Der Saarregierung erste und vornehmlichste Aufgabe ist
nach dem Willen ihres Auftraggebers, des Volterbundes,
die Sorge um das Wohlergehen des zu treuen Händen
überantvorteten Saarvoltes Zur Erlangung dieses Zieles
ist in erster Linie die Heilighaltung und gerechte Anwen—
dung des gegebenen Rechtes unerläßlich. Dies schließt auch
ganz selbstverständlich die Unterdrückung eines bestimmten
Rechtes zum Nachteile eines bestimmten Standes unter
allen Umständen aus.
Es kann nach all dem Gesagten gar keinem Zweifel unter⸗
liegen, daß das Baden-Badener Abkommen bestimmte
Ruͤckwirkungen nach sich ziehen muß. Je eher die Regie⸗
rungsstellen ihren ganz gewiß unhaltbaren Rechtsstand—
puntt 'aufgeben, desto besser ist es für beide Teile. Man
läuft nicht gerne wegen Kleinigkeiten zum Kadi. Wenn es
fich aber um die Unkerhöhlung der wosentlichsten Existenz⸗
bedingungen für einen Stand dreht, wenn alte lebens—
wichtige in langer Dienstzeit sauer errungene wohlerwor—
bene Rechte verkümmert oder gar ganz unterdrückt werden,
dann muß schließlich, aller Not zum Trotz, auch das Letzte
zur Verteidigung seiner Rechte und der Existenzmöglichkeit
daran gesetzt werden.
Es ist sehr zu bezweifeln, daß der von wahrem Gerechtig—
keitsgefühl beseelte neue Präsident der Saartegierung von
solchem Vorgehen seiner nachgeordneten Amtsstellen Kennt—
nis hat. Der alte Geist Poincare-Rault scheint immer noch
umzugehen und mächtiger zu sein, als der wohl dankbaren
Sinnes anerkannte gute Wille des neuen Regierungschefs
Es müßte doch jeder Behörde zur Ehre gereichen, einen
durch veränderte Verhältnisse unhaltbar gewordenen
Rechtsstandpunkt in Achtung vor der die BVehörde nu:
ehrenden Gerechtigkeit freiwillig und rechtzeitig zu ver—
läassen und dadurch sonst unvermeidbare Rechtsstreite zu
verhindern. Hoffen wir noch, daß die bessere Einsicht bald
kommt und siegt. Beamten, die Augen auf! es geht um
Euer Recht und um Eure Existenz! Die Einstellung der
zuständigen Stellen der Regierungskommission legt uns,
wenn wir nicht schließlich durch gewisse Rechtsauslegungen
uns dauernd geschädigt sehen und jeden festen Vergleichs—
boden mit unseren Kollegen im Reiche verlieren wollen,
mehr wie je und lauter wie je die Forderung auf die
Zunge: „Her mit dem deutschen Gruppenregulatio. mag es
nun 13 oder 30 Gehaltsgruppen haben.“
Nur so erhalten wir uns einen festen Rechtsboden und
die Möglichkeit einer annähernd gleichmäßigen Besoldung
mit unseren Kollegen im Reich. Das Beamtenstatut gibt
uns ein Anrecht hierauf. Videant consules.
388
Suursa der
oiniseh Nagquatanga
duf dem 7. Rheinchen veamtenten
Samstag, den 8. Mai. Vor dem Hauptbahnhof Saar—
brücken kommen allmählich 5, 12, 15, schließlich 25 deutsche
Saarbeamte zusammen, alle mit demselben Ziele:
nach Trier zum 7. Rheinischen Beamtentag.
Ein liebenswürdiger Eisenbahnschafsner verstaut sie in
vier nebeneinander liegende Abteile des Zuges. — — Ein
kurzer Ruck — der Zug fährt.
Anfangs eine recht schwermütige Unterhaltung. Kann es
wundern? Es' sind fast nur Beamtenvertreter, von ihren
Verbänden entsandt! Jahrelange Kämpfe um das Wohl
der Beamten haben sie mehr oder weniger zu vergrämten
Pessimisten werden lassen! Und zur Zeit — ist denn die
Hoffnung berechtigt, daß das Los der Saarbeamten bald
besser wird? — Dazwischen fährt denn auch eine energische
Stimme: „Kinder, fahren wir zu einer Beerdigung?
Haben wir nicht ein großes Erlebnis vor uns? Werden wir
nicht Bekannte treffen, mit denen wir Erinnerungen aus
der so glücklichen Vergangenheit auffrischen wollen? Laßt
die Sorgen im Saargebiet!“ — Wir rütteln uns zusammen
und bemühen uns, sie für heute zu begraben. Es geht. —
Ein Kobold rückt mit Witzen den Sorgen zu Leibe. Man
hört schon helles Auflachen. Die Unterhaltüung wird immer
röhlicher. Und dahin rollt der Zug durch des Saarlandes
Fluͤren. — Saarlouis, Dillingen. — Wie schön ist doch
insre Heimat! Gedanken und wieder neue Gedanken! —
Warum hat man uns von unserem geliebten Mutterlande
rennen müssen? — Doch wir sind deutsche Beamte — wir
dunen unsere Pflichten. Wir müssen, wir wollen Diener
der Gesamtheit sein! — Mettlach! — „Aben Sie was su fer—
ollen?“ Ohne erst unsere Antwort abzuwarten, verschwinder
der Mann wieder. — Serrig! — Der deutsche Zöllner wirft
uins im Vorbeigehen nur einen mitleidigen Blick zu. Wer
es ihm gesagt hat, daß wir arme saarländische Beamt—
ind? — Ob dem einen oder anderen nicht das Herz etwas
söher schlug? Zigarren, Zigaretten! — Saarburg! Die
Irsten Weinberge, prächtige Landschaften, es geht weiter.
Tre—ve—ris! Wir sind angelangt. Die Wohnungen
perden aufgesucht. Sie waren schon im voraus besorgt
Billig, dafür aber einfach, wie es sich für arme Franken—
Möpfaͤnger gehört. Schnell den Reisestaub beseitigt. Im
Restaurant des Hotels wird die Speisekarte studiert. Die
Preise sind nicht sehr hoch. Es wird bestellt. Einer häli
soch etwas zurück. Er will erst die Portionen sehen. Schließ⸗
siich bestellt er — Eisbein. Sein Nachbar hat schon vorhe—
»asselbe gewünscht. Doch, als das „Eisbeinchen“ kam —
Herr Ober, kann ich die Bestellung noch abändern?“
Fott sei Dank, es ging. Wir müssen uns beeilen. Um 8 Uhr
gehts zum Hotel Porta Nigra.
An zwei langen Tischen haben die Saarbrücker in dem
Festsaal Platz genommen. Weinzwang! Unser armer Geld—
deutel! Toch die Preise sind zu ertragen. Für 2 RM. kann
man sogar eine Flasche 2ler trinten, Allmählich füllt sich
der Saal. Eine kleine Musitkapelle — Klavier, Violine
und Cello — spielt einen flotten Marsch. Wir sehen uns
nach Vokannten um. Herzliche Wiedersehensfreuden! Der
gute Wein macht uns fröhlich. Vergessen sind alle Sorgen
Ha klingt hell ein Weinglas. — Der Vorsitzende des Orts—
artells Trier begrüzt mit herzlichen Worten die Gäste. Als
er den Saarländern für ihr Erscheinen besonders warme
Dankesworte widmet, durchbrausen den Saal stürmische
Begrüßungsrufe. Unser Herr Vorsitzender spricht im Namen
der anwesenden Saarländer und der 10000 deutschen Saar—
beamten. Was er sagte? Was uns täglich, was uns stünd—
lich bewegt! Und dann, warum wir nach Trier gekommen
sind? Eine Rede, gesprochen aus tiefstem Herzen. Wenn ich
duch davon absehen muß, die ganze Rede an dieser Stellt
weederzugeben, so zwingtees mich doch, solgende Sätze heutt
hier zu bringen:
„Als die Trierer Kollegen uns vor einigen Wochen
die Einladung zum 7. Rheinischen Beamtentag zu—
'andten, da ging ein freudiges Aufatmen durch unsert
Kethen. Trier, der Sitz unserer früheren Verwaltungen.
unserer, früheren Regiexung! Das Wort allein wirkte schon
wie ein Zauber. Rheinischer Beamtentag in Trier! Der
mußte Gelegenheit geben, alte Freundschaften wieder auf
zufrischen, Erinnerungen auszutauschen. neue Kraft z3
olen zu neuer Arbeit. — —
Eins haben Sie nicht nötig: Sie brauchen sich keine Sor—
Jen um uͤnser Saarland und sein Schicksal zu mächen. Lasser
Sie das ruhig unsere Sorge sein. Unser Saargebiet is
teich, reich an Kohle und Eisen und Glas und Porzellan
Unsere Saarheimat ist schön, schön mit ihren Wäldern und
Tälern und Bergen und Burgen. Saargebiet! Da raucher
die Essen. Da pochen die Hämmer. Da pflügt der Bauert
Da müht sich der Bergmann. An beladenen Schiffsleibern
zlucksen Wellen. Auf bewaldeten Hängen aber künden ver
pitterte Wahrzeichen von heldischer Kraft und deutscher
Ehre. Das ist unsere Saarheimat, die wir lieben mit
reißester Glut. An ihr hängen wir mit jeder Faser und
Fiber unseres Herzens. — —
Und darum: Dies sei der Ruf von der Saar an die
Trierer, rheinische und deutsche Beamtenschaft: Seid einig
Steht einig und treu als Kollegen zusammen im Deutscher
Beamtenbünde, zu dessen Zielen auch wir uns mit Stol—
bekennen! Steht einig und kreu als Schwestern und, Brüde
in unserer großen, lieben, deutschen Volksgemeinschaft
Dann ist auch uns im Saargebiet am besten vedient““