Ortsgruppe Neunkirchen der Eisenbahn⸗
fahrbeamten und Anwärter
Am Sonntag, den 25. April, hatte der Ortsgruppenvorstand
jür 3 Uhr nachm. im Lokale „Kaiser“, Neunkirchen, Bahnhojstr.,
eine öffenthiche Versammlung für alle Fahrbe—
amten einberufen.
Allen nicht- oder anderweitig organisierten Kollegen sollte
Gelegenheit gegeben werden, wirkliche Einsicht zu erhalten, wie
ihre internen Standesinteressen von der diesseitigen Beamten—
vertretung und deren Spitzenorganisfationen, dem Beamtenbunde,
ihre Erledigung finden. Leider war dem Ruf unserer Einladung
keine Führung einer anderen Gewerkschaft gefolgt. Die Kollegen
wurden in ihrem Gefühl bestärkt, daß unsere Vertretung ehrlich
und gerecht iür das Wohl unserer Gruppe arbeitet.
Der Ortsgruppenvorsitzende, Kollege Müller, begrüßte alle an—
wesenden Kollegen und geibelte in aller Offenheit die unkolle—
aiale Haltung aller NRichtorganisierten, die auf Kosten
ihrer Kollegen alle gewerkschaftlich erkämpften Vorteile mit
ernten.
Zu Punkt 1, Besoldung, gab der Bezgirksleiter, Kollege
Kaufmann, in kurzen aber klaren Ausführungen den Kollegen
ein B'ld über die Verhandlungen der Arbeitsgemeinfchaft der
Reamtenverbände mit der Saar- und Re'schsregierung in Berlin,
Baden-Baden und Saarbrücken bis zur Entscheidung der Saar—
regierung am 24. 4. 26. durch welche der Umrechnungsfaktor von
14 auf 4.7 erhöht wurde. D'e anschließende reichliche Aussprache
bekundete das Einverstöndnis der Veriommlung mit der Ver—
tretungswe'se unserer Führer, die auf Grund der Haltung der
Saarregierung vorerst noch kein besseres Resultat erzielen konn—
ten. Es wurde den Führern aufgsegeben, mit allem Nachdruck
eine fühlbare Erhöhung der Gehälter der unteren Beamien—
aruppen zu erstreben.
Punkt 2, Nebengebühren. Kollege Müller gibt der Ver—
sammlung die Eingabe des diesseitigen Verbandes vom 2. 9. 25
betr. Ethöhung der Nebengebühren, bekannt und rechtfertigt den
Aushang betreffs der letzten Gewerkschaftsarbeit in dieser Hin—
sicht gegen die Angrifse des Einheitsverbandes.
Kollege Kaufmann entrollt der Versammlung ein klares Bild
der letzten Forderungen und Verhandlungen bei der Eisenbahn—
direktion und bei den Mitgliedern der Regierungskom., wonoch
die Nebengebühren rückwirkend ab 1. 1. 26 eine Aufbesserung
Was drückt uns?
Vierzigjährige Dienstzeit
Die Regierungskommission des Saargebietes hat auf
Grund des Vorgehens der Reichsbehörden eine Ehrung der
Beamten bei der Vollendnung einer vierzigjährigen Dienst—
zeit durch Ueberreichung eines Anerkennungsschreibens zu—
gestanden. Die Gründe für das Vorgehen des Reiches
liegen darin, daß einerseits nach den bieherigen Gepflogen—
heiten (Anerkennung der Dienste erst bei 50jähriger Dienst⸗
zeit usw.) die zur Zeit infolge des Abbaues künstlich ver—
jüngte Beamtengeneration z. T. kein äußeres Zeichen
der Anerkennung für die während eineinhalben
Menschenalters in Treue geleisteten Dienste erhalten
konnte und daß anderseits aus der Beamtenschaft der
Wunsch laut wurde, dieses äußere Zeichen früher den Be—
amten zuzuerkennen, zumal eine Ordensverleihung damit
nicht mehr verbunden ist. Wir begrüßen das Nachahmen
der Regierungskommission.
Wir möchten hier ihre Aufmerksamkeit nur auf einen
Umstand hinweisen: Wenn ein Beamter fünfundzwanzig,
dreißig. ja vierzig und mehr Jahre treu seinen Beruͤfs—
pflichten nachgekommen ist, darf dieser Tag sich nicht auch
äußerlich ven dem Gleichmaß des Dienstes abheben? Darf
der Beamte keine Gelegenheit haben, ihn im Kollegen-,
Freundes. und Familienkreis zu begehen? Muß der Be—
amte an einem solchen Tag erst aus Nachtdienst heimkom—
men oder Früh-, Spät- und Nachtdienst verrichten? Wäre
e8 nicht angebrachter, einen Jubilar an solchem Tage ein
zriahren sollen. (Wie wir erfahren, ist die Entscheidung der Re—
zierungskommission inzwischen in dem Sinne, wie Kollege Kauf—
nann berichtet hat, gefallen.)
Zu Punkt 3, Ausschußwahlen, zieht Kollege Müller
Vergleiche in gewerkschaftlicher Hinsicht zwischen dem Reichs-Be—
riebsrätegesetz und den diesseitigen Beamtenausschüssen. Er be—
prach die Verbesserung des Ueberganges der Verhältnis- zur
ßruppenwahl und fordert die Kollegen anderer Gewerkschaften
ur ehrlichen Mitarbeit in Beamtenvertretungen mit der Parole
Gleichheit zum Wohle der gesamten Beamtenschaft“ auf. Die
kinführung einer Beamtenkammer für das Saargebiet wurde
gewünscht.
Punkt 4, Verschiedenes, fand eine äußerst rege Aus—
prache. Die Verfügung der Eisenbahndirektion betreffs Erhö—
hzung der Pilichtbeiträge zur Kleiderkasse von 7,50 Frs. auf
10,- Fr. monatlich ohne Erhöhung der Verwaltungssuschusses,
wurde von den Kollegen mit Empörung gegeißelt. Kollege Kauf—
nann gab die Zusammensctzung des Kleiderausschusses bekannt
und erklärte, daß die letzte Erhöhung ohne Anhörung des Klei—
derausschusses getätigt worden ist. Kollege Reichert weist darau'
hin, daß andere Beamtengruppen des Saargebietes mit voller
Zleidungsausrüstung frei beliefert werden, und daß gerechter—
veise alle Beamten, die zum Uniformtragen vervpflichtet sind,
rei beliefert werden müßten. Da das Gehalt der unteren Be—
imten, besonders in den Gruppen J bis V, kaum zum nackten
Lebensunterhaltausreicht, müßte ver waltungs—
eitig weit gröbere Einsicht einkehren. Bei Ve—
nängelung schlechter Lieferungen stellt er den Antrag zu
zewerkschaftlicher Bearbeitung: 1. Das Verhältnis des Kleider—
tassenbeitrages muß mindestens 1:2 gestellt und der verwäl—
ungsseitige Zuschuß auf 360.— Irs. erhöht werden. 2. Bei
der Kleiderlieferung, die bedeutend in ihrem Termin zu kürzen
ist. soll dem Bediensteten eine Rechnung ausgehänd'igt werden,
damit der Bedienstete sieht. was er schußdet. Als Preise gelten
die beim Bestellungstage festgelegten Preise, nicht aber dieieni—
gen zur Zeit des Liefertermins. Der Antrag fand bei der Ver—
ammlung Annahme. In den weiteren Ausführungen wurden
noch die Fragen der Eingruppierung, Beamtenlaufbahnbestim—
mungen und Auistiegsmöglichkeiten besprochen, wobei Kollege
Müller die Behinderung des Fahrpersonals in seiner begrenzten
daufbahn unter der Forderung „Freie Bohn dem Tüchtigen“
operwirft. Um 7 Uhr fand die von echtem Gewerkschaftsgeist ge—
ragene Versammlung ihren Abschluß.
Reichert, Schriftführer.
mal vom Dienste zu befreien? Es wird kein Schwarzer
Adler-Orden, auch kein Völkerbunds- Orden am blau⸗weiß—-schwarzen
Bande, nicht einmal eine silberne Uhr mit Wid—
mung erstrebt; wir wissen auch daß die überaus große
Mehrzahl' der Dienststellen- Abteilungas- und Amäesleiter
»on fsich aus soviel Takt besitzt, dem ZJubisar — wenn sie
»s überhanupt wissen! — die Dienstbefreinmmg anzubieten
»der fie ihm auf Ansuchen nicht vorzuenihalten. Aber wenn
die Regierungsfommission sogen würde, doßk über solche
Toge die Jubisore nachBersfändigungihres Vor—
reseksfen selbst einmal verfügen dürften, dann würde
das allgemein onerkannt werden. IRch glaube nicht, daß
Maödome Bsanche an dem Toge. wo sie noch kaum sechs—
öhriger Dienstzeit shre 110 000 Franken eindeheimst hoatte,
ioch nach ihrer Häkelorbeit — der schönen Verlegenheits—
»eschäftigung einer Emvfonassdame — gesehen hot. Much
der Umstand daß gewisse Beomte hier im Sagrgebioef feine
25 Jobhre bleiben können, ändert nichts an unserm Wunsch
end dürfte auch die Versonalkommission nicht hindern die
Diensthefreiung der Jubilare der Regierungskommission
vorzuschlaoen
8 — ⸗⸗⸗
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