Full text : 1.1926 (0001)

finanziellen Sorgen, weil die Rechnungen (für Zeitichrist
usw.) prompter eingingen als die Beträge, und weil auch
der ursprüngliche Haushaltsplan kaum mehr auftechner
halten war.
Warum sollen wir das alles nicht ganz ofsen sagen? Welche
andere Interessengemeinschaft kann für cinen Beitrag ven
1 — sage und schreibe: e i n em — Franken im Monat, viel
und gut arbeiten, einen ansehnlich gewordenen Bürobetrieb
führen und alle acht Tage pünktlich auf die Minute eine,
immerhin beachtliche Zeilsschrift jedem einzelnen Angehöri—
gen ins Haus bringen lassen?
In starker Beklommenheit sah man der Ausschußsitzung
entgegen.
Und vorweg sei es betont: Die Beamtenvertkre—
tung hat ihre Schuldigkeit getan; die Re—
gierungskommission hat ihre ersten Sicht-—
wechsel noch einzulösen. Das war der Grundton
der sich durch alle Ausführungen der berufenen Sprecher
aller Beamten zog. Selbstgezügelte Stärke, gepaart mit
gutem Bewußtsein führten zur Klarheit, ja zu einer Ein—
mütigkeit, wie sie unter Deutschen, und ganz besonders unter
den noch mehr oder weniger egozentrisch eingestellten deut—
schen Beamten doppelt bedeutsam ist.
Bitterster Ernst kennzeichnete die Tagung. Kein Vor—
wurf gegen die Führung; einhellige Billigung ihrer Auf—
fassung, daß es die Stellung der Beamtenschaft nur stärken
kann, wenn sie den ersten Beweis guten Willens darge—
bracht hat. Immer wieder zwang sich eindringlich die Mah—
nung durch, auf der Hut zu sein; immer wieder wurde die
geschlossene Deckung bekundet, auch für den Fall. daß es als
notwendig erachtet würde, wieder schwereres Geschitz in
Stellung zu bringen. Und auch die geschäftlichen Sorgen
wurden von der Führung genommen.
Noch ein kurzes Wort zur Besoldungsfrage. Es ist nicht
wahr, daß die Tabelle als solche seitens der Beamtenver—
kretung angenommen wurde. Unter der Bedingung des
pausenfreien Weiterganges der Verhandlungen war wegen
der vollständigen Mittellosigkeit ganz besonders in den
unteren und mittleren Gruppen der Durchführung der
vorgelegten Tabelle als einem Provisorium zugestimmt
worden. Aber wie hat die Regierungskommission das Ver—
sprechen ihres Vertreters auf sofortige Unterschiedzzahlung
gehalten? Zehn Tage nach dem erstvorgesehenen Termin,
hatte ein großer Teil der Beamtenschaft den Unterschied
noch nicht. Es wurde hier zwar kein böser Wille, aber
Unvermögen zu Gunsten der Regierungskommission ange—
nommen. Vertrauensvoll wurde die Fortführung der Be—
soldungsaktion in die Hände der Führung gelegt; gute An—
regungen aus der Versammlung förderten den Mut zur Be—
wältigung der schweren bevorstehenden Aufgabe.
So muß es sein; dann muß es auch vorwärts gehen!
2. Bericht über den Verlauf
Tagesordnung:
L. Aufnahme neuer Mitglieder;
2. Tätigkeitsbericht der Bundesleitung;
3. Besoldungsangelegenheiten:
4. Verschiedenes.
Um 3 Uhr nachmittags eröffnete der 1. Vorsitzende die
Versammlung mit einer herzlichen Begrüßung der für das
Jahr 186 von den Verbänden neugewähllen und erschiene—
nen Ausschußmitglieder und richtete an alle gleichzeitig die
Bitte, in sachlichen Beratungen an den Zielen des Beamten—
bundes mitzuarbeiten.
Anwesend waren 92 Vertreter.
Zu Punkt 1: Es lagen Aufnahmeanträge a) von der
Gruppe der Beamten der Heil- und Pflegeanstalt Merzig
und b) eines einzelnen Beamten vor.
Der Ausschuß genehmigte die Aufnahme der Gruppe der
deene d Heil- und Pflegeanstalt Merzig in den
Beamtenbund. Die Regierungskommission beabsichtigt, mögli in
Da einzelne Beamte satzungsgemäß in den Beamtenbund Laufe des Monats ision 3 aane —5—
nicht aufgenommen werden können, schlug der Vorstand vor, tungen einzuführen und sie mit weiteren Befugnissen aus

ene Gruppe der Hausmeister an staatlichen Anstalten zu
hzilden, weil sonst diesen Beamten keine Gelegenheit geboten
väre, dem Beamtenbund beizutreten. Der Ausschuß schlef
ich dem Vorschlage des Vorstandes an.
Zu Punkt 2. und 3.: Beide Punkte wurden in einem
Bericht des Vorsitzenden gemeinsam behandelt. Herr
Schneider gab ein eingehendes Gesamtbild über die bis
serigen und künftigen Schritte des Beamtenbundes bei der
Regierungskommission des Saargebietes und bei der Deut—
schen Reichssregierung. Er gab auch Aufschluß über den
gegenwärtigen Stand der besonderen Beamtenbelange wie
Beamtenausschüsse bei den Verwaltungen, Umgruppierung
der Beamten entsprechend dem Baden-Badener Gruppen
bergleich, Kinderzulagen, Notstandsbeihilfe, Krankenkass
und Besoldungsfrage.
Besoldung.
Nach den in unserer Zeitschrift veröfsentlichten Eingaber
und insbesondere nach dem ausführlichen Bericht über die
am 22. 4. stattgefundene Verhandlung mit der Regierungs
'ommission, ist es unseren Vertretern bisher noch nicht ge—
rungen, unsere Forderung in bezug auf Besserstellung der
unteren Gruppen, sei es durch Erhöhung der Grundzahler
oder durch Anwendung eines höheren Umrechnungskurses
durchzusetzen; auch ist die Einführung des örtlichen Sonder
zuschlages und ein höherer Umrechnungskurs als 4,7 vorers'
ioch nicht erreicht worden.
In den Verhandlungen vom 22. April hatten unsere Ver—
reter praktisch nur eine Wahl zwischen strikter Ablehnung
und Fortführung der Verhandlungen auf der neuen Platt
orm der Regierungsvorlage. In den Erklärungen des
Regierungsvertreters lag viel Neues und Verheißendes
insbesondere das klare Bekenntnis zum gleitenden Charakten
der Tabelle und zur Offenlegung aller Karten. Die Situa—
sion war neu. Gewiß sind in früheren Verhandlunger
citens der Regierungskommission immer wenigstens zwer
Tabellen in Bereitschaft gehalten worden, von denen im
»asten Gange immer nur die schlechtere angeboten wurde
Wir haben auch nachher noch den Regierungsvertreter dar
uuf aufmerksam gemacht; das Bestehen eines zweiten Vor—
chlages hat er in Abrede gestellt. Ein neuer Vorschlad
zätte erst ausgearbeitet werden müssen. Geraume Zeit
ange und bange Tage völliger Mittellosigkeit in breiter
Bruppen hätten unsere Vertreter verantworten müssen
Wo immer wir in letzter Zeit auf Früherzahlung des Ge
jalts pochten, stießen wir auf strikte Ablehnung. Die Dar
legungen der Regierungskommission bedingten erst eint
»ollkommene Verdauung, eine eingehende Prüfung; der
lückenlose Fortgang der Verhandlungen mußte als gesicher
gelten; die Gegenaktion bedingte eine umfassende Arbeit
für die eine halbstündige Pause nicht im entferntesten ge
nügt, der vielmehr mehrere Köpfe sich tage- und wochenlang
vidmen müssen. Die besondere Kommission hierfür ist
ofort gebildet worden und hat bisher unablässig an dewn
Problem gearbeitet. Eine demagegische Ablehnung, wie sie
ich mit einer einzigen zu billigen Wendung der Ein
heitsverband Deutscher Eisenbahner geleistet hat, wäre an
gesichts der Gesamtlage unser unwürdig gewesen. Nachdem
pvir die sofortige Auszahlung, wenn auch nur der geringen
Beträge, gesichert hatlen, war für diese Richtung die Ab
ehnung ja gar kein Risiko mehr! Unser Standpunkt wurde
zudem auch von der Vereinigung der höheren Beamten, der
»eiden Verbänden der christlichen Richtung, dem Butab und
der Vereinigung der Lokomotivbeamten geteilt und gut
geheißen. „Sofort Geld!“ hatte man uns auf dem Wegt
zu den Verhandlungen, insbesondere aus den Reihen der
unteren Gruppen, zugerufen. Auch über den scheinbarern
Erfolg, den die Arbeitergewerkschaften angeblich durch ihrt
strikte Ablehnung davongetragen haben, haben wir uns⸗
eines anderen belehren lassen müssen.
Ausschüsse.

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