erneut ihre vollste Solidaritaͤt.“
Mit herzlichen Worten schließt der Versammlungs—
leiter nach 1 Uhr die Versammlung.
Viel Wissenswertes, auch z. T. Reues hat uns diese Ver—
sammlung gebracht. Ein vorzüglicher Kursus über gewerk—
schaftliches Denten und Arbeiten, aus dem den saarländi—
schen Beamtenvertretern neue Kräfte beschert wurden für
den eigenen schweren Kampf.
Um 2 Uhr gemeinsamer Mittagstisch der Saarländer im
Wartesaal 2. Klasse. Schweinekotelette, so groß.. Böse
Zungen behaupten, es wären Hochrippen von einem alten
ochlen gewesen! Sie haben jedenfalls vortrefflich geschmeckt.
D spab ja als saarländische Beamte nicht besonders ver—
nt.
4 Uhr nachmittags: Besichtigung der römischen Bauten
und der sonstigen Sehenswürdigkeiten Triers unter Füh—
rung der Kollegen Fischer und Schmoller.
Was wir alles bestaunten? Porta Nigra, das alte
römische Stadttor, der Hauptmarkt mit dem Marktkreuz
aus dem Jahre 958, die „Steipe“, ein gotischer Bau aus
dem Jahre 1453, ein ehemaliger geselliger Aufenthalts—
raum der Ratsherren, das „Kote Haus“, ein Bau im
Barockstil aus dem Jahre 1684, der Petrusbrunnen von
dem Renaisfancemeister Hoffmann aus dem Jahre 595, der
die Liebfrauenkirche, die Basilika, wunderbare Got—
eshäuser, die Kaiserthermen, das Amphilheater usw. Alte
chrwürdige Wahrzeichen der über zwei Jahrtausende alten
Stadt Trier. Den beiden Herren für ihre liebenswürdige

Führung besten Dank! Bis 6 Uhr abends zog sich die Be—
ichtigung hin. Sie war für viele äußerst lehrreich.
Um 8 Uhr abends soll in den Trevirissälen ein Fest—
aAbend stattfinden. Sollen wir noch bleiben? Während des
Abendessens fassen die meisten — auch ich — den Entschluß,
um 7,25 Uhr nachm. nach Hause zu fahren. Einige ganz
wenige bleiben. Wir sihen wieder im Zug. Die Erinnerung
un die schön verlebten Stunden macht uns die Rückreise
seicht. Saarbrücken — du graue Wirklichkeit!
Blinn.

Tus Verbänd
RAus den Nerbänden
—358— * 2e 2
Verbaud der Vaßnhoss-Verwalter, Eisenbahnassistenten,
5ůMS
Vetriebsasststenten u. A. im Saargebiet
Am 9. Mai d. J. nachmittags 3 Uhr, eröffnete der 1. Vor—
itzende, Kollege Reschke, im Saarbrücker Gesellschaitshaus die
dresjährige, zahlreich besuchte Jahreshauptversammlung und ver—
as die in Nr. 18 der Bundeszeitung bekanntgegebene Tages—
rdnung.
Punkt 1 Gesoldungs- und Standesfragen) wurde auf Antras
Urückgestellt.
Zu Punkt 2 (Satzungsänderung — Sterbekasse) wurde der vom
Vorstand eingebrachte Antrag auf Anschluß der Sterbekasse des
Verbandes an die der Vereinigung der Saareisenbahnbeamten
1. A. ab 1. Juli d. J. von welcher dann ein Sterbegeld in Höhe
»on 2000 Fr. beim Tode des Ehemannes und 1500 Fr. beim
Tode der Ehefrau gezahlt wird, einstimmig angenommen.
Vom 1. Vorsitzenden wurde der Versammlung der Wunsch des
Hereins der Vorsteher und Sekretäre auf Zusammenschluß mit
inserem Verbande bekannt gegeben. Mit Stimmenmehrheit
vurde ein Antrag auf Fühlungnahme der beiden Vorstände
wecks Verwirklichung dieses Gedankens angenommen.
Zu Punkt 3 Geschäfts- und Kassenbericht) wurde der erstattete
heschäfts- und Kassenbericht angenommen und dem Vorstand
Entlastung erteilt.
Zu Punkt 4 GBeitragsfestsetzung) gab der 1. Vorsitzende eine
Frhöhung der Veiträge zum Beamtenbund von 1,50 Fr. pro
Vierteliahr ab 1. April d. J. bekannt. Ferner teilte er die ab
Juli d. J. beabsichtigte, verwaltungsseitige, monatliche Ein—
ziehung der Beiträge durch die Gehalts- und Lohnlisten mit. Die
Beiträge stellen sich demnäch wie folgt: Für II. Quartal (April—
Juͤni) ist 1.50 Fr. Erhöhung zum Beamtenbund, nachzuzahlen
Gesamlbeitrag 16,50 Fr.) Für III. Quartal (Juli-September):
Vorband 3,50 FIr. (davon 1,50 Fr. für die Ortsgruppen), 8.— Fr.
Zterbokasse, 3.90 Fr. Vereinigung und 4.50 Fr. Beamtenbund,—
950 Ir. (monatlich 6,50 Fr.). Ueber die Einziehung der Bei—
räge für das III. Quartal ergeht noch besondere Mitteilung an
zieser Stelle.
Zu dem dann folgenden Punkt 1 Gesoldungs- und Standes—
ragen)'gaben die Kollegen Reschke, Rausch und Schmidt-Heinitz
die nötigen, teilweise sehr interessanten Aufklärungen.
Bei Punkt 5CGVorstandswahl) stellte der Kollege Weiler den
Intrag, den alten Vorstand in seiner Gesamtheit wiederzu—
bählen: Der Antrag wurde einstimmig angenommen. Es sind
ewählt zum:
1. Vorsitzender: Bfs.Vorsteher Paul Reschke, Saarbrücken,
Julius-Kiefer-Straße 95;
2. Vorsitzenden: Bis.-Vorsteher Joh. Rausch, V. d. Seydt.
Bahnhoi;
1. Schriftfübrer:? Betr.-Assistent Paul Rabe, Neunkirchen,
Prinz-Heinrich-Straße 63;
2. Schriftführet: Eis.-Sekretär Karl Bernard, Neunkirchen,
Frankenfeldstrabe 3;
1. Kassierer: Bis.-Vorsteher Peter Lehnert, Neunkirchen.
Schillerstraße 6;
2. Kassierer EisAssistent Aug. Lützenburger, Wiebelskirchen,
Wilheimstraße 43;
zu Beisitzern die Kollegen: Eis.“Sekr. Clemens Mersia), Eis.⸗
Sokr. Sauer (St. Wendel) und Eis.Sekr. Linn
(N.⸗Würsbach).
Zu Mitgliedern des erweiterten Vorstandes der Vereinigung
vürden auüher dem 1. Vorsitzenden die Kollegen Klotz, Salm,
Baldes, Weiler und Schild, zu Mitgliedern des Ausschusses des
Beamtenbundes die Kollegen: Reschke, Rabe, Weiler, Traut—
nann und Schmidt-Heinitz gewählt. Als Kassenprüfer die Kol—
egen Schild und Matzenbacher.
Zu Punkt 9 (amilienausflug) wurde der 1. August und
Mettlach als Tag und Ziel festgelegt. Füt nähere Bekanntgabe
sowie Ausgestaltung dieses Tages ist der gesch. Vorstand und
die Ortsgrupype Dillingen beioragf
            
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